Jugendclub Bureau sucht neue Bleibe
Träume brauchen neue Räume

Was aus dem alten Sperber-Anwesen wird, ist noch nicht geklärt. Der Jugendclub Bureau jedenfalls kann hier nicht mehr bleiben und sucht nun eine neue Heimat. Bild: Gebhardt
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
24.05.2016
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Den Jugendclub Bureau gibt es nicht mehr. Sulzbach-Rosenberg verliere dadurch eine außergewöhnliche Einrichtung. Von der Erhaltung alternativer Strukturen, das betonen die Initiatoren in einer Pressemitteilung, könnten alle Bürger der Stadt profitieren.

Viele Vorurteile


Ein "Schandfleck" sei er, Sammelbecken für obskure Gestalten und zwielichtige Machenschaften., hieß es vor vielen Jahren bei der Gründung. Die Liste der Vorurteile, denen sich der Jugendclub Bureau seit seiner Existenz ausgesetzt sah, ist lang. Teils waren die Vorwürfe auch der wenig vertrauenserweckenden Historie des Lokals "Mundschenk" geschuldet, in dem der Jugendclub seit 1998 residierte.

Teils fußte die Skepsis der Sulzbach-Rosenberger aber auch in einem fundamentalen Missverständnis: Trotz allem Willen zur Abgrenzung gegenüber der "gutbürgerlichen" Öffentlichkeit war der Jugendclub Bureau primär ein Treffpunkt für junge und nicht mehr ganz so junge Menschen aller Couleur, die mehr als nur eine weitere Kneipe am Wochenende besuchen wollten. Diversität und Offenheit gegenüber Neuem seien stets die Eckpfeiler des Bureaus gewesen.

Fest steht: Über die Jahre sind so Strukturen gewachsen, die für eine Stadt der Größe Sulzbach-Rosenbergs außergewöhnlich sind. Ein selbstverwalteter Jugendtreff, der sich emanzipatives Wirken auf die Fahnen geschrieben hat, ist keine Selbstverständlichkeit in einer ländlichen Region.

Und so fanden nicht nur Kneipenabende, sondern auch Diskussionen, Konzerte und Vorträge statt. Gerade in den letzten Monaten wurde das integrative Potenzial des Bureaus offensichtlich, da zahlreiche syrische Flüchtlinge dort regelmäßig ihre Zeit verbrachten und Teil eines entspannten Miteinanders wurden, wie sich die Betreiber erinnern.

Marodes Dach


Seit kurzem ist der Laden nun aber dicht: Das Dach des alten Gebäudes macht es nicht mehr lange, und die Sicherheit der Gäste und Mitbürger geht vor. Manche mögen aufatmen, andere wehmütig vor der geschlossenen Türe stehen.

Eines aber sei sicher, unterstreichen alle Mitarbeiter: Mit dem "Mundschenk" verliere die Stadt Sulzbach-Rosenberg bis auf Weiteres einen Ort, dessen sich niemand schämen muss. Im Gegenteil: Es gebe einen Grund, weshalb die Herzogstadt keine Schwierigkeiten mit rechtsradikalen Umtrieben hatte und hat. "Alternativen Strukturen Platz zum Atmen zu lassen ist keine Schande, sondern eine Selbstverständlichkeit in einer pluralistischen Gesellschaft." Diesen Strukturen ein Fortbestehen zu ermöglichen, sei das Ziel aller, denen der Jugendclub Bureau ans Herz gewachsen ist. Ein marodes Dach sei kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Der Jugendclub Bureau ist nun auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten, "denn Sulzbach-Rosenberg braucht dringend einen Ort für eine alternative Gegenkultur". Aktuell gibt es Gespräche mit der Stadtverwaltung und Zusammenarbeit mit Unterstützern, um einen neuen geeigneten Raum zu finden.
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