Discothek "Happy Rock" öffnet im Herbst nach fast einjährigen Umbauarbeiten
"Voll bis zum Kragenknopf"

Hedwig Müller fühlt sich hinter dem Tresen wohl. Seit über 30 Jahren betreibt sie das Happy Rock - das soll auch künftig so bleiben, betont die 89-Jährige. Bilder: Hartl (4)
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
15.04.2016
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Nicht nur das Ambiente, auch das gute Essen lockte die Gäste weit über den Landkreis hinaus in die Discothek.

Familiäre Atmosphäre, gutes Essen und günstige Getränke. Über 30 Jahre bot das Happy Rock Generationen von Feiernden ein Zuhause. Mitte Dezember 2015 schloss die Discothek - "von heute auf morgen". Spekulationen über einen möglichen Verkauf folgten. Doch die 89-jährige Inhaberin Hedwig Müller hat genaue Pläne, wie es mit dem Kult-Lokal weitergehen wird.

Sulzbach-Rosenberg. "Ich halte schon viel aus, aber das war schlimm für mich. Wenigstens das Weihnachtsgeschäft hätte ich gerne noch mitgenommen", erinnert sich Hedwig Müller, Inhaberin der Kult-Discothek Happy Rock, an den Moment Mitte Dezember, als sie ihr Lokal schließen musste. "Brandschutzbestimmungen. Denen haben wir nicht entsprochen. Deshalb wurde von heute auf morgen zugemacht", erklärt die 89-Jährige. Das Staatliche Bauamt habe die Mängel festgestellt. Doch eines ist für Müller sicher - das Happy Rock gehört noch lange nicht der Vergangenheit an.

Führung mit Herzblut


30 Jahre lang führte Müller das Happy Rock - "mit ganzem Herzblut". Doch das Haus an der Kropfersrichter Straße ist nicht der erste Standort der Discothek. Zuvor betrieb Müller das Lokal fünf Jahre lang in Vilseck. "Der Laden wurde von Anfang an unglaublich gut angenommen. Wir waren jeden Abend voll bis zum Kragenknopf". Müller erinnert sich an die "schöne rustikale Ausstattung, den Balkon im Saal, auf dem sich die Gäste tummelten, und an die familiäre Atmosphäre. "Das war ein schönes Lokal, viel schöner als das andere", schmunzelt die 89-Jährige. Doch mit der Zeit kamen die Probleme. Anwohner beschwerten sich über den Lärm, Gäste parkten "überall, wo sie etwas Freies gefunden haben". Hedwig Müller musste schließen. Das Discotheken-Gewerbe aufgeben wollte sie aber nicht. Sie entdeckte das Haus an der Kropfersrichter Straße - eine Marmorausstellungshalle. "Das war der perfekte Standort. Wir waren dort für uns und haben niemanden gestört." Warum sie diese Herausforderung mit damals 56 Jahren noch einmal auf sich nahm? "Ich bin ein Mensch, der schon immer unter Leuten war. Ich kann mich nicht einfach hinsetzen und nichts tun, deshalb war und ist das Happy Rock genau das Richtige für mich." Auch das "neue Happy", das Müller mit ihrem Sohn in "ähnlich rustikalem" Flair einrichtete, entwickelte sich schnell zu einem Erfolg.

Lächelnd erinnert sie sich an viele schöne Momente, die sie in der Disco erlebte. "Ich spiele gerne Schach. Oft sind Gäste nur gekommen, um mit mir zu spielen - so etwas vergisst man nicht." Auch an die Weihnachtsfeiertage denkt die Inhaberin gerne zurück. Jedes Jahr seien Gäste "von überall her" in die Disco gekommen - "weil sie schon mal hier waren und es ihnen gefallen hat", um gemeinsam die stille Zeit zu feiern. "Das war für mich die schönste Zeit im Jahr." Umso mehr traf sie die Schließung kurz vor Weihnachten 2015. Doch schon vorher lief es nicht immer rosig für die Kult-Disco. Strengere Alkoholgesetze und das ein paar Jahre später beschlossene Rauchverbot haben Müller rund ein Drittel ihrer Kunden gekostet.

"Zusätzlich mussten wir Türsteher einstellen. Die verschärften Jugendschutzbestimmungen ließen uns keine andere Wahl. Früher habe ich alles selbst geregelt - auch Streitigkeiten unter den Gästen." In den vergangenen zehn Jahren habe sie kämpfen müssen, um mit dem Happy Rock bestehen zu können. Aufgeben kam Hedwig Müller aber nicht in den Sinn - auch jetzt nicht.

"Wir haben noch im Dezember mit den Renovierungsarbeiten begonnen. Spätestens im Herbst wird das Happy Rock wieder öffnen", erzählt die 89-Jährige entschlossen. Bis dahin sei aber noch "unglaublich viel Arbeit" zu tun. Die Notausgänge müssen vergrößert werden, um den Brandschutzbestimmungen zu entsprechen. "Dafür habe ich extra einen Brandschutzarchitekten beauftragt." Zudem werden die komplette Elektrik neu gemacht und die Fenster auf der Rückseite zugemauert, um den Anwohner, "der sich seit 20 Jahren über den Lärm beschwert und immer wieder die Polizei holt" nicht weiter zu stören. Lediglich der erste Stock - dort, wo das Essen serviert wurde - wird so bleiben, wie ihn die Gäste kennen. "Im Erdgeschoss haben wir den Tresen herausgerissen. Da wird alles neu gemacht."

Finanzielle Grenzen


Eine Aufgabe, die Hedwig Müller nicht nur finanziell an die Substanz geht. "Ich kann mir mein Leben aber ohne das Happy Rock nicht mehr vorstellen. Jetzt habe ich schon mit der Renovierung angefangen, und ich werde sie auch zu Ende bringen." Dass sie mit ihrem Vorhaben richtig liegt, zeigen zahlreiche Nachfragen, wie es mit dem Lokal weitergeht, die Müller seit Dezember immer wieder erreichen. "So etwas wie das Happy Rock gibt es nicht oft. Ich lege Wert auf eine gemütliche, familiäre Atmosphäre. Und das schätzen die Besucher. So soll es auch weiterhin sein."

Dass die Gäste nicht nur die Atmosphäre, sondern auch die auffallend günstigen Preise schätzten, ist der 89-Jährigen bewusst. "Wir werden versuchen, das Konzept des Happy Rock wieder so aufzubauen, wie es unsere Gäste kennen. Sie werden auch nicht auf das Essen verzichten müssen."

Ich bin ein Mensch, der schon immer unter Leuten war. Ich kann mich nicht einfach hinsetzen und nichts tun, deshalb war und ist das Happy Rock genau das Richtige für mich.Hedwig Müller, Inhaberin der Discothek Happy Rock
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1 Kommentar
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Stefanie Hakulin aus Amberg in der Oberpfalz | 19.06.2016 | 15:38  
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