Markus Sindel fährt ein seltenes Fiat-126-Cabrio aus Polen
Rot und ans Herz gewachsen

Markus Sindel ist sehr stolz auf sein kleines rotes Fiat-Cabrio: Er besitzt eine automobile Seltenheit in Europa. Bilder: Gebhardt (2)
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
16.08.2016
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Das Sommerkennzeichen verrät es: Der 650er Cabrio wird geschont.

Ein echtes Luxus-Cabrio steht da auf dem Hof. Nur 507 Stück wurden gebaut, es existieren vielleicht noch 150. Gekostet hat das Edelteil im Jahr 1990 rund 2500 D-Mark netto, Markus Sindel kaufte damals gleich drei davon. Sein eigenes Exemplar fährt noch. Und er nennt es stolz "Bambino".

18 Jahre war der gebürtige Feuchtwanger, heute Uhrmachermeister in Sulzbach-Rosenberg, damals, und das Geld entsprechend knapp. Da las er von Autos, die nur für den Osten gebaut wurden, und rief einfach bei der Firma Bosmal in Bielsko-Biala in Polen an.

Die baute den Fiat 126 in Lizenz als Cabrio, nur in rot und weiß. Der kleine Italiener an sich hatte damals einen Stellenwert wie der Käfer, die Ente oder der Trabant in ihren jeweiligen Ländern. "Maluch", "Kleiner", nannten ihn die Polen.

Markus Sindel orderte einen für sich, später noch für seine Mutter und dann das letzte Exemplar noch einen für einen Bekannten - alles gegen Vorkasse. "Drei Wochen lang hat sich dann nix gerührt", erinnert er sich heute noch mit Grausen. Doch dann stand endlich ein Tieflader vor der Tür und brachte den kleinen Roten mit allen Papieren. Nur der deutsche TÜV fehlte noch.

"Er hatte sogar einen ungeregelten Katalysator und die grüne Umweltplakette!" Mit Zoll, Standheizung und deutschem TÜV-Umbau kam das Spaßmobil, eigentlich Baujahr 1989, auf gut 3000 Mark.

Mit nach Sulzbach


Die Polen kauften damals schon lieber West-Autos statt "Maluchs", aber Sindel liebte seinen Kleinen und zog mit ihm 1998 in die Herzogstadt, wo er das Uhrengeschäft Pemsel gekauft und sich selbstständig gemacht hatte. Er lernte hier in der Region auch seine Frau kennen, die seine Begeisterung für den Fiat teilte. "Allerdings kamen wir im Cabrio immer nur bis Aichazandt", erinnert er sich im Gespräch mit der SRZ, "dann mussten wir das Verdeck wieder zumachen, weil es geregnet hat." Aber kein Problem: Druckknöpfe ermöglichen die Roll-Aktion vor und zurück in je rund zwei Minuten.

Klasse Zustand


Das seltene Fahrzeug hat noch keinen Winter gesehen, fährt nur bei schönem Wetter und ist dementsprechend in einem tadellosen Zustand. Erst gut 23 000 Kilometer, maximal mit 116 Sachen, hat der Uhrmachermeister mit seinem Schmuckstück zurückgelegt, und es sollen noch viele weitere werden. Die beiden Kinder haben hinten noch Platz im Viersitzer und freuen sich auch jedes Mal auf eine Ausfahrt.

Einem vergleichbaren Auto werden sie dabei wohl nicht begegnen. Experten schätzen, dass es in Deutschland nur noch rund 150 Stück des Bosmal-Cabrios geben dürfte - sie werden also immer wertvoller und teurer. Markus Sindel ist froh über seine Garage in der Innenstadt, wo er den Kleinen liebevoll pflegen kann.

Sogar ein Windschott hat er sich gebaut, es funktioniert prima auf den Touren und passt ansonsten genau in den Kofferraum vorn. Denn der Bambino hat Heckantrieb. Seine liebste Besonderheit am Lieblings-Auto? "Es hat einen stufenlos verstellbaren Intervall-Scheibenwischer!", verrät Sindel - das findet man heutzutage praktisch in keinem Auto mehr. Es gibt ja Regensensoren. Neumodischer Kram.

Als Zweitwagen hat der kleine Pole noch viele schöne Jahre bei der Familie Sindel vor sich. Als "Youngtimer" muss er noch vier Jahre warten, bis er den begehrten Oldtimer-Status erreicht. Doch sein Besitzer sieht da keine Gefahr. "Der macht uns noch lange Freude!"

DatenFiat 126, 650 Cabrio Bosmal

652 Kubikzentimeter Hubraum

17 kW (24 PS)

Heckmotor

Heckantrieb

Herstellung 1989 bis 1995

Gesamtproduktion 507 Stück.

Italien flippt aus


Die Sindels sind mit ihrer roten Besonderheit auch schon nach Italien reist, stilgerecht über die Pässe. Und dort erlebten sie etwas Besonderes: "Wenn die Italiener so ein kleines Fiat-Cabrio sehen, flippen sie total aus!", erzählt Markus Sindel. Diese Autos gibt's nämlich dort schon lange nicht mehr, und die Italiener freuen sich unbändig über diesen ungewohnten Anblick. (ge)
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