Jubilarehrung beim Verdi-Ortsverein
Traum vom großen Gewinn oder Gewerkschaft

Auf 25, 40 und 50-jährige gewerkschaftliche Mitgliedschaft blicken diese Jubilare zurück. Stehend von links Bernhard Dietl, stellvertretender Verdi-Bezirksvorsitzender Stefan Dietl, Andreas Royer, Wilhelm Voit, Wolfgang Reindl, Konrad Sommer, Harald Abert und Jürgen Pilhofer; sitzend von links Festrednerin Kathrin Birner, Sabine Guschak, Sonja Bauer, Elke Schinner, Gisela Rodriguez, Karl Christau und Thomas Albert.
 
Dank für 60-jährige Treue zu Verdi sagte der Ortsvorsitzende Manfred Weiß (stehend, rechts) an Andreas Weber (daneben) sowie Werner Pirner, Siegfried Roth und Johann Gebhardt (vorne von links). Bilder: Huber (2)

"Niemand kann sich auf tariflichen Erfolgen ausruhen", mahnte die Gewerkschaftssekretärin Kathrin Birner bei der Jubilarehrung des Verdi-Ortsvereins im Gasthof Bartl. Mit einer Zeitreise erinnerte sie an die Eintrittsjahre der Jubilare.

Auch in den nächsten Jahren stehen die Gewerkschaften vor großen Herausforderungen, die nur mit Hilfe der Beschäftigten und der Jubilare zu bewältigen sein werden, betonte der stellvertretende Verdi-Bezirksvorsitzende Stefan Dietl.

Wille zur Veränderung


So versuche das Kapital mit Leiharbeit, Werksverträgen, prekärer Beschäftigung, Minijobs und anderen Arten von Lohndumping auf Kosten der Arbeitenden Profite zu steigern. Die einzige Kraft, die in der Lage sei, sich dieser Entwicklung national und international wirksam entgegen zu stellen, seien die Gewerkschaften.

Am Anfang einer Entscheidung, wie dem Eintritt in die Gewerkschaft, stehe der Wille, etwas zu verändern, schilderte Festrednerin Kathrin Birner. Ursache dafür könne Unzufriedenheit, Optimismus oder Neugierde sein. So gebe es Hunderttausende, die jede Woche Lotto spielen und von einem großen Gewinn träumen, der ihr Leben entscheidend verändern würde. Andere wiederum investierten in die persönliche Karriere, die aber auch keine Garantie für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen darstelle.

Für bessere Bedingungen


Daneben existiere die Möglichkeit, sich in den Gewerkschaften für bessere Bedingungen in Betrieb und Gesellschaft einzusetzen, wie es die Jubilare seit Jahrzehnten getan hätten. Dabei habe jeder feststellen können, dass, je mehr sie sich engagierten, desto größer die Chance war, Erfolge zu erlangen. Dies zeigten Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen in Branchen und Firmen, die gewerkschaftlich gut organisiert sind. Beschäftigte in Unternehmen mit niedrigem Organisationsgrad könnten davon nur träumen. Aber auch in diesen Bereichen hätten sich Arbeitnehmer vor Jahren entschlossen, in Gewerkschaften einzutreten, um Verhältnisse zu verändern. Die Geschichte der Gewerkschaften sei geprägt von Siegen und Niederlagen. Auf erzielten Erfolgen aber dürfe man sich nicht ausruhen. Davon zeuge die wirtschaftliche Entwicklung in den letzten Jahrzehnten. Beschäftigte im öffentlichen Dienst sollten sich darauf einstellen, dass in der anstehenden Tarifrunde bei Bund und Kommunen eine Betriebsrente verteidigt werden müsse, deren tarifliche Grundlage manchen gar nicht bewusst sei. Aber auch in der Medienbranche, dem Gesundheitsbereich und der Telekommunikation müssten Tarifverträge immer wieder verteidigt werden.

Die Geschichte der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung zeige auf, dass viele Probleme auf nationaler Ebene nicht gelöst werden können, sondern internationale Zusammenarbeit erforderlich sei. Dazu gehöre, dass wir für Flüchtlinge nicht nur Türen, sondern auch die Herzen öffneten und ihnen die gewerkschaftliche Unterstützung zusicherten. So konnten deutsche Gewerkschafter etwa die Nazi-Zeit nur überleben, weil sie in andere Länder geflohen sind. "Die Gewerkschaften stehen vor neuen großen Herausforderungen, die nur gelöst werden können, wenn Jung und Alt solidarisch zusammenwirken", so das Resümee der Rednerin.

Bis zu 60 Jahre bei der GewerkschaftZusammen mit Festrednerin Birner ehrte der Vorsitzende Manfred Weiß Jubilare für 60-, 50-, 40- und 25-jährige gewerkschaftliche Mitgliedsschaft:

Für 60 Jahre wurden Johann Gebhardt, Werner Pirner, Siegfried Roth und Andreas Weber bedacht. 50 Jahre sind Harald Abert und Wilhelm Voit gewerkschaftlich organisiert. 40 Jahre halten Sonja Bauer, Karl Christau, Bernhard Dietl, Sabine Guschak, Rudolf Hudey und Elke Schinner Verdi die Treue. Die Auszeichnung für 25-jährige Mitgliedsschaft nahmen Thomas Albert, Jürgen Pilhofer, Wolfgang Reindl, Gisela Rodriguez, Andreas Royer und Konrad Sommer entgegen.

Das jahrzehntelange Engagement von Andreas Weber würdigte der Vorsitzende Manfred Weiß. So kann dieser nicht nur auf eine 60-jährige Zugehörigkeit, sondern auch auf 57,5 Jahre als ehrenamtlicher Funktionär zurückblicken. Andreas Weber war Jugendleiter und Ortsvereinsvorsitzender bei der Deutschen Postgewerkschaft, die in dieser Zeit einen Organisationsgrad von 99,7 Prozent erreichte. Neben der Tätigkeit im DGB-Ortskartell war der Jubilar in verschiedenen überörtlichen Gremien aktiv. (bt)
Die Herausforderungen können nur gelöst werden, wenn Jung und Alt solidarisch zusammenwirken.Kathrin Birner
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