Förster bewirtschaftet Stadt-Eigentum
Kalkulieren im Kommunalwald

Dem Wegeunterhalt widmet der Förster große Aufmerksamkeit. Im Gebiet Haselgraben sind die Arbeiten schon abgeschlossen.
 
Wenn wir ein trockenes Frühjahr bekommen, kann der Borkenkäferbestand förmlich explodieren.

Donnerwetter, das ist ein respektabler "Hulzberch", wie man bei uns sagt: Rund 275 Hektar Stadt- und Stiftungswald gehören zur Kommune, wollen gepflegt und verwaltet werden. Das erledigt Volker Binner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Im Stadtrat legte er nun seine Betriebspläne für 2016 vor: Der Holzeinschlag wird sinken.

Um es gleich zu sagen: Der Überschuss ist überschaubar kalkuliert. Beim Stadtwald mit seinen 111 Hektar geht der Betriebsplan gerade mal so auf, beim größeren Bürgerspital-Stiftungswald (164 Hektar) bleiben voraussichtlich rund 5000 Euro übrig.

Gemeinden als Kunden


Wie kommt ein Staatsbeamter als Bewirtschafter in den Kommunal-Wald? "Beförsterung" heißt das Zauberwort. Die Kommunen beauftragen einen Förster vom AELF mit dieser Arbeit. Volker Binner ist auf 6500 Hektar - vorwiegend Privatwaldfläche - Ansprechpartner für rund 3000 private Waldbesitzer sowie mit der Beförsterung von 350 Hektar Kommunalwäldern der Gemeinden Neukirchen, Etzelwang, Weigendorf und Sulzbach-Rosenberg beauftragt. Poppenricht hat keinen Kommunalwald mehr.

Plan für 20 Jahre


Der Handlungsrahmen für die jährliche Betriebsplanung ist die "Forsteinrichtung": ein 2003 für die Stadtwälder aufgestellter Bewirtschaftungsplan mit 20-jährigem Planungszeitraum. Hier werden die entscheidenden Weichen gestellt: Wieviel Holz darf eingeschlagen werden, wie ist die Verteilung von Laub- und Nadelholz, worauf ist bei der Bewirtschaftung zum Beispiel im Wasserschutzwald besonders zu achten?

Nach Ablauf der ersten Zeithälfte ist jetzt eine Zwischenrevision samt sogenannter Hiebsatzanpassung fällig. Orkan Kyrill hat 2007 gewaltig eingegriffen auch in den Stadtwald, mehrere tausend Festmeter mussten geborgen und abtransportiert werden. Das hat die Kalkulation der Jahresernte ganz schön durcheinandergebracht.

Reduzierung geplant


Um im Soll-Plan zu bleiben, schlug Binner nun für den Stadtwald eine Reduzierung von 540 auf 260 Festmeter vor, beim Bürgerspital von 1170 auf 770. Rund 22 000 Euro kalkuliert Binner für 2016 im Stadtwald ein, die Ausgaben für Holzernte, Wiederaufforstung, Wegeunterhalt etc. decken sich genau damit - kein Gewinn also. Im Bürgerspitalwald beträgt die Bilanzsumme runde 50 000 Euro: Holzverkauf, Fördergelder und Jagdpacht sorgen für Einnahmen, die aber von den anderen Posten bis auf knapp 5000 Euro wieder aufgezehrt werden.

Nachhaltigkeit ist das oberste Prinzip bei der Forstwirtschaft, erklärt der Fachmann im Gespräch mit der SRZ. Dabei ist bei Aufforstung die Eignung der Böden und Bäume sehr wichtig. Jede Baumart hat ihre speziellen Ansprüche an Wasser, Nährstoffe und Durchwurzelbarkeit der Böden. Normalerweise werden im Jura westlich von Sulzbach-Rosenberg Buchen und mit bemessenen Anteilen Fichten bevorzugt, doch im östlichen Bereich im "Oberpfälzer Becken" passt auch die Eiche sehr gut hinein.

Der Laubholzanteil soll langfristig von 20 auf 35 Prozent steigen, damit die Wälder dem Klimawandel besser standhalten können. Ein möglichst hoher Anteil der neuen Bäume soll auf natürliche Art und Weise hochkommen; gelingt dies nicht, muss gepflanzt und dann mit einem Zaun teuer vor Wildverbiss geschützt werden. Experte Volker Binner nutzt die staatlichen Fördertöpfe, etwa im Waldnaturschutz für Totholz und Biotopbäume.

Auch Wege im Blick


Aber er kümmert sich auch um den Wegeunterhalt im Kommunalwald: "Im Haselgraben und neben der B 14 am Schwarzen Berg sind wir fertig, im Gebiet Höfling bei Gallmünz kommt 2016 noch eine kleinere Maßnahme, dann gibt es auch hier hergerichtete Forstwege", erklärt er. Das alles ist in seinen Jahresbetriebsplänen einkalkuliert, und der Stadtrat gab ihnen denn auch einstimmig ohne Diskussionen seinen Segen.

Mit der Holzernte wartet der Förster 2016 aber lieber noch ein bisschen: "Wenn wir ein trockenes Frühjahr bekommen, kann der Borkenkäferbestand förmlich explodieren. Dann müssen wir schon während des Jahres immer wieder befallene Stämme entnehmen. Den Rest erledigen wir dann wie gewohnt in der kalten Jahreszeit." Der Kommunalwald wird es ihm danken. Und auch der Stadtrat.
Wenn wir ein trockenes Frühjahr bekommen, kann der Borkenkäferbestand förmlich explodieren.Revierförster Volker Binner
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