Info-Veranstaltung zu Flüchtlingsunterkunft
Mit Konzept nicht einverstanden

So sollen die Häuser mit den Außenmaßen 13 mal 17 Meter aussehen - bis jetzt sind drei Stück geplant.
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
12.02.2016
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Hier nach dem Wendehammer sollen die drei Unterkünfte entstehen an der Lohe. Das Grundstück gehört dem Freistaat Bayern.

Gereizte Stimmung hier, Beschwichtigung dort, am Ende doch noch ein halbwegs versöhnlicher Anlauf zur Integration: Der Info-Abend der Stadt zu dem vom Freistaat geplanten Bau einer Wohnanlage für anerkannte Flüchtlinge im Ortsteil Lohe sprengte fast das Kettelerhaus. Über 300 Bürger wollten mehr wissen zu dem Projekt. Und viele hatten Argumente, die sie auch vortrugen.

"Wohnungspakt Bayern" heißt das staatliche Maßnahmen-Paket, das für den ganzen Wirbel sorgte. Bürgermeister Michael Göth erklärte die Hintergründe: Der Staat baue 3300 Wohnungen für anerkannte Flüchtlinge in Bayern, und zwar auf staatlichen Grundstücken. In Sulzbach-Rosenberg sei dies an der Einstein-Straße vorgesehen. Göth erinnerte dabei an die Tradition der Stadt, von den Kriegsflüchtlingen ab 1946 bis zu den Aus- und Übersiedlern. Erst diese hätten die Arbeitsplätze der wachsenden Industrie auffüllen können auf das jetzige Rekordniveau.

Zunächst abgelehnt


Der Bauausschuss habe das Thema im Dezember nichtöffentlich behandelt und kein Einvernehmen für die ursprüngliche Staats-Planung von fünf Häusern mit rund 150 Bewohnern ausgesprochen. Im Januar habe man dann in Gesprächen eine Planungsänderung auf den jetzigen Stand mit nur mehr drei Häusern und rund 80 Personen erreicht.

Das Staatliche Bauamt Amberg sei mit der Planung beauftragt worden, die nun in ersten Zügen vorliege. Am 18. Februar werde sich der Bauausschuss erneut mit dem Thema befassen, diesmal allerdings öffentlich.

Verträglich einfügen


Abteilungsleiter Christian Kopf vom Staatlichen Bauamt stellte die Planung kurz vor (siehe Info-Kasten "Daten"). Man wolle die nunmehr reduzierte Anzahl verträglich einfügen in die Umgegend und habe deswegen auf langgestreckte Baukörper verzichtet.

Stadtbaumeisterin Petra Schöllhorn erklärte, dass nach der Bayerischen Bauordnung keine Baugenehmigung erforderlich ist, wenn die Planung einer Baudienststelle des Bundes, Landes oder Bezirks übertragen ist. In diesem Fall bedürfe es der Zustimmung der Regierung, wenn die Gemeinde dem Bauvorhaben widerspreche oder nicht alle Nachbarunterschriften vorlägen. Dann prüfe die Regierung der Oberpfalz den Fall und entscheide darüber - unter Umständen auch gegen den Willen der Gemeinde.

"Nicht gegen Ihren Willen"


Vielerlei Einwände kamen aus dem übervollen Saal und dem Wirtschaftsraum über das mobile Mikrofon (siehe unten Info-Kasten "Argumente"), und die Verantwortlichen von Stadt, Bauamt und Regierung bemühten sich redlich, alle Fragen zu beantworten.

Dieter Schönberger, Sachgebietsleiter Hochbau bei der Regierung der Oberpfalz, meinte: "Wir wollen diese Planung nicht gegen Ihren Willen durchsetzen!" Georg Jobst vom Sozialamt des Landkreises informierte über Hintergründe und Verteilung der Flüchtlinge.

Heftige Vorwürfe


Hans Lauterbach und Michael Kernl von "Sulzbach-Rosenberg hilft" appellierten, miteinander zu reden, um in Gesprächen die gewünschte Belegung mit Familien erreichen zu können. "Ein Treffen mit allen Beteiligten würde helfen, Vorurteile abzubauen!" Es kamen aber auch heftige Vorwürfe aus dem Saal: Die Politik habe auf ganzer Linie versagt, bei den Ämtern sei kein Konzept erkennbar, sie versteckten sich hintereinander, man solle wieder vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Bürgermeister Göth versprach, den Bauausschuss am Donnerstag für das Thema zu sensibilisieren.

Ein Treffen mit allen Beteiligten würde helfen, Vorurteile abzubauen!Hans Lauterbach


DatenBei dem geplanten Projekt handelt es sich um drei identische Häuser in Modul-Holzbauweise mit einer Grundfläche von 17 mal 13 Metern und einer Firsthöhe von neun Metern. In jedem Haus sind sieben Wohnungen (21 insgesamt) mit einer Fläche von je 45 Quadratmetern vorgesehen sowie ein Sondermodul.

Pro Wohnung sollen drei bis vier Personen untergebracht werden. Mit dabei auf dem 5600-Quadratmeter-Grundstück: Kinderspielplatz, Stellplätze, Nebengebäude, Wohnstraße. (ge)
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