Lehrer und Pfarrer im Gespräch über Flüchtlingsproblematik im Reliogionsunterricht
„Ich bin fremd – und ihr?“

Das Fortbildungsteam von links: Carolin Ortlieb, Religionspädagogin, Heidi Pscherer, Traumapädagogin, Dr. Harald Knobloch,Pfarrer und Grete Wedel, Leiterin des Schulreferates im Dekanatsbezirk. Bild: hfz

Ein Thema bewegt Deutschland sehr stark: Menschen flüchten vor Krieg und Terror hierher. Da war es nur logisch, dass sich Lehrer und Pfarrer im evangelisch-lutherischen Dekanat mit dieser Thematik beschäftigten.

Grete Wedel, die Leiterin des Schulreferates im Dekanatsbezirk, und Pfarrer Dr. Harald Knobloch leiten die Arbeitsgemeinschaft Lehrer/Pfarrer. Unter dem Titel "Ich bin fremd und ihr...?! - Impulse zur Flüchtlingsthematik im Religionsunterricht" hatten sie zu einem Nachmittag in den Gemeindesaal der Christuskirche geladen. Religionspädagogen, Katecheten, staatliche Lehrkräfte und Pfarrer diskutierten mit.

Wechsel nach München


"Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen." (Mt 25,35) lautet eins der sieben Werke der Barmherzigkeit. Jesus selbst ist in Not und braucht Hilfe. Der Gedanke der Fürsorge für Fremdlinge, wie sie in der Bibel genannt werden, sei im Alten Testament angelegt und werde hier fortgeführt.

Mit diesen biblisch-theologischen Ausführungen verabschiedete sich Pfarrer Dr. Harald Knobloch aus der Arbeitsgemeinschaft, da er nach München wechselt. Grete Wedel bedankte sich ausdrücklich für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen drei Jahren. Wie die Situation der Hilfesuchenden hier im Dekanatsbezirk Sulzbach-Rosenberg aussieht, erörterte Gertrud Strauß von der Migrations- und Asylberatung. Sie begann ihr Referat mit beeindruckenden Zahlen: Weltweit sind etwa 60 Millionen Menschen unterwegs, die allermeisten flüchten in Entwicklungsländer.

Rund 800 Flüchtlinge lebten bei uns im Landkreis. Der wichtigste Baustein für eine gelingende Integration sei die Sprache. Neben dem offiziellen Kursangebot seien nach wie vor sehr viele Ehrenamtliche und Privatpersonen aktiv. Eine weitere Herausforderung stelle die Suche nach Arbeit dar. "Viele Flüchtlinge wollen so schnell wie möglich auf eigenen Beinen stehen und finanziell unabhängig sein." Mit einem Konzept, um mit Flüchtlingen ins Gespräch zu kommen, machten Michael Kernl von "Sulzbach-Rosenberg hilft" und Realschullehrerin Johanna Groh ein ganz konkretes Angebot für die schulische Arbeit.

Schreckliches erlebt


Aber nicht nur das Reden über Flüchtlinge im Religionsunterricht war ein Thema dieser Fortbildung, sondern auch die Frage, was einen im Umgang mit Flüchtlingskindern erwarten könnte. Sehr eindrücklich erzählten die Trauma-Pädagogin Heidi Pscherer und die Religionspädagogin Carolin Ortlieb aus ihrem Alltag in einer Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Ernst-Naegelsbach-Haus in Sulzbach-Rosenberg. Viele Kinder und Jugendliche aus Kriegs- uns Krisengebieten haben Schreckliches erlebt. Sie tragen Traumata mit sich herum, werden immer wieder von ihren furchtbaren Erlebnissen eingeholt.

Das schränkt sie oft in ihrem Alltag ein: Schlafstörungen, Vergesslichkeit, Unaufmerksamkeit seien nur einige Symptome, mit denen die Kinder und Jugendlichen zu kämpfen hätten. Das könne sich natürlich auch auf den Schulerfolg auswirken. Aus diesem Grund müssten Lehrkräfte vorbereitet sein, sollten wissen, was ihre Schützlinge beschäftigt und wie sie sich in schwierigen Situationen verhalten können.

Bei all den Problemen würden aber im Alltag mit den Jugendlichen nicht die schönen Seiten des Lebens vergessen: "Viel Freude trägt viel Belastung", betonten die Referentinnen. Zuversichtlich und mit vielen neuen Ideen gingen die Fortbildungsteilnehmer wieder in ihren Alltag mit Kindern und Jugendlichen zurück.
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