Erster bemannter Flug in der Herzogstadt
Mit dem „Zögling“ in die Luft

Hans (links) und Peter Ostermann sind beides schon alte "Flugsport-Hasen". Jetzt sicherten sie in einem Nachlass seltene Bilddokumente vom ersten bemannten Flug in der Herzogstadt. Bild: Royer
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
21.04.2016
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Der Traum vom Fliegen wurde in der Herzogstadt im Jahr 1934 wahr. Eine kleine Gruppe von Enthusiasten schaffte es, einen selbstgebauten SG 33 bemannt am Annaberg-Nordhang in die Luft zu bekommen. So fiel quasi der Startschuss zur bis heute andauernden Luftsport-Begeisterung im Sulzbacher Bergland.

Einer langjährigen Bekanntschaft ist es zu verdanken, dass Peter Ostermann - selbst begeisterter Modellbauer und Hobbyflieger - aus einem Nachlass die seltenen Bilddokumente von der "Geburt der Fliegerei" in Sulzbach-Rosenberg in die Finger bekam. Das Album war gut beschriftet und Vater Hans Ostermann, ebenfalls einer der Luftsport-Pioniere, wusste noch viele, teilweise selbst erlebte Details.

Die ersten Flugversuche in unserer Region werden wohl in den 1920er Jahren von Fritz Dorn und Fritz Weiß mit einem selbstgebauten Segler/Gleiter unternommen worden sein. Das unbekannte Modell konstruierten Schreiner Willi Schall, Wagner Xaver Schall, Büttner Julius Ostermann sowie der spätere Modellflug-Ausbilder Fritz Dorn und Fritz Weiß.

Nach überlieferten Angaben hat Willi Schall den ersten Probe-Flug mit dem Segel-Gleiter am Sternstein bei der Höhle unternommen. Dabei wurde versucht, das Fluggerät mit einem Wäscheseil in die Luft zu bekommen. Das ganze Unterfangen endete schließlich in einer Bruchlandung, bei der sich der Testpilot Kopf- und Schulterverletzungen zuzog.

Werkstatt eingerichtet


Im Nachhinein kümmerten sich dann verstärkt wieder Fritz Dorn und Fritz Weiß um die Ausbildung der Jugendlichen an Modellflugzeugen in der Schall-Wirtschaft am Luitpoldplatz 16 (neben Fuchsbeck). Die ganze Gruppierung gehörte während der Hitler-Zeit zum Jungvolk, von dem sich die Nazis natürlich für den Kriegsfall auch entsprechenden Flieger-Nachwuchs erhoffte. "Dies war allerdings", so Hans Ostermann beim Pressegespräch, "nicht die Triebfeder für die Begeisterung an der Fliegerei." In diesen Jahren hatte sie aber in ganz Deutschland mit der NS-Herrschaft viele Berührungspunkte.

Die erste Werkstatt der Flugschüler lag zunächst in einem privaten Schlafraum, 1934 siedelte man in die Wagen-Remise der Vorbau EX-Halle (Dynamit) um. Ein weiterer Ortswechsel folgte 1936, als die Werkstatt im alten Aufenthaltsraum des Maxhütten-Steinbruchs eingerichtet wurde. Zur Gemeinschaft gehörten in den 30er Jahren rund 25 Jungflieger sowie circa 30 Modellbauer. Im Jahr 1934 führten die Bestrebungen endlich zum Erfolg mit dem ersten bemannten Flug des selbstgebauten Schulgleiters "Zögling 33" am Annaberg-Nordhang unter großer Anteilnahme der Stadtbevölkerung.

Wie Ostermann gegenüber der SRZ weiter erwähnt, führte die große Begeisterung vieler Sulzbach-Rosenberger für die Fliegerei nach dem Zweiten Weltkrieg schließlich zur Gründung der Luftsportgruppe im Jahr 1951 in Fichtelbrunn. Doch das ist eine andere Geschichte.
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