Jahreskonzert der Bergknappenkapelle
Wenn Tradition erwachsen wird

Gemunkelt wurde es schon länger, nun ist es offiziell: Bürgermeister Michael Göth (links) überreichte dem Leiter der Bergknappenkapelle, Johannes Mühldorfer, die Ernennungsurkunde zum Stadtkapellmeister.
 
Der schmucken Uniform der Bergknappen sind sie treu geblieben, als Kapelle haben sie sich jedoch auch zeitgenössischer konzertanter Blasmusik geöffnet. Bilder: hka (2)

Johannes Mühldorfer hatte das Uniformjackett bereits abgelegt, um das Jahreskonzert der Bergknappenkapelle in der sommerlich warmen Schulaula zu leiten. Dann musste er es aber noch einmal anziehen, um ein besonderes Ereignis korrekt gekleidet im Bild festzuhalten zu können.

Von Helga Kamm

Es kam nicht ganz unerwartet, war an diesem Abend aber dennoch eine Überraschung: Johannes Mühldorfer, seit 20 Jahren Leiter der Bergknappenkapelle der Stadt, wurde zum Stadtkapellmeister ernannt. Bürgermeister Michael Göth überreichte dem in seiner Heimatstadt bekannten und beliebten Musiker und Musiklehrer die Bestellungsurkunde, verbunden mit dem Wunsch, er möge mit seiner Kapelle in Sulzbach-Rosenberg noch viele Jahre Musik machen und deren Zuhörern Freude bereiten.

Das taten er und seine rund 40 Instrumentalisten an diesem Abend in der Aula der Krötensee-Schule bei ihrem nunmehr zehnten Jahreskonzert. Wie immer war der Andrang groß. Viele Fans der Stadtkapelle nahmen Stehplätze in Kauf, weil, wie Siegfried Meier bei seiner Begrüßung bedauerte, der Brandschutz nur eine begrenzte Anzahl von Stühlen erlaube. Mit Freude stellte er dagegen fest, dass die drei amtierenden und der ehemalige Bürgermeister, Kommunalpolitiker, ehemalige Berg- und Hüttenleute, Vertreter der Kirchen und Vereine sowie Freunde und Förderer unter den Gästen waren.

Im Wandel der Jahre


Ein schmuckes Bild gaben die knapp 40 Musiker in ihren Bergmannsuniformen ab, samt Federhut vor sich auf dem Boden. Mögen in den zehn Jahren, in denen das Konzert jeweils am Donnerstag nach dem Altstadtfest stattfindet, vielleicht einige Gesichter verschwunden sein, so sind andere dazugekommen. Es sind viele junge Leute, die zum Beispiel in der Städtischen Sing- und Musikschule ausgebildet wurden, so dass heute Mitglieder von 14 bis 75 Jahren in dem Ensemble musizieren.

So breitgefächert das Alter der aktiven Musiker, so ist auch das Repertoire der Stadtkapelle angelegt. Das Programm dieses Auftritts spannte einen weiten Bogen von bekannten Märschen und Böhmischer Blasmusik über Arrangements von Lord of the Dance, West Side Story, der Oper Porgy und Bess, Musik aus den James-Bond-Filmen bis zu Melodien, die Frank Sinatra oder Joe Cocker bekannt gemacht haben. Als Solist des Abends glänzte Michael Heinz mit seiner Trompete.

Schon gewusst?


Durch die verschiedenen Genres und Zeiten führte - wie auch in den vergangenen zehn Jahren - Alexandra Ottmann, die Vorsitzende des Fördervereins. Sie stellte die Komponisten vor, beschrieb Texte, Entstehungsgeschichten und Inhalte der gespielten Stücke, so dass das Publikum nicht nur der Musik lauschen, sondern sie auch verstehen konnte. Dass "My Way" nicht nur Frank Sinatra gesungen hat, erzählte sie, auch Harald Juhnke tat es. Dass es bei Lord of the Dance um eine alte irische Legende vom Kampf der guten gegen die bösen Mächte geht und dass Joe Cocker als der erfolgreichste weiße Bluessänger gilt.

All diese Inhalte, Stimmungen, Landschaften, Gefühle, Rhythmen, Freud und Leid beschrieben und zeichneten die Musiker mit ihren Instrumenten nach. Von den kleinen, wie Piccoloflöte und Triangel, über mittlere Blasinstrumente, wie Klarinette, Trompete, Posaune Tenorhorn und Saxofon, bis hin zu den großen Bass-Tuben, den Trommeln und Schlagwerken, gab es ein harmonisches Zusammenspiel aller, eine gewaltige Klangfülle, gleichzeitig eine Spielfreude auch bei den nicht immer leichten Passagen der zeitgenössischen Stücke. Johannes Mühldorfer forderte mit ruhigen sparsamen Gesten volle Konzentration, am Ende - nach langem Beifall und einer Zugabe - war ihm und seinen Mitspielern die Anstrengung dieses Konzertes anzusehen.

Aber auch die Freude über einen wieder einmal sehr gelungenen Abend. Wenn auch heute das Ensemble als Stadtkapelle firmiert, so ist das Bergknappenorchester vom Anblick her immer noch ein sichtbarer Botschafter des Bergbaus, der über Jahrhunderte die Stadt und die Region geprägt hat. Gleichzeitig ist es musikalisch mit der Zeit gegangen. Die böhmische Blasmusik oder die alten Märsche werden immer und mit Recht ihre Freunde haben, ebenso aber die heutige Welt der Musicals oder des Blues.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.