Erzählerin Tanja Weiß begeistert beim Weltgeschichtentag
"Listige Weiber" und Einstein

Margit Knarr (links), Krankenschwester im Sankt-Anna-Krankenhaus, erhält für das dortige Chemo-Zimmer eine Duftlampe und ein hölzernes Herz zusammen mit dem Erlös dieses Märchenabends. Bild: hka

Unbequeme Holzbänke, schiefe Pulte, ein heizender Kachelofen, keine Smartphones und keine Talkrunde im Fernsehen. Stattdessen unterhält eine Erzählerin mit Geschichten und Märchen und fesselt damit auch erwachsene Besucher - wie schön so ein "altmodischer Abend" sein kann, demonstrierte der Weltgeschichtentag.

Kerzen in den Fenstern wiesen den Weg ins alte Schlößl-Schulhaus. Das heutige Schulmuseum wurde zu einer Bühne für die Märchenerzählerin Tanja Weiß umfunktioniert. Zum Weltgeschichtentag fanden in einem alten Klassenzimmer Märchenstunden statt - einmal für Mädchen und Buben aus Kindergärten und Schulen, aber auch für Erwachsene.

Lag es daran, dass Tanja Weiß von "listigen Weibsbildern und armen Mannsbildern" erzählte, dass mutige männliche Besucher fast mit der Lupe zu suchen sind? Die Frauen jedenfalls konnten davon gar nicht genug bekommen und von den Geschichten über starke, kluge, gewitzte Weibsbilder in den Märchen aus europäischen und orientalischen Ländern, die die Erzählerin für ihr Thema ausgegraben hat.

Das Wesen der Frauen


Tanja Weiß hatte ein Schatzkästlein dabei, in dem sich Sprichwörter über listige Weiber befanden, "fünfundneunzig Prozent davon stammen von Männern", sagte sie. Und die wissen, wovon sie reden. "Fürchte den Bock von vorn, das Pferd von hinten, das Weib von allen Seiten", rät zum Beispiel Anton Tschechow. Und Albert Einstein erkennt: "Manche Männer bemühen sich ein Leben lang, das Wesen einer Frau zu verstehen. Andere befassen sich mit weniger schwierigen Dingen - wie zum Beispiel der Relativitätstheorie."

Tanja Weiß nennt sich Erzählerin, aber sie ist viel mehr. Sie erweckt die Figuren ihrer Geschichten zum Leben, lässt sie schreien, weinen, flüstern. Ihre Mimik, ihre Gestik, ihr voller Körpereinsatz ersetzen ein ganzes Team von Schauspielern. Und nicht nur bei den kindlichen Zuhörern, auch bei den Erwachsenen gab es atemlose Stille, ein gespanntes Mitfiebern über den Ausgang der Geschichte, eine fast verzauberte Atmosphäre, die zu diesem alten Klassenzimmer so gut passte.

In den Geschichten der Erzählerin ging es um die alltäglichen banalen Dinge im menschlichen Zusammenleben, dem Ehekrieg, dem Vater-Tochter-Verhältnis, den Machtkämpfen zwischen Mann und Frau. Immer aber stehen die "listigen Weibsbilder" auf dem Siegertreppchen, während die "armen Mannsbilder" nicht selten dumm aussehen. "Der Krieg mit Frauen ist der einzige, den man nur durch Rückzug gewinnt", zitierte Weiß Napoleon und an die Männer gerichtet lästerte sie: "Ihr geht uns alle auf den Leim."

Dass auch die wenigen mutigen Männer an diesem Abend nicht mit Beifall sparten, zeigt, dass das alles nicht zu ernst genommen wird. Der Erlös des Abends, bei dem Getränke und kleine Gerichte angeboten wurden, kommt dem Chemo-Zimmer im Sankt-Anna-Krankenhaus zugute, einem Raum, in dem, so Weiß, starke Frauen in einer schwierigen Situation alle Unterstützung brauchen.

150 GeschichtenRund 150 Märchen und Geschichten hat Tanja Weiß im Kopf. Sie ist ausgebildete Erzählerin mit einem enormen Hintergrundwissen und unterhält seit nunmehr fünf Jahren Kinder, Erwachsene und Senioren mit Märchen aus aller Welt. Immer wieder gelingt es ihr, ihre Besucher mit auf eine bunte Reise zu nehmen und sie zu begeistern. (hka)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.