Emigranten-Beratung befürchtet Etat-Kürzung
Integrationsbremse lösen

Ein Beispiel für gelungene Integration von Flüchtlingen in einem Metallbau-Betrieb ist Kevin Okoro (rechts). Firmenchef Stefan Kalkbrenner ist froh, den jungen Nigerianer als Azubi in seinem Team zu haben (SRZ berichtete). Bild: Royer
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Sulzbach-Rosenberg
14.09.2016
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Noch lächeln sie, doch sie befürchten Schlimmes: Günter Koller, Anna Szymczak und Stefan Strauß (von links) appellieren dringend, die Mittel für die Emigranten-Beratung aufzustocken. Bild: Gebhardt

Haushaltsberatungen stehen an im Bundestag. Und die könnten gründlich schiefgehen, befürchten die Helfer: Diakonisches Werk, die Caritas und der Jugendmigrationsdienst erkennen Bestrebungen, ihnen die Mittel weiter zu kürzen. Caritas-Chef Günter Koller meint dazu nur: "Fatal. Das Gegenteil wäre absolut sinnvoll."

Sie haben es inzwischen mit der dreifachen Zahl von zugewanderten Menschen im Landkreis und in der Stadt Amberg zu tun und stellen in unserer Region die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer, Jugendliche und Kinder sicher: das Diakonische Werk Sulzbach-Rosenberg, der Caritasverband Amberg-Sulzbach und der Jugendmigrationsdienst (JMD) des Christlichen Jugenddorfs Deutschland. In einem Pressegespräch zum bundesweiten Aktionstag diese Woche schilderten sie die Situation.

Grob umrissen kann man sagen, dass der Migrationsdienst dann beginnt, wenn das Asylverfahren abgeschlossen ist, oft jedoch auch schon früher. Stefan Strauß, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes, stellte klar, dass eine möglichst schnelle Integration der Zuwanderer im ureigensten Interesse der Gesellschaft liege: "Hierin muss investiert werden", sprach er die unzureichende Ausstattung mit Vollzeitstellen an.

"Fehlbelegern" helfen


Die Berater müssten sich schließlich neben vielen anderen Problemen auch um Wohnungen kümmern, damit die anerkannten Flüchtlinge, "Fehlbeleger" genannt, aus den Heimen umziehen könnten. Auch der Familiennachzug falle in ihr Ressort, ebenso die Betreuung von EU-Bürgern und Spätaussiedlern.

Anna Szymczak vom Jugendmigrationsdienst ergänzte, dass auch eine Begleitung der Jugendlichen nur langfristig gelingen könne. Gerade das sei wichtig, um ein Abgleiten in die Radikalität aus Enttäuschung und Frustration zu verhindern. Alleine 2000 Migranten zwischen 12 und 27 Jahren lebten derzeit in Amberg und im Landkreis. Das CJD begleitet sie oft jahrelang, hilft bei Sprachkursen, Schulwahl, Ausbildung und Berufsfindung, ist vernetzt mit allen anderen Integrations-Organsiationen.

Von wie vielen Vollzeitstellen sprechen wir überhaupt, wollten wir wissen - die Antwort fiel ernüchternd aus: 1,0 beim Diakonischen Werk für den Landkreis, 0,5 bei der Caritas für Amberg, das CJD besitzt zusammengerechnet 2,25 Stellen für Stadt und Land - und das schon seit 16 Jahren. Bei den Jugendmigrationsdiensten kommen in Bayern auf eine Vollzeitstelle 1576 zugewanderte jugendliche Migranten. Als zumutbar, erklärte Günter Koller von der Caritas, sei ein Wert von 1:150 ermittelt worden. Bearbeitet würden aber derzeit pro Stelle trotzdem rund 400 Fälle - eine hohe, auch psychische Belastung für die Berater. Das CJD alleine betreute 2015 insgesamt 454 Migranten, heuer seien es bis jetzt schon 481.

Aufstockung reicht nicht


"Arbeit ist genug da für viele Jahre", fassten alle drei Verantwortlichen zusammen. Die Finanzmittel des Bundes seien 2016 zwar um zehn Millionen Euro angehoben worden, die Beratungsstellen jedoch wegen der steigenden Nachfrage durch Ratsuchende weiterhin extrem überlastet. Bei den Jugendmigrationsdiensten etwa, finanziert über das Bundesfamilienministerium, stünden die 2015 aufgestockten acht Millionen Euro für 2017 auf der Kippe

Der klare Wunsch der drei Beratungsträger: eine weitere deutliche Erhöhung des Haushaltstitels für 2017, damit die dringend nötige Integration von anerkannten erwachsenen und jugendlichen Migranten in die Gesellschaft besser gelingt. Diesen Wunsch wollen sie mit der Aktionswoche an die Politiker und Abgeordneten herantragen. Ihn zu erfüllen, sei mehr als nur ein Gefallen - es gehe um die Zukunft der Gesellschaft, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
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