Historische Druckerei Seidel mit anspruchsvoller Aufgabe
Einzigartiges Kulturgut halten

 
Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer (links) zeigt Peter Geiger, dem Vorsitzenden des Förderkreises der historischen Druckerei (Mitte), und Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl einige Schätze aus der Seidel-Bibliothek.

Konzerte, Druckvorführung, ein landesweit einzigartiges Archiv - das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite stehen Brandschutz, Statik und viele Verwaltungsaufgaben. Die Historische Druckerei J. E. von Seidel mit Saal, Bibliothek und historischen Maschinen ist zugleich eine anspruchsvolle Aufgabe. Das weiß auch Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl. Und er hilft.

Auf den ersten Blick scheint die Sache klar. Das Ensemble am Luitpoldplatz gehört mit zum Wertvollsten im umfangreichen historischen Erbe der Stadt. Aber es reicht nicht, stolz darauf zu sein. Um es zu erhalten, muss man es auf Dauer bewirtschaften, also erschließen, vermarkten und verwalten. So sind die ererbten Schätze Lust und Last zugleich.

Der Erbe der Druckerei hat sich seit Ingo Wotschacks Tod um das Anwesen gekümmert, das Archiv der Wissenschaft geöffnet und den Saal für den Kulturbetrieb zur Verfügung gestellt. Jetzt möchte er, der in Frankfurt wohnt und älter wird, die Verantwortung abgeben und die Druckerei verkaufen. Das Haus liegt in bester Geschäftslage, für die Maschinen und einen Teil der Bücher würden sich Sammler interessieren.

Es ließe sich also ein schöner Erlös erzielen. Dadurch würde aber einzigartiges Kulturgut zerstört. Das möchte der Eigentümer glücklicherweise nicht. Während jetzt Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer und das Bauamt der Stadt nach tragfähigen Lösungen für das Schatzkästlein suchen, unterstützt der Erbe sie nach Kräften bei den Voruntersuchungen und der Kostenschätzung. Bei einem Besuch machte sich Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl mit Dr. Markus Lommer deshalb Gedanken darüber, wie die historische Druckerei in Zukunft aussehen soll. Dr. Appl erläuterte: "Das Grundkonzept sieht einen musealen Teil mit altem Mobiliar, Bibliothek und Archiv vor." Dabei sollen der Öffentlichkeit auch Teile des bisher verschlossenen Teils zugänglich gemacht werden, um stärkere Breitenwirkung zu erzielen. Die Sammlungen und Schauräume würden insgesamt etwa 300 Quadratmeter umfassen.

Etablierter Ort


Dabei ist dem Fachmann wichtig: "Die Druckerei muss am authentischen Ort erhalten werden." Hier solle der besondere Druckort Sulzbach dargestellt werden, der für den gesamten deutschsprachigen Raum von Bedeutung war. Deshalb solle sich die Ausstellung nicht auf Seidel beschränken.

Der Saal hat sich als Veranstaltungsort etabliert. Die Kulturwerkstatt bietet hier Konzerte und mehr an, der rührige Förderkreis ebenfalls. Flohmärkte, Regionalbuchmesse, Führungen, Angebote für Schulklassen kommen hinzu. Durch die kulturelle Nutzung ist immer Leben im alten Haus: Seit Eröffnung im April 2011 waren schon über 30 000 Gäste da. "Das wirkt sich auf die gesamte Stadt ungemein positiv aus", stellt Dr. Lommer zufrieden fest.

Neben dem großen Schatz der vielen Ehrenamtlichen bestehen auch gute Chancen auf diverse öffentliche Zuschüsse. "Da muss man nur etwas Mumm haben", meint Dr. Appl, der den Erhalt des einzigartigen Ensembles voll unterstützt. So hat er veranlasst, dass das diesjährige Treffen der bayerischen Heimatpfleger am 2./3. Juni hier stattfindet, Thema "Heimat und Literatur". Die Fachvorträge sind im Seidel-Saal.

Der Bedeutung bewusst


Das ist alles vielversprechend. Wenn die Voruntersuchungen (siehe Infokasten) abgeschlossen sind, muss die Politik entscheiden, welches Vorgehen am sinnvollsten ist. Bürgermeister Michael Göth ist bewusst, dass aus einer reichhaltigen Stadtgeschichte auch Herausforderungen erwachsen. Für die Stadt sei die herausragende historische Stellung im europäischen Druckereiwesen von enormer Bedeutung: "Der Aufgabe, den Erhalt der Druckerei zu sichern, werden wir uns deshalb 2016 besonders annehmen." (Hintergrund)

Aktuelle ArbeitenMit einem Stadtrats-Beschluss vom August 2015 wurden die nächsten Schritte der Vorbereitungen und Untersuchungen in Auftrag gegeben:

Wertermittlung des historischen Materials, soweit noch nicht durch vorliegendes Gutachten bestimmt

Fortschreibung des Nutzungskonzeptes

Erarbeiten der Statik, des verformungsgerechten Aufmaßes, der restauratorischen Befundung, des Brandschutzes und eines architektonischen Konzeptes

Einholen eines Immobilienwertgutachtens.

Wie die Stadtverwaltung mitteilte, kann über den zeitlichen Ablauf und den Abschluss derzeit noch keine Aussage getroffen werden. Bei allen Untersuchungen und Arbeiten steht das Landesamt für Denkmalschutz der Stadt mit qualifizierten Fachleuten zur Seite. (cog)
Die Druckerei muss am authentischen Ort erhalten werden.Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl
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