Deutsch-französische Freundschaft hält seit 39 Jahren
Fabelhafte Freundschaft

Sophie Colas (vorne links) und ihre Mutter Jannine Colas (vorne, rechts) freuen sich über die frischen Kücheln aus der Küche. Mit Lilo Pilhofer (hinten, links) und deren Schwägerin Inge Rösel (hinten Mitte) verbindet die Französinnen eine jahrzehntelange Freundschaft. Die herzliche Gastfreundschaft in Seidersberg darf auch Sophie Colas' Sohn Hugo (hinten rechts) genießen: Drei Monate bleibt er in Deutschland. Bild: Sandig
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Sulzbach-Rosenberg
21.04.2017
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Es muss 1978 gewesen sein, da ist sich Sophie Colas ganz sicher. Damals war sie 16 Jahre alt. "Ich habe meinen 17. Geburtstag hier gefeiert." 39 Jahre sind seitdem vergangen, doch die Französin ist der Familie Pilhofer in Seidersberg immer noch treu verbunden.

Am Donnerstagabend sind Sophie Colas, ihre Mutter Jannine und Hugo, ihr jüngster Sohn, in Seidersberg angekommen. Für Sophie Colas fühlt es sich ein bisschen an, wie nach Hause zu kommen. In ihr deutsches Zuhause. Denn sie hat zwei Familien, eine in ihrer französischen Heimat und eine in Seidersberg. "Das ist meine deutsche Familie", sagt Sophie Colas im perfekten Deutsch und deutet auf Lilo und Erich Pilhofer und Inge Rösel.

Herzlich aufgenommen


So herzlich, wie sie einst Sophie aufgenommen haben, so rührend werden sich die Pilhofers und Rösels jetzt auch um Hugo, Sophie Colas' jüngsten Sohn, kümmern. Er bleibt hier, besucht bis zum Schuljahresende das Max-Reger-Gymnasium in Amberg. "Das klappt schon", sagt Inge Rösel zuversichtlich, ihre Schwägerin Lilo Pilhofer nickt. Sophie Colas und ihre Mutter Jannine lehnen sich entspannt auf der Eckbank zurück. Sie wissen: In Seidersberg, bei den Rösels und den Pilhofers, ist der 16-Jährige gut aufgehoben. Seine Mama neckt ihn: "Pass auf, du hast jetzt drei Mütter." Sie selbst war 16 Jahre alt, als sie mit ihrem Vater, der im Stadtrat ihres Heimatorts Pierres bei Maintenon saß, nach Sulzbach-Rosenberg kam. Es war ein Austausch von Sportvereinen, der FC Großalbershof war der Gastgeber für die Franzosen. "Ich war zum ersten Mal in Deutschland", erzählt Sophie Colas. Und weil es ihr so gut gefiel, beschloss sie, länger zu bleiben. Und so kam sie auf den Bauernhof der Pilhofers in Seidersberg.

"Ich fand das stark von ihr", sagt Lilo Pilhofer. "Sie war so jung und hat entschieden, dass sie länger bleibt, einfach so." Schnell schlossen die Pilhofers ihr Gastkind ins Herz. Der Hausherr holt ein altes Album. Auf Fotos ist Sophie Colas vor dem Bauernhaus zu sehen, beim Federballspiel, im Kreise der Familie. "Damals habe ich acht Kilo zugenommen", sagt Sophie Colas. "Das lag an der guten Küche." Vor ihr steht ein Teller mit Kücheln, die Lilo Pilhofer gebacken hat. "Kücheln, die habe ich damals auch probiert. Aber meine haben beim Backen immer ein Loch bekommen", sagt die Französin.

Und auch Inge Rösel hat eine einzigartige Erinnerung an Sophies ersten Besuch: "Ich habe ihr Apfel-Shampoo zum Haarewaschen benutzt." Sie borgte es sich aus, weil am Nachmittag ein besonderes Ereignis anstand: Inge Rösel, die damals noch Pilhofer hieß, heiratete standesamtlich. "Ja, jetzt erinnere ich mich", ruft Sophie Colas aus. "Ich habe damals gar nicht gewusst, dass du heiratest."

Letztmals vor 14 Jahren


Die beiden Familien überlegen, wie oft sie sich schon gegenseitig besucht haben. "Auf zehn Mal bringen wir es bestimmt", sagt Inge Rösel. "Ich war zum letzten Mal vor 14 Jahren hier", rechnet Sophie Colas nach. Jetzt liegt es an Hugo, ein weiteres Kapitel der deutsch-französischen Familienfreundschaft aufzuschlagen - es sieht ganz danach aus, dass er genau dies tun wird. (Angemerkt)

Über Grenzen und Generationen hinwegDrei Generationen aus Frankreich sitzen bei Familie Pilhofer in Seidersberg um den gemütlichen Esszimmertisch: Sophie Colas, ihre Mutter Jannine und ihr Sohn Hugo.

Jannine

Jannine Colas ist glücklich, dass ihre Tochter Sophie als 16-Jährige so gut bei der Familie Pilhofer in Seidersberg aufgenommen wurde. "Sie hatte mir angedeutet, dass sie länger bleiben möchte, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt." Deshalb war Jannine Colas nicht sonderlich überrascht, dass die Tochter einfach sechs Wochen in der Oberpfalz dranhängte. Auch sie selbst ist angetan von dieser Region: "Die Landschaft ist so wunderbar, die Menschen sind sehr, sehr herzlich."

Sophie

16 Jahre war Sophie Colas alt, als sie zum ersten Mal nach Deutschland kam. Sie nutzte die Gelegenheit und verlängerte um sechs Wochen, auf dem Bauernhof der Familie Pilhofer fühlte sie sich sofort wohl. Die engen Kontakte zu der in Seidersberg ansässigen Familie definiert sie so: "Freundschaft, das ist, wenn jeder weiß, dass der andere da ist."

Hugo

Hugo war zwei Jahre alt, als er zum ersten Mal mit seiner Mama Sophie nach Seidersberg kam. Ab Montag, 24. April, wird er für drei Monate das Max-Reger-Gymnasium in Amberg besuchen, unter der Woche im dortigen Internat sein und die Wochenenden und die Ferien in Seidersberg verbringen.

"Ich will die Sprache lernen und die deutsche Kultur kennenlernen", sagt er. Dafür musste er in Frankreich zuvor ganz schön büffeln, schließlich schloss er seine Jahrgangsstufe in sechs Monaten statt regulär in neun Monaten ab, um anschließend ein Vierteljahr nach Deutschland zu gehen. (san)


Als Sophie damals wieder gefahren ist, haben wir alle geweint - wir und auch Sophie.Lilo Pilhofer


Kücheln, die habe ich damals auch probiert. Aber meine haben beim Backen immer ein Loch bekommen.Sophie Colas
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