Küchen-Traum draußen im Busch

Die Essensausgabe ist stets ein Höhepunkt des Tages im Zeltlager, und die Köche freuen sich, wenn es allen schmeckt.
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
24.12.2015
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Wenn es die Situation erfordert, marschiert die Küchen-Crew auch schon mal in der Badehose ums Lagerfeuer.
 
in weertvolles Instrument zur Speisekarten-Erweiterung ist der mobile Holzbackofen.

Es gibt Mannschaften, es gibt Gruppen, und es gibt Dream-Teams. Die ehrenamtliche Lagerküche der Pfadfinderschaft und Gemeinschaft St. Georg ist so eines. Sie liefert perfektes Essen ab in den Zeltlagern. Allerdings manchmal für rund 130 Leute, und das drei- bis viermal am Tag. Wie kann das nur funktionieren?

Ein DreamTeam erkennt man am bedingungslosen Zusammenhalt, an der absoluten Leistungsbereitschaft und der Top-Qualität seiner Arbeit. Das alles, gepaart mit Kameradschaft und stets guter Laune, kennzeichnet diese ganz besondere Truppe.

Die Evolution setzt sich ja bekanntlich beständig fort. Das sieht man am besten an der Lagerküche der Stammesgemeinschaft St. Georg Sulzbach. Ein Zeltlager gehört zum Pfadfinder wie die Kluft. Aber die Zeiten, in denen Würstchen am Stock über den qualmenden Feuern brutzelten, sind lange vorbei. Dafür sorgt die perfekte Küchen-Crew, die wir heute vorstellen.

Echter harter Kern


Sechs Leute bilden den harten Kern der Küchenmannschaft. Sie sind mit allen Wassern gewaschen. Eine Handvoll wechselnder Helfer unterstützt sie dabei perfekt. Wer im Busch ein Super-Essen zaubern will, der muss improvisieren und sich auf seine Mitstreiter verlassen können. Wie läuft das Programm also ab? Nehmen wir mal das Vater-Kind-Lager der Gemeinschaft St. Georg, der GSG, seit 38 Jahren eines der größten im Landkreis und darüber hinaus. Bis zu 130 Teilnehmer bevölkern fünf Tage lang den jährlich wechselnden Zeltplatz. Das bedeutet elf bis zwölf volle Mahlzeiten, also fast 1600 Portionen.

Schon im Januar - für 2016 also in den nächsten Tagen und Wochen - beginnen die vorbereitenden Sitzungen im Pfadfinderheim. Das Organisationsteam macht sich Gedanken über Ort, Zeit und vor allem Programm des Lagers. Es gibt monatelange Diskussionen, Vorbereitungen, Planungen bis zum August. Die Küchen-Crew dagegen bleibt gelassen: Hier weiß jeder, was zu tun ist.

Absoluter Grundsatz: Regionalität ist Trumpf. Also wird recherchiert, wo in der Nähe des Zeltlagers Metzger, Bäcker und Obstgeschäfte etc. zu finden sind, welche Qualität sie bieten, welche Preise und ob sie alles Benötigte auch beschaffen können. Frische und Ortsbezogenheit sind unabdingbar - schließlich wird täglich ein- bis zwei Mal eingekauft. Fertigprodukte, Glutamat - absolut tabu. Brühe, Dressing, Saucen, alles ist frisch und selbstgemacht.

Eingespieltes Team


Tage vor dem Start baut das Vorkommando die schwarze Jurte auf - das Küchenzelt mit Rauchdach hat respektable Ausmaße. Innendrin herrscht Heimat: Jeder der sechs Köche weiß genau, wo was hingehört. Über Jahre hinweg gereifte Organisationssysteme lassen auch im Dunkeln alles auf den ersten Griff finden: Hier stehen die Gewürze, dort hängen die Kochlöffel. Zeitweise hilft ein großer Kühlschrank samt Stromaggregat beim Lagern der Lebensmittel.

Der Alltag des Lagerköche beginnt spätestens am 6 Uhr morgens und endet meist erst kurz vor Mitternacht - nichts für Weicheier. Wenn das sanfte Schnarchen in der Schlafjurte neben dem Küchenzelt dem Geräusch des Zähneputzens weicht, prasselt auch schon das erste Feuer im Holzofen. Kaffee, Tee und Kakao entstehen wie von Zauberhand, der Bote bringt 300 Semmeln, das Frühstücksbüfett wächst: Aufschnitt, Butter, Marmelade, Honig, Müsli, Obst, Semmeln, Brot - alles da, was das Pfadfinderherz begehrt. Es gibt bei uns Gasthäuser, da bekommt man so was nicht ... .

