Dekanatssynode
Kraftvolle Poesie der Bibelworte

Liebe und Erotik besingt das Hohelied. Stefan Kügel brachte es mit einer Handpuppe auf die Bühne. Bild: cog

Eine Bibelstunde der besonderen Art beging die Synode des evangelischen Dekanatsbezirks Sulzbach-Rosenberg zu ihrem 450-jährigen Bestehen: Der Pfarrer und Liedermacher Wolfgang Buck präsentierte zusammen mit Schauspieler Stefan Kügel das Programm "Aufs Maul gschaut - Fränkische Songs & dem Luther seine Bibel".

Was hat die Bibel mit der heutigen Wirklichkeit zu tun? Unsere heutigen Themen wie der Umgang mit Fremden, gewissenloses Profitstreben, die Freude an Essen und Trinken, an Lust und Liebe haben auch schon vor 2000 oder 3000 Jahren die Menschen bewegt. Kügel trug die kraftvolle Poesie der Bibelworte aus dem Alten und dem Neuen Testament lebendig vor, Buck ergänzte und illustrierte sie mit fränkischen Songs.

Humor und Wortwitz


Mit Humor, Wortwitz und abenteuerlichen Reimen öffnete er eine weitere Dimension des Verständnisses. So sang er zur "Hochzeit von Kana" seine wunderbare Liebeserklärung an den "Schweinebrodn". Die splittrig-knusprige Kruste, das zarte Fleisch, die herrliche Soße und dazu der köstliche Kloß wurden in seinen gefühlvollen Worten sinnlich erlebbar. Kügel spielte mit zwerchfellerschütternder Mimik und verschiedenen Verkleidungen. Manchmal holte er sich als Verstärkung einen Fuchs auf die Bühne. Am schönsten war es aber, als er zusammen mit einer tief dekolletierten Handpuppe das Hohelied vortrug. Sie war die schöne Freundin, die der Bibeltext preist, Kügel der zärtliche Liebende. Aber Vorsicht: Im Buch der Bücher findet man für jede Haltung den passenden Spruch.

Buck und Kügel lieferten sich ein Duell mit Bibelstellen, die sich jeweils widerlegten. Milde oder Härte? Arbeit oder Muße? Der Liedermacher und der Schauspieler kamen zu einem sehr menschlichen Ergebnis. Man sollte das Leben bewusst genießen und mehr nach dem Menschen fragen als nach dem Geld. Mit stehenden Ovationen zeigten die Zuschauer im voll besetzten Gemeindesaal, wie einverstanden sie mit dieser Botschaft sind.

"Fränkische Songs & dem Luther seine Bibel" können dabei helfen, den Blick wieder neu auf die Heilige Schrift zu richten, so dass wieder mehr Vernunft in unseren Alltag einkehrt und die Gewissen geschärft werden, sagte Dekan Karlhermann Schötz, "wenn uns das gelingt, hat das ganze Reformationsgedenken schon viel erreicht."

Festakt davor


Dem musikalisch-literarischen Programm war ein Festakt anlässlich des 450-jährigen Bestehens des Evangelisch-Lutherischen Dekanatsbezirks Sulzbach-Rosenberg vorangegangen. Kirchenvorsteher aus allen 24 Gemeinden des Dekanatsbezirks sowie die Mitarbeiter blickten in Dankbarkeit zurück.

Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss stellte in seinem geistlichen Grußwort fest, dass die Ökumene hier immer schon eine große Rolle gespielt hat. "Freilich war das Miteinander der Konfessionen damals häufig eher ein Gegeneinander", sagte Dr. Weiss und hob dankbar die erfreulichen Zeichen der Öffnung zwischen katholischen und evangelischen Christen hervor. Das sei der menschlichen Beitrag dazu, dass das Dekanat Sulzbach-Rosenberg auch die nächsten 450 Jahre blühe und gedeihe. Entscheidend seien aber Gnade und Segen Jesu Christi. "Legen wir die Zukunft des Dekanatsbezirks, vor allem aber die Zukunft der Menschen darin in Gottes gute Hände", schloss der Regionalbischof.

Beste Wünsche


Auch Landrat Thomas Ebeling aus Schwandorf, Bürgermeister Michael Göth und Regionaldekan Ludwig Gradl als Vertreter der katholischen Kirche drückten in Grußworten ihre besten Wünsche aus.

Dorothea Seitz-Dobler, die Präsidentin der Synode, stellte die druckfrische Broschüre "450 Jahre Evangelisch-Lutherischer Dekanatsbezirk Sulzbach-Rosenberg" vor. In dem kleinen Buch führt Dr. Adolf Rank durch die evangelische Geschichte des einstigen Fürstentums Pfalz-Neuburgs bis zum heutigen Dekanatsbezirk.

Am Ausgang bat die Dekanatsjugend um Unterstützung für ein großes Projekt: Die Jugendlichen bauen auf dem Knappenberg, wo das Jugendübernachtungshaus des Dekanats ist, eine Kapelle. Gern füllten die Synodalen die Spendenkörbchen.

BroschüreDr. Adolf Rank: 450 Jahre Evangelisch-Lutherischer Dekanatsbezirk Sulzbach-Rosenberg; Herausgeber: Evangelisch-Lutherischer Dekanatsbezirk Sulzbach-Rosenberg; Pfarrplatz 6; 92237 Sulzbach-Rosenberg. Die Broschüre ist im Dekanat für 4 Euro erhältlich. (cog)
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