Inforunde des CJD-Jugendmigrationsdienst
Personell und finanziell am Limit

Aus erster Hand informierten Geschäftsführerin Anna Szymczak und Andrea Rausch (von rechts) Bürgermeister Michael Göth über die Tätigkeit und Sorgen des CJD-Jugendmigrationsdienstes. Bild: Gebhardt

"Der Jugendmigrationsdienst des CJD arbeitet an der personellen und finanziellen Obergrenze", bekannte bei einem Pressegespräch mit Bürgermeister Michael Göth die Geschäftsführerin Anna Szymczak. Hintergrund sei, dass von 2015 bis 2016 die Anzahl der betreuten Migranten von 474 auf 650 angewachsen ist, bei gleichbleibender Personalstärke.

Auch müsse man in jedem Jahr darum kämpfen, staatliche Mittel zu erhalten. Zwar kommen derzeit weniger Flüchtlinge nach Deutschland, trotzdem sei das Engagement solcher Organisationen wie des CJD unverzichtbar, bekundete Michael Göth, der die Unterstützung der Stadt zusicherte und sich für die bisherige Arbeit bedankte.

Während der CJD bis dato nur für die Jugendlichen zuständig war, die als Flüchtlinge anerkannt waren oder denen eine Bleibeberechtigung zugestanden wurde, betreue man seit 2017 alle Jugendliche mit Migrationshintergrund, unabhängig vom Aufenthaltsstatus. "Dies führte dazu, dass die Zeit für die allgemeine Beratung extrem zugenommen hat und weniger Zeit für die Einzelbetreuung bleibt", so Anna Szymczak. Große Sorgen mache insbesondere die Situation von afghanischen Jugendlichen, deren Motivation abnehme. Obwohl die Bereitschaft sehr groß sei, eine Ausbildung zu absolvieren, um danach den eigenen Lebensunterhalt gestalten zu können, werde jugendlichen Migranten, die keinen Anerkennungs- oder Duldungsbescheid besitzen, von der Ausländerbehörde dies verweigert, sagte die Geschäftsführerin. Auch die drohende Abschiebung und das Nichtwissen, wie es weitergehe, trage zur Frustration bei. "Nicht nur für die Migranten, sondern auch für die Betreuerinnen ist dies ernüchternd", beklagte Anna Szymczak.

Der CJD unterstütze jugendliche Migranten aus 59 Ländern bei der Verbesserung der sprachlichen, sozialen, schulischen und beruflichen Integration. Dabei arbeite man mit Schulen, der Arbeitsagentur, den Wirtschaftsjunioren, mit Jugendverbänden und verschieden Initiativen zusammen. In Kooperation mit dem CJD-Förderverein wurde das Projekt Jugendgarten auf dem Brachland des ehemaligen Landesgartenschaugeländes in Amberg initiiert, schilderte Andrea Rausch. In diesem Jahr gehe es darum, das damit entstandene ehrenamtliche Engagement zu fördern und weiter zu entwickeln. Mit einem einwöchigen Mädchenseminar für benachteiligte Jugendliche in Neukirchen, nahe der tschechischen Grenze, sei laut Rausch das Selbstwertgefühl der Frauen gestärkt worden.

Erstmals treffen sich Jugendliche, um in Sulzbach-Rosenberg einmal im Monat einen eritreisch-orthodoxen Jugendgottesdienst zu feiern. Vorher waren die Jugendliche nach Nürnberg gefahren, um an einem solchen Gottesdienst teilnehmen zu können. "Highlight war die Interkulturelle Filmnacht im Ringtheater in Amberg, bei der unter dem Motto Kennenlernen erwünscht Vorurteile zwischen unterschiedlichen Kulturen abgebaut werden sollten", so Rausch.

Nicht nur für die Migranten, sondern auch für die Betreuerinnen ist dies ernüchternd.CJD-Geschäftsführerin Anna Szymczak
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