Einigung bei Sanierung im Rohrwerk
Chance zum Miteinander

Die Fahnen voll im Wind - so will das Rohrwerk die Zukunft meistern. Zunächst allerdings steht ein Arbeitsplatzabbau bevor, dann geht es an den Sanierungsplan. Bilder: Gebhardt (2)
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
30.05.2016
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Es gibt keine Gewinner: Dr. Stefan Weniger, Udo Fechtner und Karl-Heinz König (von links) stellten gestern die Vereinbarungen der Rohrwerk-Belegschaft vor.

Der Weg in die Zukunft ist frei. Im Rohrwerk einigten sich Arbeitgeber, Betriebsrat und Gewerkschaft auf ein Konzept, den Betrieb schlanker und gleichzeitig leistungsfähiger zu machen. Kernpunkt ist ein Abbau um 111 Stellen. Der Clou: keine betriebsbedingten Kündigungen.

Um 13 Uhr traten am Montag die Rohrwerk-Geschäftsführer Dr. Stefan Weniger und Harry Nimmerjahn, 2. IG-Metall-Bevollmächtigter Udo Fechtner und Betriebsratsvorsitzender Karl-Heinz König vor die Belegschaft. Sie verkündeten den erreichten Kompromiss. Kurz zuvor hatten sie im Gespräch mit unserer Zeitung die Einzelheiten erläutert.

111 Arbeitspätze weg


Eine betriebliche und eine tarifliche Ebene galt es zu gestalten. Seit Februar liefen harte Verhandlungen, die jetzt beendet sind. "Es ging um eine Kapazitätsanpassung für das Rohrwerk", umriss Dr. Stefan Weniger die Ausgangslage. Letztlich sei man auf 111 Arbeitsplätze gekommen, die abgebaut werden sollten. "Das funktioniert als freiwilliges Programm."

Drei Säulen seien es, auf denen das Projekt fuße: Einige Arbeitnehmer würden die Frühverrentung anstreben, andere scheiden freiwillig aus, weil sie anderswo einen Job gefunden haben, andere wechseln in eine Transfer-Gesellschaft, und schließlich würden die bisher knapp 60 Leiharbeiter der Maxhütte Technologie vollständig abgebaut. Verbleiben werden dann rund 425 Rohrwerker inklusive der Auszubildenden.

"Es wird oder wurde mit jedem eine Regelung gefunden", erklärten Fechtner und König, "und es wird keine einzige betriebsbedingte Kündigung geben!" Auch die Produktion des Rohrwerks erfährt eine Anpassung: Von bisher 70- bis 80 000 Jahrestonnen in den letzten Jahren strebt die Geschäftsführung nun rund 56 000 Tonnen für 2016 an.

Jetzt 37,5 Stunden


Eine Marktanpassung, die hoffentlich dazu führen werde, dass auch Aufträge an Land gezogen werden könnten, die etwas Rendite abwerfen, meinten die Gewerkschafter. Im Auge haben alle hier den Kaltbereich der Produktion.

Auf der tariflichen Ebene sieht es so aus, dass die Arbeitszeit sich von bisher 35 auf nunmehr 37,5 Stunden erhöht - bei gleicher Bezahlung. Möglich sind auch noch bis zu zwei zusätzliche Stunden pro Woche, die dann allerdings auf ein Arbeitszeitkonto gebucht würden.

Tarif erst später


Die Koppelung an den Stahltarif von Nordrhein-Westfalen bleibt erhalten, allerdings treten die dort vereinbarten Tarifleistungen( 2,3 Prozent Erhöhung, Einmalzahlung von 200 Euro) hier 16 Monate später nach NRW in Kraft, also erst im März 2017. Die Jahressonderzahlung von 1700 Euro wird für 2016 bis 2018 ausgesetzt und erst wieder 2019 fällig. Die Laufzeit der Vereinbarung ist bis zum 31.12. 2019 festgelegt, in dieser Zeit darf es keine betriebsbedingten Kündigungen geben.

Ziel sei es, daran ließen Udo Fechtner und Karl-Heinz König keinen Zweifel, die bisherigen Leiharbeiter-Arbeitsplätze wieder mit Rohrwerkern zu besetzen. "Es ist ein Ergebnis ohne Gewinner, und es wird noch krachen und knirschen", bilanzierten sie, aber es sei nötig gewesen, um das Rohrwerk konstruktiv in die Zukunft zu führen.

Allerdings erwarteten sie nun auch, dass sich Max Aicher zum Rohrwerk bekenne und in dessen Zukunft investiere. Dr. Stefan Weniger sah das Abkommen als Startschuss für den Neubeginn: "Eine Basis für gemeinsame Anstrengungen von Geschäftsführung und Betriebsrat!"
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