Kreismitgliederversammlung des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter
Nach wie vor zu viel Milch

Johannes Fritz vom BDM-Büro in Freising analysierte den aktuellen Milchmarkt. Bild: gf

"Die Milchkrise von 2015 und 2016 ist noch nicht vorüber, geschweige ausgestanden": Johannes Fritz vom BDM-Büro in Freising sprach Klartext. Um wieder einen starken Milchmarkt zu erreichen, sei eine Deckelung der Anlieferungen immer noch dringend erforderlich.

Bei der Kreismitgliederversammlung des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter im Gasthof Heldrich in Forsthof ging es auch darum, wie Klauenpflege durchgeführt werden sollte, um eine stabile Milchleistung gewährleisten zu können. Dazu warteten Hubert Höhn und Jessika Emberger von der Firma Buchholz-Aschenbrenner mit Ratschlägen auf.

Beziehungen verbessern


Wie bisher werde das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten auch künftig die Landwirtschaft und somit auch die Milchbauern unterstützen, versprach Forstdirektor Wolfhard-Rüdiger Wicht. Der Kreisverband des Bayerischen Bauernverbandes strebe bessere Beziehungen zum Bund der Milchbauern an, da beide Organisationen die bäuerliche Landwirtschaft vertreten, versicherte Kreisobmann Peter Beer.

Wie beispielsweise in Neuseeland sollten die Milchprodukte in Deutschland im Handel nicht verramscht werden, forderte die stellvertretende Landrätin Brigitte Bachmann. Mit einem "Grüß Gott" überbrachte 2. Bürgermeister Günter Koller die Grüße der Stadt Sulzbach-Rosenberg, die ein offenes Herz für die Landwirtschaft habe. Last not least forderte der Kreisvorsitzen des des Bundes Naturschutz, Peter Zahn, vom Landkreis mehr Unterstützung für regionale Produkte ein.

Bauernsterben geht weiter


Das Milchbauernsterben gehe unvermindert weiter, kritisierte Kreisvorsitzender Helmut Graf. Der Wegfall der Milchquote habe daran nichts geändert, denn es würde nach wie vor zu viel Milch produziert, die auf dem Markt nicht abgesetzt werden könne. Zumindest nicht mit einem akzeptablen Preis, mit dem der Landwirt die Produktionskosten decken könne.

Prognosen schwierig


Auch das sogenannte Sicherheitsnetz habe schwere Marktkrisen auf dem EU-Milchmarkt nicht verhindern können, mit der Folge, dass die Milchbauern regelmäßig große Verluste eingefahren hätten. Zwar hätten die Milchproduzenten 2016 einigermaßen überstanden, doch wie 2017 ablaufen werde, könne heute noch niemand sagen. So fordere der BDM im Rahmen eines Konzeptes zum Milchmarkt-Krisenmanagement, dass frühzeitig und präventiv auf drohende Marktverwerfungen reagiert werden sollte.

Mengen reduzieren


Darunter falle eine Öffnung privater Lagerhaltung und der staatlichen Intervention. Erforderlich sei ebenfalls ein Marktverantwortungs- und Anreizprogramm, mit der Zielsetzung, die Milchmengen zu reduzieren, sprach sich Helmut Graf aus. Als Grundlage sollten die Daten der EU-Monitoringstelle bei dieser mehrstufigen Vorgehensweise dienen.

"Gesunde Kühe bringen gute Milch", brachte es der Leiter Klauenpflege der Firma Buchholz-Aschenbrenner, Hubert Höhn, auf den Punkt, warum es im wirtschaftlichen Interesse eines Landwirtes sei, auf diesem Gebiet tätig zu werden. Ebenfalls informierte Jessica Emberger über Vorbeugemöglichkeiten und Pflegemaßnahmen.

Gefahr für den Milchmarkt"Wir haben keinen bayerischen oder deutschen, sondern einen Milchweltmarkt", erläuterte Johannes Fritz vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter. Deshalb bringe es nichts, nur auf das Inland oder Europa zu blicken.

Auf der anderen Seite aber sei die EU bei der Milcherzeugung 2016 Spitzenreiter vor Indien und den USA. Damit trete die EU auch weiter als bestimmender Akteur am Weltmilchmarkt auf und habe großen Einfluss auf Preisgestaltung.

Auch wenn es betriebswirtschaftlich nicht immer sinnvoll für den einzelnen Milchproduzenten sei, im volkswirtschaftlichen Interesse sollte aber nicht mehr Milch produziert werden, als der Markt aufnehmen könne. Sonst bestehe die Gefahr, dass der gesamte Milchmarkt gefährdet werde.

Und dauerhafte staatliche Hilfeleistungen durch Bund und EU, mit der Verluste der Milchproduzenten abgefedert wurden, seien auf Dauer der Gesellschaft nicht vermittelbar, machte der Referent deutlich.

Bedeutung bei der Preisgestaltung habe auch, welche Mengen Butter, Magermilchpulver oder Käse, die sich in der Intervention oder in einer privaten Lagerhaltung befinden, auf den Markt gebracht werden. Bei der Krisenbewältigung sei nicht nur der Milchproduzent, sondern auch die Politik gefordert. (bt)


Wie beispielsweise in Neuseeland sollten die Milchprodukte in Deutschland im Handel nicht verramscht werden.Stellvertretende Landrätin Brigitte Bachmann
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