Elisabeth Steger: Vom Hobby zur Selbstständigkeit
Schnittweise zum Mode-Label

Zuerst aufmalen, dann schneiden und nähen. Elisabeth Steger entwirft verschiedenste Schnittmuster, die sie im Internet anbietet. Dabei legt sie Wert darauf, dass auch Ungeübte nach ihren Vorlagen arbeiten können. Bilder: juh (2)
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
22.03.2016
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In ihrem kleinen Atelier im Dachgeschoss ihres Hauses lässt Elisabeth Steger ihrer Fantasie freien Lauf. 2013 machte sie sich mit ihrem Hobby selbstständig - und die Nachfrage nach ihren Mustern boomt.

Alles begann mit einer bunten Blumen-Schürze für ihre ungeborene Tochter. In ihrem kleinen Atelier im beschaulichen Siebeneichen entwarf Elisabeth Steger, Schnittmuster - "alltägliche Dinge für uns zu Hause". Heute vermarktet sie ihre Entwürfe weltweit über das Label "Shesmile". Eines ist sicher: In ihren alten Beruf möchte sie nicht mehr.

Elisabeth Steger sitzt vor ihrer weißen Nähmaschine in ihrem kleinen Atelier im Dachgeschoss. Neben ihr liegt ein selbstgenähter weißer Plüsch-Elefant mit braunen Knopfaugen und großen Ohren - das erste Kuscheltier ihrer Tochter Nele, die vor zwei Wochen auf die Welt kam. Steger faltet ein Stück orangefarbenen Stoff mit weißen Punkten, legt es unter die Nähnadel und beginnt, die Seiten präzise aneinanderzunähen. "Wenn ich nähe, ist das für mich die reine Entspannung", sagt sie und blickt auf das große Regal gegenüber, in dem sie die Stoffreste in den verschiedensten Farben sammelt.

Die gelernte Siebdruckerin und Mediengestalterin entdeckte ihre Leidenschaft zum Nähen während ihrer ersten Schwangerschaft. "Wenn man viel zu Hause ist, sucht man sich eine Beschäftigung", lächelt die 29-Jährige. Also habe sie die alte Nähmaschine, die sie von ihrer Oma vor Jahren bekommen hatte, "wieder ausgegraben". "Ich habe das Nähen nie gelernt, nur Grundlagen in der Schule. Alles andere habe ich mir selbst beigebracht." Während ihrer Schwangerschaft entwarf sie eine Kinderschürze für ihre noch ungeborene Tochter. "Es war ein schönes Gefühl, etwas selbst gemacht zu haben, also habe ich weitergemacht."

"Ich habe angefangen, meine selbst entworfenen Schnittmuster auf die Internetplattform DaWanda zu stellen. Dazu biete ich Bilder der fertigen Stücke und eine genaue 'Schritt-für-Schritt-Anleitung' an, damit meine Muster jeder nachnähen kann", erklärt Steger. Die 29-Jährige achtet darauf, dass keines ihrer Muster, die sie unter ihrem Label "Shesmile" anbietet, mehr als fünf Euro kostet. "Man muss auch noch das Material bezahlen. Der Spaß soll ja im Mittelpunkt stehen."

Emilia kommt gut an


Möchte ein Kunde eine Anleitung kaufen, erhält er sie als PDF-Datei, "auch E-Book" genannt. Mittlerweile bietet Steger 99 Vorlagen an - unter anderem für Kuscheltiere, Taschen und Geldbeutel. Steger blickt auf eine Stoff-Puppe, die an der Wand hängt. Sie trägt ein weinrotes Kleid, das mit weißen Sternen verziert ist. Auf ihren blonden "Haaren" thront eine grüne Krone. "Das ist Emilia - ein Adventskalender, den ich für meine Tochter gemacht habe. Den Rock habe ich in 24 Teile geteilt, in jedem kann man etwas verstecken." Ein Einfall, der von den Online-Kunden "unglaublich gut" angenommen wurde. Auch ihre anderen Artikel entwickelten sich zu einem Erfolgsrezept. "Im Oktober 2014 stand ich vor der Entscheidung, ob ich zurück zu meinem Arbeitgeber gehen sollte. Das habe ich nicht gemacht. Meine Schnittmuster und die Vermarktung haben zu viel Zeit in Anspruch genommen. Außerdem erfüllt mich die Arbeit und es wirft einiges ab - das wollte ich nicht aufgeben." Sie wagte den Schritt in die Selbstständigkeit.

"Meine Arbeitszeiten sind flexibel. Ich arbeite auch abends, um tagsüber Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Obwohl man nicht von Arbeitszeit sprechen kann. Es ist ja auch mein Hobby und das, was mich glücklich macht." Manchmal sitze sie mit ihrer Tochter am Maltisch und entwerfe dort Schnittmuster. Für einen Schnitt brauche sie etwa drei Tage. Zuerst zeichnet sie eine Vorlage auf Papier, diese scannt sie ein und zeichnet sie am PC nach. "Die meisten Ideen kommen mir spontan. Wenn ich selbst etwas brauche, dann mache ich das und stelle es dann für andere bereit." Seit einigen Monaten arbeitet sie zudem als Designerin für das Online-Portal "Makerist" - eine Seite, die sich auf Strick-, Näh- und Häkelanleitungen spezialisiert hat.

Erfüllende Arbeit


Die Konkurrenz auf dem Markt ist groß. Sorgen macht sie sich deshalb aber nicht. "Mein Spezialgebiet sind außergewöhnliche Schnitte. Die findet man nicht allzu oft." Die 29-Jährige machte ihr Hobby zu ihrem Beruf. Ein Schritt, der sie jeden Tag aufs Neue erfülle. "In meinem Job ist alles möglich. Ich kann umsetzen, was ich mir vorstelle und andere begeistern, die nach meinen Mustern arbeiten und Erfolg damit haben."


Weitere kreative Köpfe aus der Oberpfalz stellen wir in unsere Online-Story vor: So kreativ ist die Oberpfalz

Weitere Links:
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