Kaum ist das Frühstück abgeräumt, geht es ans Mittag- und Abendessen: Gemüse putzen, Fleisch bearbeiten, Suppen kochen, jeder weiß, wo er hinzulangen hat. Und die Speisekarte kann sich jedes Jahr sehen lassen: Lasagne, Eintopf, Schweinebraten, Currywurst, Fleischkücheln, Gulaschsuppe, Gyros, Pizza, Spanferkel, aber auch Zwiebel- und normaler Kuchen zum Nachmittagskaffee - geht nicht gibt's nicht.

Denn die Ausrüstung ist inzwischen vom Feinsten. Edelstahlwannen, Kessel, Bräter, Pizza-Bleche, Saugrill, alles ist da, wie in einer guten Großküche. Platz findet das alles übrigens nach einem ausgeklügelten Schlicht-System in zwei Containern. Das Equipment gehört übrigens der DPSG, der GSG und der PSG (Pfadfinderinnen) gemeinsam.

Helfer immer dabei


Ein Anhänger mit zwei aufgesetzten Holzbacköfen erweist sich mehrmals als hilfreich, Kinder dürfen selbst backen, meistens Pizzabrötchen oder Kuchen. Manchmal verirrt sich sogar eine Ente dort hinein.

Ist das Abendessen verzehrt, finden sich die freiwilligen Helfer ein zum Abspülen des Küchengeschirrs - hier lassen sich die Köche gerne helfen. Eine gute halbe Stunde wird eifrig geschrubbt, dann gibt es eine kleine Erfrischung als Lohn. Wenn die fröhliche Runde ums Lagerfeuer sitzt, Pfadfinder- und andere Lieder erschallen, tauchen regelmäßig Mitglieder der Küchen-Crew mit einem kleinen Snack aus der Dunkelheit auf: Da gibt's schon mal selbstgemachtes Sushi, kalten Braten vom Mittag mit einer Scheibe Brot oder ein paar Würsteln zur Nacht.

Selbstverständlich umrahmt die Küche auch das Lagerprogramm: Beim Empfang am Anfang gibt es gehaltvolle Drinks, später auch manchmal eine fantastische, wunderkerzenbestückte Riesen-Eisbombe. Teile der Crew begeistern oft als versierte Feuerschlucker in der Nacht.

Das alles wuchs in den vielen Pfadfinder-Jahren. Gerd Geismann ist als Dienstältester seit 13 Jahren dabei, seit sieben Jahren im GSG-Lager, die anderen kamen allmählich dazu. Ergänzt werden sie durch Helfer auf Zeit, unter anderem durch eine Fachkraft, die bei der Essensausgabe ausschließlich eine Prise Petersilie auf die Knödel zum Schweinebraten streut - stilistische Perfektion eben.

Permanent lustig


Die Logistik managt Stephan Wiesneth: Laut Etat muss er mit durchschnittlich 1,50 Euro pro Mahlzeit auskommen - wie er das jedes Jahr trotz beeindruckender Essensqualität schafft, ist unvorstellbar. Gelernt haben die Akteure ihr Handwerk meist in anderen Pfadfinder-Lagern oder bei der früheren Kirwa, und alle kochen auch gern zu Hause.

"Bei uns ist es permanent lustig", da sind sich alle sechs einig. Und sollte doch zwischendrin mal einer der Lagerteilnehmer außer der Reihe Hunger verspüren - "wir haben immer etwas da!" Im Lager 2015 gab es sogar eine eigene Küchen-Hymne, vom Volk gedichtet zur Melodie der Internationalen: "Leute, lobt unsere Küche...", und das ganze Lagerfeuerrund sang begeistert mit.

Sie werden geliebt


Denn eines ist klar: Die Pfadfinder lieben die Freiheit - und dann gleich ihre Küche. Ohne sie wäre kein Lager möglich, sie ist das Herz der Gemeinschaft, eine gewachsene Mannschaft, die ihre Heimat dort gefunden hat, wo es vielen zu heiß ist: direkt neben dem Kochtopf.

Dream-TeamUnd das sind die sechs Köche: Gerd Geismann, 44, Elektriker

Stefan Christau, 42, Krankenpfleger

Stefan Kreuzer, 51, Krankenpfleger

Florian Schwager, 35, Autoverkäufer

Stephan Wiesneth, 43, Krankenpfleger

Norbert Friese, 36, Elektriker
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