"Grüner Vertrag" perfekt
Holzschnitzel wärmen Stadt

Im Maschinenraum arbeitet eine versteckte, aber leistungsfähige Turbine daran, aus dem erzeugten Dampf Strom zu machen. Bilder: Gebhardt (3)
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
10.01.2016
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Das Material fällt vom Kettenförderer tief hinab in die einzelnen Brennstoffbunker.

Der Deal ist perfekt: In den nächsten drei Jahren rollen jeweils 80 000 Tonnen Hackschnitzel ins Biomasse-Heizkraftwerk am Eichelberg. Dort verwandelt moderne Technik das Holz in Strom und Wärme. Theoretisch könnten vom Eichelberg aus die gesamten Haushalte der Stadt mit Strom versorgt werden. Und dabei bleibt noch Fernwärme übrig.

Ab Januar 2016 versorgt Brüning-Megawatt das Biomasseheizkraftwerk mit rund 80 000 Tonnen lufttrockenem Brennstoff pro Jahr. Das Fischerhuder Unternehmen einigte sich jetzt mit der Betreibergesellschaft Danpower GmbH auf eine Vertragslaufzeit von drei Jahren. Beim gelieferten Material handelt es sich um Frischholzhackschnitzel aus der Landschaftspflege. Sulzbach-Rosenberg ist deutschlandweit bereits das elfte Heizkraftwerk, das exklusiv von Brüning-Megawatt mit Brennstoff beliefert wird.

Alles aus einer Hand


Die Versorgung der Anlage am Eichelberg wird vollständig das Brüning-Büro in Hallbergmoos bei München koordinieren. Immerhin sind das durchschnittlich 10 bis 15 Sattelzüge pro Tag. "Wir freuen uns, mit der Vollversorgung von Sulzbach-Rosenberg die langjährige Partnerschaft mit Danpower zu intensivieren und gleichzeitig unser Konzept der ,Versorgung aus einer Hand' strategisch weiterzuentwickeln", erklärte Projektleiter Martin Nagl in einer Pressemitteilung.

Genügend Reserve da


Die SRZ fragte nach beim Kraftwerksleiter Dr. Michael Jakuttis, der seit gut drei Monaten die Geschicke des Werkes lenkt. Der Sulzbach-Rosenberger Chemie-Ingenieur erläutert die Kennzahlen der Anlage: Mit einer Feuerungswärmeleistung von rund 22 Megawatt und mit 4,5 Megawatt elektrischer Leistung erzeugt das Biomasse-Heizkraftwerk als Kraft-Wärme-Kopplungsanlage rund 20 000 MWh Wärme und 33 000 MWh Strom. Ein weiteres, kleineres Heizwerk bildet die Reserve, als absoluten Notnagel gibt es auch noch einen Ölkessel.

Die produzierte Wärme wird größtenteils in das Fernwärmenetz der Stadt eingespeist. Es gehört seit kurzem auch dem Betreiber Danpower und versorgt auf neun Kilometern Länge bis hinaus zur BePo private, öffentliche und gewerbliche Gebäude, Haushalte, aber auch das Waldbad, die Bereitschaftspolizei, fast alle Schulen und einige größere Firmen, insgesamt 81 Abnehmer.

Strom ins Netz


Ebenso wird der Strom ins öffentliche Netz eingespeist. Das Kraftwerk wird nach den Richtlinien des Erneuerbare-Energien-Gesetzes von 2009 betrieben und verfeuert ausschließlich naturbelassenes Holz.

Drei Punkte hat sich der neue Kraftwerksleiter, der auch für ein ähnliches Danpower-Kraftwerk in Pfaffenhofen an der Ilm verantwortlich ist, in Verbindung mit dem neuen Liefervertrag zum Ziel gesetzt: Erhöhung der Brennstoffqualität (zum Beispiel Heizwert), Optimierung der Logistik (bedarfsgerechte Lieferungen) und natürlich die Erhöhung der Strom-Erlöse. Das Kraftwerk liefert seine elektrische Energie, die es mittels dampfgetriebenen Turbinen erzeugt, an die Main-Donau-Netzgesellschaft der N-Ergie, den örtlichen Netzbetreiber.

Rein rechnerisch, so erläutert uns der Ingenieur, wäre es möglich, alle Privathaushalte der Stadt Sulzbach-Rosenberg mit Strom vom Eichelberg zu versorgen: Rund 10 000 Einheiten könnten bedient werden. Ein Traum: vollkommen grüne, CO2-neutrale Energieversorgung für die ganze Stadt. Physikalisch kann der "grüne" Strom bei Einspeisung ins Netz allerdings vom Strom aus fossilen Energieträgern nicht getrennt werden.

Wie sieht es mit der Kapazität aus? Dr. Michael Jakuttis ist optimistisch: "Wir könnten doppelt so viel Wärme liefern wie jetzt", meint er - potenzielle Kunden brauchen also keine Angst vor Engpässen zu haben.

Aus Landschaftspflege


Das Holz, das ausschließlich aus der Landschaftspflege stammt, kommt zu 85 Prozent als Hackschnitzel und zu 15 Prozent als gröberes Schredder-Material an. Der Feuchtigkeitsgehalt liegt bei 35 bis 50 Prozent, doch das macht nichts aus bei der Verbrennung. Nun werden also ab Neujahr fünfmal die Woche täglich über 200 Tonnen Hackschnitzel zum Eichelberg rollen - allerdings aus einem Umkreis von maximal 100 Kilometern, meist eher weniger.

Danpower trägt durch den Betrieb des Biomasse-Heizkraftwerkes maßgeblich zum grünen Image von Sulzbach-Rosenberg bei - nach der Hochofenzeit also eine komplette Trendwende.
Wir könnten doppelt so viel Wärme liefern wie jetzt.Dr.-Ing. Michael Jakuttis
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