Julia (22) und Chris (30) haben Altenpfleger gelernt - Im Interview berichten sie von ihren ...
Danke - schön, dass Sie da sind!

Altenpfleger: kein Job, in dem man eine ruhige Kugel schieben kann. Bild: rtw
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
09.09.2016
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Ganz ohne Verwaltungskram geht es nicht... Bild: rtw

Rollstuhl statt Schubkarre, menschliche Nähe statt stupide Arbeit mit Maschinen... Chris (30) hat seinen erlernten Beruf als Tiefbauer an den Nagel gehängt und sich für eine Ausbildung zum Altenpfleger entschieden. Gemeinsam mit seiner Kollegin Julia (22) erzählt er von seinem Alltag.

Während der Amberger Chris Jakob nach seiner Beschäftigung beim Tiefbau, einem Praktikum im Seniorenheim und einem Jahr als Pflegehelfer letztendlich als Seiteneinsteiger zur Altenpfleger-Ausbildung kam, war der Weg für Julia Utz (ebenfalls aus Amberg) schon früh absehbar.

"Ich habe die Sozialpflegeschule besucht. Da hatten wir regelmäßig Praktika und so stand für mich schon bald fest, dass ich beruflich etwas in der Altenpflege machen möchte", erzählt sie. Aber was reizt gerade junge Menschen an einer solchen Aufgabe - in einem Alter, in dem Krankheit, Pflegebedürftigkeit und auch Tod noch so weit entfernt zu sein scheinen?

"Es ist schön, Menschen zu helfen, damit es ihnen gut geht und sie Freude am Leben haben - auch wenn sie nicht mehr zu Hause wohnen können", sagt die junge Frau. "Sie haben jetzt halt nicht mehr jeden Tag ihre Angehörigen um sich - jetzt haben sie uns."

Ein Lächeln aufs Gesicht zaubern


Den alten Menschen jeden Tag ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern, das motiviert auch Chris Jakob: "Ich helfe lieber, statt stupide an einer Maschine zu stehen und jeden Tag das Selbe zu machen."

Positiv gestimmt und motiviert sind also die beiden Altenpfleger, die ihre dreijährige Ausbildung mittlerweile abgeschlossen haben. Aber da gibt es doch sicherlich auch Dinge, die am Beruf weniger gefallen...? "Geteilte Dienste am Wochenende" fällt Chris da beispielsweise spontan ein. Jedes zweite Wochenende müssen die Altenpfleger entweder am Samstag oder am Sonntag ran - schließlich können sie ihre "Arbeit" ja nicht wie einen Aktenstapel im Büro übers Wochenende alleine lassen.

Julia Utz macht vor allem die ständig knappe Zeit zu schaffen. "Wir haben so wenig Zeit für die Bewohner", klagt sie. "Für die verschiedenen Pflege-Aufgaben sind bestimmte Zeiten vorgegeben - aber das reicht nicht."

Vor allem der zwischenmenschliche Bereich leide unter den Vorgaben: "Wir bräuchten mehr Zeit zum Reden", wünscht sich Julia. "Schließlich erzählen die Bewohner gerade uns von ihren Sorgen, wir sind ja täglich um sie."

Was diesen ständigen Zeitdruck angeht, sieht Wolfgang Rattai aber etwas Entlastung kommen. Er ist Leiter des Caritas-Hauses St. Barbara in Sulzbach-Rosenberg und der Chef von Julia und Chris. "Eine vereinfachte Pflegedokumentation, wie sie derzeit bereits getestet wird, soll auch bei uns kommen", sagt er. Das schafft dann wieder etwas mehr Freiraum für das Zwischenmenschliche.

Und was tut so ein Altenpfleger den ganzen Tag? Julia und Chris fassen hier einmal die wichtigsten Aufgaben zusammen:

Los geht es morgens auf den Zimmern der Bewohner - Bettlägrige Patienten müssen gelagert werden (das ist über den Tag verteilt immer wieder der Fall), die alten Menschen werden zur Toilette begleitet bzw.bekommen Einlagen. Dann geht's an die Morgentoilette. Die Altenpfleger unterstützen hier oder übernehmen, was die Bewohner nicht mehr selbst erledigen können.

Dann gibt's erst einmal Frühstück und Medikamente für die Senioren - und immer wieder auch die Aufforderung, etwas zu trinken. Nach dem Frühdienst, den wir an dieser Stelle einmal exemplarisch beleuchtet haben, werden dann nach einer kurzen Pause schon die Medikamente für Mittag zusammengestellt... und dann geht es wieder los mit dem Lagern der Bettlägrigen und den Vorbereitungen fürs Mittagessen.

Bevor später die Schicht zu Ende geht, besprechen die Altenpfleger noch die wichtigsten Dinge mit den Kollegen vom Nachmittagsdienst.

Alles in allem also kein Job, bei dem man eine ruhige Kugel schieben kann. Altenpfleger müssen körperlich fit sein (z.B. für das Lagern und auch allein wegen der vielen Laufwege den ganzen Tag über).

Möglichkeiten nach der Ausbildung


Wer sich nach der Ausbildung weiterqualifizieren möchte, kann beispielsweise Gerontofachkraft oder Palliativfachkraft werden oder sich im Bereich Wundmanagement weiterbilden. Auch Bereichs- oder Pflegedienstleirer werden immer wieder gebraucht.

Nach den Voraussetzungen gefragt, die angehende Altenpfleger mitbringen sollten, meint Chris: "Man muss das wirklich wollen, sonst ist die Ausbildung nicht zu schaffen. Außerdem muss man bereit sein, auch private Zeit zu investieren - beispielweise für die Prüfungsvorbereitungen." Und Julia ergänzt, angehende Altenpfleger sollten "offen sein, Nähe zulassen können und keine Angst haben".

Dafür bekommen die Altenpfleger aber auch jede Menge zurück. "So oft wirst Du in keinem anderen Beruf gelobt", weiß Einrichtungsleiter Wolfgang Rattai. Dem kann Julia Utz nur zustimmen: "Manche Blicke sagen schon allein mehr als Worte. Oder ein glückliches Lächeln, obwohl die Leute manchmal so krank sind."

Sehr, sehr oft hören die Altenpfleger "Danke - schön, dass Sie da sind." Und dann wissen sie, dass sie den richtigen Beruf gewählt haben.
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