Massive Schmierereien im Stadtgebiet
Botschaft kommt nicht an

Nicht einmal die Friedhofsmauer war sicher vor Verschandelung - mit roter Farbe brachten die Täter ihre Sprüche an. Bilder: Gebhardt (2)
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
22.06.2016
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In die Weiherstraße (Bild), bis in den Stadtpark und in die Neumarkter Straße zog sich die Spur der Sprayer, die wohl an zwei Abenden aktiv waren.

Die Liste der Tatorte ist lang. Verteilerkästen, Mauern, Fahrbahnen, Garagen, Schilder - nichts ist mehr sicher vor Beschmutzung. Das bewies sich am Wochenende, als wieder einmal die sogenannte Anarcho-Szene ihre Ideen kundtat. Der Schaden liegt weit über 10 000 Euro.

Die Polizei berichtete bereits am Montag, dass wieder unbekannte Schmierer im Stadtgebiet ihr Unwesen getrieben hätten. Immer noch melden sich Geschädigte bei der Inspektion.

"Da die Schmierschriften offensichtlich eine politische Botschaft enthalten, übernahm das Kommissariat Staatsschutz der Kriminalpolizeiinspektion Amberg die weiteren Ermittlungen und bittet dringend um Hinweise aus der Bevölkerung", teilte das Polizeipräsidium in Regensburg jetzt mit.

Was ist bisher bekannt? Der oder die Täter agierten offensichtlich im Schutz der Dunkelheit in den Nachtstunden von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag. Sie sprühten mit roter, schwarzer oder grüner Farbe Parolen und Zeichen und zogen so eine Spur der Beschmutzung vom Friedhofsberg über die Weiherstraße und den Stadtpark bis zum Bahnhof und in die Neumarkter Straße. Die Schmierereien können nur mit hohem Aufwand wieder entfernt werden.

Bisher hat die Polizei einen Gesamtschaden von über 10 000 Euro addiert. Die endgültige Summe konnte aufgrund der verschiedenen Geschädigten bislang noch nicht genau bestimmt werden. Diverse Anzeigen laufen bereits.

Die Kripo Amberg bittet dringend um Hinweise zu Personen, die sich in den Abend- und Nachtstunden an den genannten Orten aufhielten. Auch wenn Anwohner oder Passanten die Schmieraktionen vielleicht nicht selbst beobachteten: Angaben zu Leuten, die sie dort gesehen haben, würden trotzdem wichtige Bausteine für die Ermittler darstellen.

Sollten aufmerksame Anwohner oder Nachtschwärmer auch künftig auf Personen aufmerksam werden, die Schmierereien an Gebäuden oder Einrichtungen anbringen, bittet die Polizei um eine sofortige Mitteilung (09661-87 44-0), aber auch unter der Notrufnummer 110. (Angemerkt)

Angeschmiert

Von Joachim Gebhardt

Eine Zeitlang herrschte Ruhe. Es schien, als wären die Akteure weitergezogen und würden die Herzogstadt endlich mit ihren Parolen verschonen. Aber jetzt meldet sich die "Anarcho-Szene" wieder zurück. Das A im Kreis und das Hausbesetzer-Zeichen weisen auf die geistige Heimat der Verursacher hin.

Wer politisch etwas zu sagen hat, der engagiert sich, diskutiert, protestiert, versucht, andere zu überzeugen. Wer aber nur wirre Vorstellungen vom Ende jeglicher Herrschaft und dem Segen der paradiesischen Selbstverwaltung hat, der tut sich schwer, echte Demokraten zu überzeugen.

Möglicherweise liegt hier der Grund für solche Aktionen. Das Eigentum anderer Menschen zu beschädigen oder zu zerstören, das hat aber noch nie zur Übernahme von Überzeugungen geführt.

Der Allgemeinheit immense Kosten zu verursachen und gleichzeitig ein "autonomes Zentrum" zu fordern, wird diese Idee nicht weiterbringen. So eine Einrichtung, was immer sie hier auch sollte, fällt nicht vom Himmel. Und was würde wohl herauskommen, wenn sich solche Chaoten selbst verwalten?

Solange sie sich nur gegenseitig besprühen, wäre ja alles in Ordnung. Dann blieben wenigstens die Hauswände sauber. Und die Täter wären klar zu erkennen als das, was sie in Wirklichkeit sind: schlichte Sachbeschädiger ohne jegliche politische Bedeutung und Substanz. Und jetzt haben sie sich selber angeschmiert.

joachim.gebhardt@zeitung.org
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