In Sulzbach-Rosenberger Lokal eingestiegen
Gestellter Täter greift zur Waffe

Unbemerkt gelangte im April letzten Jahres ein Einbrecher in das Obergeschoss dieses Restaurants in der Neustadt. Nachdem er sich zwei Laptops und eine Kamera geschnappt hatte, wurde er entdeckt. Im Laufe einer Verfolgungsjagd zog der Täter eine Softairwaffe. Jetzt musste er sich vor Gericht verantworten. Bild: Royer
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
12.07.2016
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Als der Dieb entdeckt und verfolgt wurde, zog er eine Pistole und drohte damit, zu schießen. Jetzt saß der 36-Jährige vor dem Landgericht. Dabei offenbarte sich: Der Mann ist seit zwei Jahrzehnten drogenabhängig und brauchte täglich Geld für seinen Rauschgiftkonsum.

Der Regensburger Strafverteidiger Professor Dr. Jan Bockemühl hatte vorab Weichen gestellt, die seinem aus Amberg stammenden Mandanten Pluspunkte vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts einbrachten. Der 36-Jährige, so wurde deutlich, ist seit längerer Zeit in einer Entzugstherapie, er zahlt 1000 Euro Entschädigung an sein Opfer und legte ein umfassendes Geständnis ab. Es geriet zur Lebensbeichte: Drogenabhängig seit langer Zeit und ständig mit dem Gedanken an Geld beschäftigt. Nie richtig Fuß gefasst, weil der Alltag in die Bezahlung von Crystal Speed, Marihuana und Kokain mündete.

"Zur Sicherheit"


Ende März 2015 drang der Mann in eine Tiefgarage im Amberger Stadtwesten vor, knackte das Lenkradschloss eines Mopeds und klaute das Fahrzeug. Am 13. April fuhr er damit nach Sulzbach-Rosenberg, um es an einen Interessenten zu verhökern. Dazu steckte der 36-Jährige eine sogenannte Softair-Waffe ein. "Weshalb?", fragte die Strafkammervorsitzende Roswitha Stöber. "Zur Sicherheit und um an das Geld fürs Moped zu kommen", hörte sie. Der Käufer erschien nicht. Also begab sich der Amberger auf eine Tour durch das ihm unbekannte Sulzbach-Rosenberg, wollte Diebstahlbeute machen und stoppte kurz nach Mitternacht an einem Lokal in der Neustadt.

Unbemerkt gelangte der 36-Jährige ins erste Stockwerk, fand nach eigenen Angaben eine unversperrte Tür und stieß auf Beute: Zwei Laptops, eine Kamera, andere kleinere Gegenstände. Er raffte alles zusammen, trat den Rückzug an und wurde von einer Frau entdeckt. "Die hat laut geschrien", erfuhren die Richter und vernahmen weiter, dass ein Mann hinzu kam.

Was sich anschloss, war eine Verfolgungsjagd. Der Täter rannte hinaus in die Nacht, wollte türmen, wurde eingeholt, stellte die Laptops ab und zog seine Softair-Waffe. "Sie war einer echten Pistole vom Typ P8 täuschend ähnlich", sagte Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier jetzt im Prozess. "Geh' weg oder ich schieße", soll der in die Enge gebrachte Dieb gerufen haben. Sein Verfolger schlug mit einem der Laptops nach ihm. Dennoch spurtete der 36-Jährige weiter. Minuten später, als bereits die Polizei alarmiert war, stieß man auf ihn. Er kauerte am Boden und war völlig außer Atem.

Der Verbrechenstatbestand des schweren räuberischen Diebstahls stand nun im Raum. Für solche Delikte gilt eine Mindeststrafe von drei Jahren Haft. Doch es gab Milderungsgründe. Vor allem: Der Dieb stand erkennbar unter Rauschgifteinfluss. Landgerichtsarzt Dr. Reiner Miedel vermochte in seinem Gutachten einen Einfluss auf die Steuerungsfähigkeit nicht auszuschließen. Er empfahl dringend eine längere Therapiemaßnahme.

Bewährung beantragt


In seinem Plädoyer berücksichtigte Oberstaatsanwalt Strohmeier die Meinung des Mediziners. Er blickte auch auf die bereits begonnene Therapie des Angeklagten und entschloss sich dazu, eine Bewährungsstrafe von 22 Monaten zu beantragen. "Aber nur, wenn er die Maßnahme abschließt und sich danach regelmäßigen Kontrollen unterzieht." Man habe es mit einem minderschweren Fall zu tun, bilanzierte Verteidiger Bockemühl das Ergebnis der Beweisaufnahme, forderte 14 Monate mit Bewährung und fragte: "Was hatte mein Mandant dabei? Softairs fallen nicht unter das Waffengesetz. Außerdem war das Ding nicht geladen." Gleichwohl hatte der bedrohte Verfolger als Zeuge Gefühle von Angst beschrieben.

UrteilDie Kammer schloss sich dem Oberstaatsanwalt an. Der 36-Jährige bekam ein Jahr und zehn Monate mit Bewährung wegen schweren räuberischen Diebstahls. Er muss seine momentan laufende längerfristige Therapie abschließen und sich danach in eine weitere ambulante Drogen-entzugsbehandlung begeben. Außerdem gab es weitere Bewährungsauflagen. In das Urteil wurden zwei Monate Haft einbezogen, die aus einer anderen Verurteilung offen standen. (hwo)
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