Helmut Pilhofer über seinen viel zu unbekannten Beruf
Gestatten, Raumausstatter

Wer zum ersten Mal das Geschäft von Karin und Helmut Pilhofer betritt, mag sich denken: "So eine große Vielfalt!" Echte Lederwaren, moderne Raumausstattung, virtuos geflochtene Körbe und wunderschöne Babyausstattung: Was sich auf den ersten Blick wie ein bunter Gemischtwarenladen präsentiert, ist beste handwerkliche Tradition. "Unsere Waren und Dienstleistungen haben ihren Ursprung im traditionellen Handwerk - seit 1897 ist der Laden praktisch ein Spiegelbild des handwerklichen Wandels", so Raumausstattermeister Pilhofer.

Sattler und Tapezierer

Das waren noch Zeiten, in denen die Sattler und Tapezierer ihre handwerkliche Kunst von Haus zu Haus brachten, Sofas und Sessel polsterten, Pferdegeschirr fertigten, aus einfachen Gestellen praktische Sitzmöbel machten und die Wände und Fußböden der Leute mit gestalterisch überschaubaren Mitteln erneuerten.

Die Waren und Dienstleistungen sind nicht gänzlich verschwunden, doch die Berufe mit ihren klassischen Arbeitsweisen und das Design der Produkte haben sich gewandelt. "Was früher einfache Korbkinderwägen mit Stahlgestellen waren, sind heute leichte Hightech-Kinderwägen. Praktische Lederbeutel von anno dazumal sind jetzt exklusive Handtaschen und schicke Schlüsseletuis. Die schönen und praktischen Sachen haben die Pilhofers schon Ende des 19. Jahrhunderts hier verkauft - wir führen diese Tradition der schönen und praktischen Dinge des Lebens mit unserem modernen und aktuellen Sortiment fort", sagt Karin Pilhofer. Wer sich in dem Sulzbach-Rosenberger Geschäft in der Frühlingstraße 8 umschaut, entdeckt diese handwerkliche Tradition im besten Sinn überall.

Die ganze Welt der individuellen Raumausstattung, sie findet sich eindrucksvoll im ersten Stock. "Die Möglichkeiten, einen Raum mit unverwechselbarer, persönlicher Note zu gestalten, sind schier grenzenlos", sagt Raumausstattermeister Helmut Pilhofer.

Der Innungsobermeister für die mittlere und nördliche Oberpfalz zieht hier und da faszinierende Böden hervor, zeigt auf allerlei farbliche Teppichmuster in allen Variationen. "Raumausstatter gehört wohl mit zu den unbekanntesten Berufen des Handwerks - seine Besonderheiten liegen in den spezialisierten und vielseitigen Tätigkeiten."

Räume neu erfinden

Eigentlich wollte Helmut Pilhofer diesen Beruf gar nicht erlernen. Als kleines Kind hat er seinem Opa beim Polstern über die Schulter geschaut, mit der Gewissheit: Das ist nichts für mich. Doch es sollte anders kommen. "Während meiner dreijährigen Ausbildung habe ich ausgerechnet das Polstern lieben gelernt, später die Schwerpunkte Boden, Wand und Decke für mich entdeckt. Mit Kreativität und Geschick Neues entstehen zu lassen, ist etwas Wundervolles und gibt tiefe Zufriedenheit." Auch wenn es teilweise körperlich schwere Arbeit sei, diese Freiheit, Räume neu zu erfinden, Kundenwünsche zu erfüllen, sei der größte Lohn, so Helmut Pilhofer, der sein Familiengeschäft in vierter Generation führt.

So schön der Beruf des Raumausstatters ist, so groß ist die Sorge um den Nachwuchs: "Leider interessieren sich immer weniger junge Menschen für die professionelle Ausstattung von Räumen mit allen Facetten. Derzeit sind es lediglich 18 Schüler in der mittleren und nördlichen Oberpfalz, die sich ausbilden lassen." Dabei seien Raumausstatter - der Beruf entstand in den 60er Jahren aus dem Tapezierer- und Sattlerhandwerk - wahre Spezialisten, wenn es um Einrichtung und Renovierung gehe. Ihr handwerkliches Können ist breitgefächert: Tapezieren und Bespannen von Wänden, Beschichten von Decken und Wänden, Verlegen von Teppichböden und Parkett. "Auch Polstermöbel können wir beziehen, ebenso Markisen, Jalousien, Rollos samt passendem Sicht- und Lichtschutz montieren. Wir bieten unseren Kunden außerdem ein breites Sortiment mit Insektenschutzanlagen an."

Trend hin, Trend her

Das Wichtigste sei jedoch die Beratung der Kunden, denn nur wer wisse, was wirklich zu ihm passe, könne auch die richtigen Entscheidungen treffen. "Wir verstehen uns als kompetente und zuverlässige Lotsen durch den faszinierenden Dschungel an Möglichkeiten. Dabei garantieren wir stets ehrliche Beratung. Denn wenn beispielsweise momentan ein PVC-Designboden Trend ist, muss dieser auch zum persönlichen Stil passen - nur dann hat der Kunde auch Jahre später noch Freude daran. Trend hin oder her."

Wie groß die räumliche Vielfalt für die eigenen vier Wände ist, zeigt sich bei einem Besuch der Pilhofers. Ein Besuch in der Welt des Handwerks.
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