KZ-Überlebender Max Glauben spricht vor Schülern des Herzog-Christian-August-Gymnasiums
Wie lebende Skelette

Max Glauben mit einigen Schülern des Herzog-Christian-August-Gymnasiums nach dem Interview. Vordere Reihe von links: Max Glauben, Phillip Glauben und Oberstudienrat Ludwig Nerb. Bild: hfz

Max Glauben wirkt mit seinen 88 Jahren unglaublich vital und zugleich humorvoll. Dabei hat er sechs Konzentrationslager, das Ghetto in Warschau und den Tod seiner Familie im Holocaust überlebt. Jetzt sprach er über seine Erfahrungen vor Schülern des Herzog-Christian-August-Gymnasiums (HCA).

Für Max Glauben ist "das Glas immer noch halb voll" wie er augenzwinkernden seinen Zuhörern erklärte. Organisiert hatte diese Geschichtsstunde Oberstudienrat Ludwig Nerb, zusammen mit der Gedenkstätte Flossenbürg und seinen Kollegen im Fachbereich Geschichte. Teilnehmer an dieser Reise in die Vergangenheit waren Schüler aus den Jahrgangsstufen neun und zehn. Viele von ihnen schrieben mit und stellten Fragen, die Max Glauben beantwortete.

Allmählich unerträglich


Das Martyrium begann für dessen Familie, als die deutsche Wehrmacht im September 1939 Polen überfiel und das Ghetto in Warschau errichtet wurde. Dort wurden die Lebensumstände allmählich unerträglich. Vor allem die drastisch reduzierte Versorgung mit Lebensmitteln von nur 180 Kalorien am Tag, also eine Scheibe Brot, verursachte den Hungertod vieler Insassen. Als das Ghetto schließlich von den Deutschen dem Erdboden gleich gemacht wurde, schaffte es Max Glauben mit seiner Familie zu überleben.

In einem völlig überfüllten Güterwagen ging es in das Lager Majdanek, wo er seine Mutter und den kleineren Bruder verlor. Im zweiten Lager wurde sein Vater getötet. Doch Glauben hatte mehr als Glück: Entweder hatten die Wachleute sein Alter falsch notiert oder sein Vater hatte ein anderes Datum angegeben, um ihm das Leben zu retten. Weil der kleine Junge sehr geschickte Hände hatte, wurde er eingesetzt, Formen für Flugzeugteile aus Holz zu fertigen, auch das ein Mosaikstein, der ihm vielleicht das Leben rettete.

Krankheit wie Todesurteil


Während seiner Zeit in weiteren Konzentrationslagern erkannte er, dass sich die Insassen der Lager einem Prozess der Entmenschlichung ausgesetzt sahen, der sie zu namenlosen Opfern machte: "Ich dachte, ich sei ein Nichts. Wir hatten keine Namen mehr, wir glichen lebenden Skeletten und kämpften um das Überleben, wir hatten unsere Herkunft, unsere Familie und natürlich unsere Zukunft verloren."

Am 16. April zwangen die Schergen Max Glauben und andere Überlebende auf einem Todesmarsch das Lager Flossenbürg in Richtung Dachau zu verlassen. Nahe Stamsried wurde der Elendszug am 23. April 1945 von den Amerikanern befreit. Zwei Jahre später kam Max Glauben in die Vereinigten Staaten, begann ein neues Leben und gründete eine Familie. Derzeit lebt er in Dallas und kommt jährlich zum "Marsch der Überlebenden" nach Europa, wo er zusammen mit seinem Sohn Phillip auch vor Schülern spricht.

Gegen den Hass


Max Glauben vermittelte dem Publikum jedoch nicht nur viele Details aus der Vergangenheit, sondern rief sie auch dazu auf, mutig zu sein und mit ihrem Verstand Lösungen zu finden: "Es gibt gute und böse Dinge im Leben. Ihr habt Euch zu entscheiden. Das Wichtigste ist es, sich niemals selbst zu unterschätzen und nie aufzugeben." Max Glauben weiter: "Das Übel des Hasses ist wie eine Krankheit, dagegen muss ein Heilmittel gefunden werden. Leute auf die Grausamkeit der Zeitgenossen aufmerksam zu machen, kann ein solches Heilmittel sein. Die Lösung ist, höflich zu jedermann zu sein und nie zu hassen. Denn der Hass fällt auf den zurück, von dem er kommt."

Glauben empfindet tiefe Dankbarkeit, dafür, dass er überleben konnte und in einem freien Land wohnen darf. Dafür erfüllt er gerne seinen Auftrag: Er fühlt sich den Opfern der NS-Gewalt gegenüber verpflichtet, seine Geschichte zu erzählen ohne Hass zu erzeugen. Je mehr er erzählt, umso mehr Energie bekomme er davon, berichtete er den Zuhörern. Nach 90 Minuten freiem Vortrag und Antworten auf Fragen ohne Zeichen der Erschöpfung glaubt man dies Max Glauben ohne Zögern.
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