IHK-Geschäftsführer Johann Schmalzl analysiert die wirtschaftliche Lage in Amberg-Sulzbach
Region mit Top-Exportquote

"Wenn sich die Wechselkurse verändern, verteuern sich unsere Waren um 15 Prozent." Zitat: IHK-Geschäftsführer Johann Schmalzl zum Brexit

"Amberg-Sulzbach ist ein Standort mit Perspektive, aber wir dürfen uns nicht auf Erfolgen ausruhen. Wir brauchen Mut zur Veränderung und ein besseres Standortmarketing. Wir müssen unsere Integrationsbemühungen verstärken:" All das fordert einer, der sich mit der wirtschaftlichen Situation in der Region auskennt.

Bei der Vertreterversammlung der Raiffeisenbank Sulzbach-Rosenberg ging es vor allem um Zahlen und Fakten der Genossenschaft, aber auch um ihren Standort. Die wirtschaftliche Lage im Raum Amberg-Sulzbach beschrieb IHK-Geschäftsführer Johann Schmalzl.

Es war der letzte Programmpunkt eines langen Abends im Hotel-Gasthof Zum Forsthof, dem die Anwesenden aber trotzdem große Aufmerksamkeit schenkten. Johann Schmalzl zeigte die Stärken und Potenziale der Region auf, aber auch Risiken und Herausforderungen in den kommenden Jahren.

Der Arbeitsmarkt verzeichne in den vergangenen zehn Jahren 9329 zusätzliche Arbeitsplätze. Fast die Hälfte aller Beschäftigten arbeite in der Industrie. Bei den Exportquoten liege Amberg-Sulzbach mit 65 Prozent weit über Bayern mit 54 und dem Bundesgebiet mit 39,5 Prozent. "Unsere Produkte sind international erfolgreich, das spricht für die Innovationskraft unserer Betriebe" erklärte Schmalzl dazu.

Kritischer sieht er die Lage am Ausbildungsmarkt. Die Betriebe klagten über fehlende Bewerber und suchten junge Fachkräfte, was für den IHK-Geschäftsführer heißt: "Wir müssen Migranten für die Ausbildung gewinnen." Der Brexit, so Schmalzl, werde Auswirkungen haben, auch im IHK-Bezirk und im Landkreis Amberg-Sulzbach: "Wenn sich die Wechselkurse verändern, verteuern sich unsere Waren um 15 Prozent." Außerdem hätten 460 bayerische Unternehmen 61 000 Mitarbeiter in Großbritannien.

Die Stärken des Landkreises Amberg-Sulzbach sieht der Redner vor allem in seiner Branchenvielfalt, den Wachstumsbereichen Elektrotechnik und Maschinenbau sowie in der wissenschaftlichen Kompetenz an der OTH, die wiederum mit der Wirtschaft zusammenarbeite. Die Dienstleistungsbetriebe wie Stahlgruber seien ein Plus, ebenso der wachsende Tourismus und ganz besonders die Motivation und das hohe Qualifikations-Niveau der Beschäftigten. Dass die regionalen Banken das unternehmerische Wachstum unterstützen, dafür dankte Johann Schmalzl an diesem Abend auch der gastgebenden Raiffeisenbank.

Neben den Lichtblicken zeigte der Redner aber auch einige Schattenseiten auf: drohende Arbeitsplatzverlagerungen in Billiglohnländer, steigende Transport- und Logistikkosten und den Rückgang der Erwerbstätigen. "Im Raum Amberg-Sulzbach dürften bis 2028 rund 7000 Menschen weniger als heute im Arbeitsleben stehen", zeigte Schmalzl auf und forderte Abhilfe durch eine gesteuerte Zuwanderung von Fachkräften und Ingenieuren.

Wenn sich die Wechselkurse verändern, verteuern sich unsere Waren um 15 Prozent.IHK-Geschäftsführer Johann Schmalzl zum Brexit
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