Interkulturelle Woche im Landkreis startet mit Gottesdienst – Russlanddeutsche und Einheimische ...
Es bleibt kein Raum für Sozialneid

Die Damen des Tanzkreises mit Leiterin Erna Horn (Zweite von rechts) trugen Lesung, Kyrierufe und Fürbitten vor. Bilder: cog

Vor 75 Jahren war Krieg zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion. Für die Deutschen, die in der Sowjetunion lebten, bedeutete das den Verlust der Heimat, Arbeitslager, Arbeitsarmee, dann noch die Kommandantur. Dies forderte Hunderttausende von Todesopfern.

Vor 60 Jahren begannen erste Schritte zur Rehabilitierung, vor 25 Jahren kamen viele Russlanddeutsche in die Bundesrepublik. An ihre Geschichte, eine Geschichte von unsäglichem Leid, Not, Verzweiflung und Hunger, erinnerte der Gottesdienst in der Johanniskirche, mit dem die Interkulturelle Woche eröffnet wurde. Russlanddeutsche und einheimische Frauen, die sich im Rosenberger Tanzkreis "Von Fremden zu Freunden" engagieren, wirkten dort mit. Sie gaben ein Beispiel geglückten Ankommens in Deutschland und herzlicher Aufnahme durch Alteingesessene. Die Frauen übernahmen die Lesungen und Kyrierufe. Sie trugen Erinnerungen einer Zeitzeugin vor, die aus der Ukraine verschleppt wurde.

Nicht verdrängen


Pfarrer Dr. Reinhard Böttcher, Aussiedler-Seelsorger des Dekanats Sulzbach-Rosenberg, legte seiner Predigt Psalm 22,2 zugrunde. Hier schreit der Psalmbeter aus tiefster Verzweiflung zu Gott. Seine Situation ähnele der Lage der Russlanddeutschen im Stalinismus. Diese Vergangenheit dürfe man nicht verdrängen, denn "was nicht verarbeitet ist, holt uns ein". Die Erinnerung müsse so geschehen, dass eine nach vorn orientierte Heilung aller befördert werde, "um einer Zukunft zuzuarbeiten, wo Gerechtigkeit und Würde unteilbar allen zukommen". Der Prediger betonte, dass die Verantwortung gerade der Christen über ihren individuellen Bereich hinausreiche. Es sei die Aufgabe aller, für demokratische Teilhabe, Toleranz, Gewaltfreiheit und Frieden einzutreten, "und umgekehrt: Auf Schritt und Tritt gilt es wach zu bleiben gegenüber autoritärem Gehabe starker Männer, gegenüber Rassismus und Hass, Gewalt und Krieg." Das könne man nicht allein Politikern überlassen, es sei im Licht des Evangeliums die gemeinsame Herausforderung aller.

Der Sorge anvertraut


So wie 1945 die Flüchtlinge aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und in den 1990er Jahren die Russlanddeutschen, seien jetzt orientalische und afrikanische Flüchtlinge der besonderen Sorge der Christen anvertraut: "Angesichts der Frage von Leben und Tod ist da kein Raum für Sozialneid."

Die Damen vom Tanzkreis zeigten unter Leitung von Erna Horn meditative Kreistänze. Besonders bewegend war der letzte Tanz zum Lied "Dona nobis pacem", "Gib uns Frieden".

Hintergrund"Vielfalt. Das Beste gegen Einfalt", das ist das Motto der deutschlandweiten Interkulturellen Woche. In Amberg und im Landkreis wird diese Aktion mit vielfältigen Veranstaltungen noch bis Freitag, 21. Oktober, vom Interkommunalen Bündnis für Migration und Integration getragen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.