Handball-Nationalmannschaft sichert sich Europameister-Titel
Souveräner Sieg mit Köpfchen

Spontan versammelte sich die Sulzbacher Handball-Szene im Capitol. Bis zur Schluss-Sirene fieberten sie mit der Nationalmannschaft, dann brach der Saal in Jubel aus - Deutschland ist Europameister. Bild: Bernd Müller
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
01.02.2016
266
0
 
Wir hatten nicht viel Hoffnung auf einen Sieg. Viele Stammspieler waren verletzt, junge Spieler mit weniger Erfahrung nahmen ihren Platz ein.

Es war das "kleine Wunder von Polen" - die deutsche Nationalmannschaft siegte am Sonntag gegen Spanien und sicherte sich so den Europameister-Titel. Nicht nur die Fans in Krakau fieberten bis zur Schlusssirene. Auch in den Handball-Hochburgen Sulzbach-Rosenberg und Auerbach feuerten Anhänger die Spieler an. Mit einem Sieg hatte nicht jeder gerechnet.

Sulzbach-Rosenberg/Auerbach. In der Vorrunde musste sich die Mannschaft gegen Spaniern - die als Favoriten und "sehr erfahren" galten - mit 29:32 geschlagen geben. Im Finale trafen die Teams erneut aufeinander. "Willensstark und mit viel Ausdauer" erkämpfte sich die Mannschaft um Trainer Dagur Sigurdsson den Sieg mit 24:17. "Wir hatten vor dem Turnier nicht viel Hoffnung auf einen Sieg. Viele Stammspieler waren verletzt, junge mit weniger Erfahrung nahmen ihren Platz ein", erklärt Peter Hackenberg, beim SV 08 Auerbach Manager der 1. Mannschaft, seine anfänglichen Zweifel am deutschen Triumph.

Allerdings habe sich das Team während der Turniers "überragend hochgearbeitet". "Kurz vor dem Endspiel habe ich zwar gehofft, dass sie gewinnen, aber ich habe es nicht für möglich gehalten, dass sie so hoch siegen", betont Hackenberg. Vor allem die Leistungen des zuvor eher unbekannten Torhüters Andreas Wolff hätten ihn beeindruckt. "Es war die richtige Entscheidung, ihn und nicht Silvio Heinevetter mit zur EM zu nehmen. Er hat grandios gespielt, ohne ihn wäre das Turnier vielleicht nicht so erfolgreich verlaufen."

Dynamische Sportart


Grund zur Freude gebe es nicht nur für die Europameister, sondern auch für alle anderen Handball-Vereine. "Im Gegensatz zu Fußball wird Handball immer als eine Art Außenseiter-Sport gesehen. Das deutsche Team präsentierte sich positiv in den Medien und hat gezeigt, wie dynamisch und abwechslungsreich diese Sportart ist. Wir hoffen, dass dadurch wieder junge Menschen Interesse an Handball zeigen", sagt Hackenberg.

Christian Weiß, Vorsitzender des HC Sulzbach, fieberte mit rund 150 anderen Handballbegeisterten im Capitol in Sulzbach-Rosenberg dem deutschen Sieg entgegen. "Mir war klar, dass die Chancen für die Deutschen ziemlich gut stehen. Es ist eine junge Mannschaft, die verkraften ein zweiwöchiges Turnier besser als die relativ alten Spanier." Der entscheidende Mann auf dem Feld sei Andreas Wolff gewesen, der mit seinen "überraschend guten Leistungen" überzeugte. "Für mich war er der beste Spieler einer guten Mannschaft", urteilt Weiß. Das Spiel der Spanier habe ihn enttäuscht.

Wir hatten nicht viel Hoffnung auf einen Sieg. Viele Stammspieler waren verletzt, junge Spieler mit weniger Erfahrung nahmen ihren Platz ein.Peter Hackenberg, SV 08 Auerbach

"Wertet man nur die Leistung im letzten Spiel, dann waren sie das schlechteste Team der ganzen Europameisterschaft. In der zweiten Hälfte haben sie nur noch über Kreis gespielt und sich nicht mehr auf das Tor werfen trauen - ein ständiges Hin und Her. Das lag natürlich auch an der Präsenz von Wolff." Weiß ist sich sicher, dass die Mannschaft den Erfolg bei den Olympischen Spielen wiederholen kann. "Es ist ein junges Team, sie haben Ausdauer und einen starken Willen. Wenn sich die sechs Stammspieler von ihren Verletzungen erholt haben, dann wird die Mannschaft noch stärker."

"Handball wird mit dem Kopf gespielt, das haben die Jungs am Sonntag beim Finale in Krakau bewiesen", freut sich Klaus Kreil - Handball-Urgestein aus Sulzbach-Rosenberg - über den "hochverdienten Sieg" der Deutschen. Die Mannschaft habe Nervenstärke demonstriert und gezeigt, dass sie "furchtlos und kampfbereit" jeden Gegner bezwingen könne. "Für mich war es ein kleines Wunder von Polen. Die Mannschaft steigerte sich enorm während des Turniers. Ich hätte nicht gedacht, dass sie im Endspiel so hervorragend gewinnen werden", so Kreil.

Nun die Qual der Wahl


Leicht habe es das Team den Spaniern nicht gemacht. "Sie zeigten sich als geschlossene Mannschaft. Es ist für den Gegner schwer, sich darauf einzustellen. Auch psychisch ist es nicht leicht, wenn man von Anfang an im Rückstand ist." Besonders erfreulich ist laut Kreil, dass "auch mal Spieler aus der zweiten Reihe zeigen konnten, was sie können".

"Dadurch, dass viele Stammspieler ausfielen, nutzten die jungen Handballer die Chance, sich zu präsentieren. Damit hat sich der Kreis der Stammspieler erheblich vergrößert." Künftig habe Trainer Sigurdsson die "Qual der Wahl", wen er spielen lässt. "Bei der EM wurde ein neues, junges Team geboren. Sie haben große Chancen, auch die Qlympischen Spiele und die Weltmeisterschaft für sich zu entscheiden."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.