Familie Strobel betreibt seit 30 JAhren ihr Wasser-Kleinkraftwerk
Stromquelle sprudelt am Bach

1937 legte die Familie Strobel ihre Getreidemühle still. Das alte Mühlenrad schauten sich die Rosenberger Siedler bei ihrem Besuch ebenso interessiert an wie das moderne Wasser-Kleinkraftwerk. Bild: gsh

Windräder, Stromtrassen und so weiter: Der Energiewende mangelt es nicht an Aufregern. Die Familie Strobel aus Breitenbrunn hat dieses Thema schon vor 30 Jahren für sich selbst abgehakt. Und das recht leise, wie die Rosenberger Siedler bei einem Besuch hörten.

Die Zeitreise einer geschichtsträchtigen Getreidemühle, die sich in ein modernes Wasser-Kleinkraftwerk entwickelte, erlebten die Rosenberger Siedler beim Besuch der Strobel-Mühle in Breitenbrunn. Dort ist die Familie Strobel seit etwa 350 Jahren nachweisbar ansässig. Mittlerweile wächst die zehnte Generation heran. Die Gebäude des Anwesens tragen die Jahreszahlen 1699, 1716 und 1719 - also altehrwürdig und historisch.

Früher gab es in Breitenbrunn drei Mühlen; die Zacherl-Mühle, die Spitzermühle und eben auch die Strobel- Mühle. Mit dem Mühlenbetrieb waren historische Wasserrechte verbunden, die zum Teil bis heute gelten. Anschaulich und informativ erläuterte Jürgen Strobel für die Besucher die Geschichte des Anwesens sowie die Technik und Funktion des Wasserkraftwerks. Das Wasserkraftwerk ist heute als Felsmühl-Triebwerk beim Landratsamt eingetragen.

Im Jahr 1937 wurde die Getreidemühle stillgelegt, geschrotet nur noch für den Eigenbedarf. Neben dem Mühlenbetrieb existierte schon immer auch eine Landwirtschaft, die bis 2002 aufrecht erhalten wurde. Am 1. April 1986 vollzog die Familie Strobel mit der Inbetriebnahme des privaten Wasserkraftwerks ihre Energiewende. Seither versorgt das Klein-Kraftwerk mit einer Leistung von 12 000 bis 15 000 Kilowattstunden die beiden Wohnhäuser mit elektrischer Energie. Was sie nicht selbst verbrauchen, speisen die Strobels ins öffentliche Netz ein. Reichen würde die Stromproduktion für insgesamt vier Haushalte.

2013 wurde die Technik modernisiert. Heute läuft eine sogenannte Ossberger-Turbine, die von 120 Litern Wasser pro Sekunde angetrieben wird. Das Klein-Kraftwerk ist übrigens grundlastfähig. Das heißt, durch die Wasserkraft wird immer Strom erzeugt, was beispielsweise bei einem Windrad nicht der Fall ist.

Weil durch die Turbinenanlage der natürliche Bachlauf des Spitzerbachs unterbrochen ist, bauten die Strobels einen Umgehungsbach, einen Fischaufstieg. Er stellt die ökologische Verbindung vom Oberwasser zum Unterwasser wieder her. In diesem kleinen Nebenbach finden Kleinstlebewesen und kleine Fische, unter ihnen die sehr seltene Mühlkoppe, ihren Lebensraum.

Nach Angaben von Jürgen Strobel werden in Bayern rund 60 Prozent der erneuerbaren Energie mit Wasserkraft produziert. Vor allem die Kapazitäten privater Kleinkraftwerke wären durchaus noch ausbaufähig. Die wenig attraktive Vergütung für Energie aus Wasserkraft und auch die hohen ökologischen Anforderungen bei Neuanlagen sieht er allerdings als Handicap an.
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