Integrationsklasse besucht Bauhof
Sehnsucht nach Praktikum

Sie sind hoch motiviert und freuen sich auf die Arbeit: Den jungen unbegleiteten Flüchtlingen aus der Berufs-Integrationsklasse gefiel es im städtischen Bauhof sehr gut. Erwin Thurner und Tobias Bauschke (von rechts) sowie Lehrer Inna Lehnerer (Vierte von rechts) sahen es mit Freude. Bild: Gebhardt
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
26.10.2016
283
0

Die Augen glänzen: Aziz, Karim und Sadeg dürfen auf den Radlader klettern und die Hydraulik studieren. Der junge Mann aus Pakistan, der Syrer und der Afghane wünschen sich nur eines - hier zu arbeiten. Die Maschinen-Technik fasziniert die ganze Schar, und die Bauhof-Mitarbeiter sehen erstaunt auf die Gäste. Vielleicht wird der eine oder andere ja bald als Praktikant hier auftauchen.

Die Integrationsklasse kam schon früh anmarschiert am Annabergweg. Mit ihrer Deutsch-Lehrerin Inna Lehnerer durften sie schnuppern im städtischen Bauhof. Das freute auch Bürgermeister Michael Göth, der die jungen Männer eigens begrüßte. Bauhof-Leiter Erwin Thurner und sein Vertreter Tobias Bauschke führten die Gäste durch die Abteilungen.

Im Beruflichen Schulzentrum an der Neumarkter Straße verbringen die 13 Klassenmitglieder ihre Zeit. Sie besuchen die Klasse 11a, eine Berufs-Integrationsklasse, und lernen Deutsch, Mathe, Sozialkunde. Im Praxisunterricht werden sie auch in den Fächern Elektro und Holzbearbeitung unterwiesen. Wenn sie ihre Prüfung angemessen ablegen, sollen sie sich nach einer Praktikumsstelle als Vorgeschmack auf die Arbeitswelt oder sogar einem Ausbildungsplatz umsehen. Die unbegleiteten Flüchtlinge stammen aus Syrien, aber auch aus Pakistan und Afghanistan und sind im ganzen Landkreis im betreuten Wohnen untergebracht, in Auerbach, Michelfeld, Amberg und auch Sulzbach-Rosenberg. Teils sind sie schon anerkannt, teils warten sie noch auf den Bescheid, der oft auch nur befristet ist.

Schwerer Weg


Doch der Weg dahin ist für viele von ihnen nicht einfach. Die meisten haben in ihrer Heimat schon gearbeitet, doch es gibt auch noch einige Analphabeten unter ihnen. Hier sind dann die Lehrer gefragt, die extra Förderunterricht geben. Unterrichtssprache ist natürlich Deutsch, bei Übersetzungsproblemen helfen oft Computer-Apps weiter.

Im Bauhof verstanden die Jugendlichen natürlich alles bestens: Vom Salzeinsatz im Winter über den neuen Unimog bis zum Radlader bekamen sie alles vorgeführt, bestaunten die Kehrmaschine und zeigten großes Interesse an technischen Möglichkeiten. Einige haben schon Erfahrung im Kfz-Bereich. Hoch ist zu bewerten, dass sich die Gruppe intern gut versteht. Es gibt kaum Differenzen, berichtete Inna Lehnerer, als sich alle wieder auf den Rückmarsch machten. Vielleicht bekommt ja der eine oder andere tatsächlich einen Job beim Bauhof, wer weiß?

ProblemeInna Lehnerer zeigte sich hoch erfreut über das Engagement ihrer Schützlinge, fast alle könnten sofort ins Praktikum gehen. "Diese Klasse ist hoch motiviert", berichtete sie, wies aber auch auf psychische Probleme hin, die einige der Flüchtlinge belasten. Teils wurden sie auf der Flucht von ihren Eltern getrennt, teils leben diese gar nicht mehr. Fast alle wollen unbedingt hierbleiben, doch die Angst vor der Abschiebung sitze vielen beständig im Nacken und belaste sie. (ge)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.