Maßschneiderei "Die Schneider" in Sulzbach-Rosenberg überzeugt mit Handwerk und Geschick
Perfekte Maße statt Masse

Mit viel Augenmaß, Geschick und Geduld fertigen Christa und Gerhard Kohl die maßgefertigten Kleidungsstücke in ihrem Atelier an. Bilder: juh (2)
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
10.02.2016
675
0
 
Gerhard Kohl arbeitet seit 60 Jahren als Schneider.

Billige Kleidung gibt es heute an jeder Ecke. Auch viele Online-Händler werben mit Massenware zu Spott-Preisen - hergestellt in ausländischen Großfabriken. In einem kleinen Schneider-Atelier in Sulzbach-Rosenberg ist das anders. Christa und Gerhard Kohl schneidern Kleidung nach Maß. Ein Handwerk, das aber auch Probleme mit sich bringt.

Gerhard Kohl sitzt konzentriert an seiner Nähmaschine. Behutsam fädelt er dunkles Garn in die Öse und legt ein marineblaues Stück Stoff unter den Nadelhalter. Er arbeitet an einem Sakko aus feinstem Stoff. Seine Frau Christa steht am Zuschneidetisch, ein beiges Textil-Stück liegt ausgebreitet vor ihr. Sie nimmt drei angefertigte Papp-Schablonen, platziert sie auf den Stoff und schneidet die Form nach. Fehler dürften ihr nicht unterlaufen, "die Kunden haben sehr hohe Ansprüche und erwarten perfekte Maßarbeit", betont sie.

Zurück zum Urgroßvater


Die Meister Christa und Gerhard Kohl sind Inhaber der Maßschneiderei "Die Schneider". Seit 1980 führen sie gemeinsam das Modeatelier. "Wir stammen beide aus Schneiderfamilien. Das Handwerk wurde uns praktisch in die Wiege gelegt", erzählt Christa Kohl und lächelt. Bereits 1890 habe ihr Urgroßvater - selbst gelernter Meister aus dem Fach - den Familienbetrieb gegründet. "Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Für mich ist es das Schönste, wenn ich ein Stück Stoff vor mir habe und sehe, dass daraus etwas Wundervolles entsteht", erklärt die Inhaberin ihre Begeisterung für das Handwerk.

Gerhard Kohl wuchs in den Beruf bei seinem Vater hinein, der einen Betrieb in Hahnbach hatte. "Danach arbeitete ich etliche Jahre in der Industrie, unter anderem als Schnittassistent. Ich bin froh diese Erfahrung gemacht zu haben, denn ich habe technisch viel gelernt." Diese Erfahrungen zahlen sich heute noch aus.

Passgenau und bequem


Das Ehepaar legt großen Wert auf perfekte Verarbeitung der Stoffe und Zufriedenheit des Kunden. "Passform und Bequemlichkeit sind ausschlaggebend", erklärt Gerhard Kohl. "Wenn ich Politiker im Fernsehen sehe, dann sind die Ärmel ihrer Anzüge zu 90 Prozent zu lang", lacht er. Meist kämen die Kunden mit genauen Vorstellungen zu ihnen. "Die Stoffe suchen sie bei uns aus", erklärt die Inhaberin und blättert in einem Musterkatalog, der vor ihr auf dem massiven, dunkelbraunen Holztisch liegt.

Bis ein Kleidungsstück fertig ist, seien etliche Schritte notwendig. "Zuerst vermessen wir die Kunden." Die Maße übertragen die beiden Experten auf eine Papp-Form und schneiden den Stoff zurecht. "Anschließend nähen wir die Stücke zusammen. Normal kommen die Kunden zwei Mal zur Anprobe, dann sitzt das Kleidungsstück perfekt." Bis ein Herrenanzug fertig ist, bedürfe es rund 40 Arbeitsstunden. Doch im Laufe der Jahre lernten die Kohls auch die Schattenseiten des Berufes kennen. "Es ist nicht leicht, eine Schneiderei zu führen. Viele Menschen kaufen sich industriell gefertigte Kleidung, weil die billiger ist. Auch Online-Anbieter verkaufen die Waren zum Spott-Preis. Auf die Qualität achtet kaum noch jemand", bedauert er. Auch die Tatsache, dass Großfirmen ihre Produktion ins Ausland verlagern, um billigere Arbeitskräfte zu beschäftigen, erschwere ihre Tätigkeit. "Bei den Preisen können wir nicht mithalten. Teilweise bekommt man eine Jeans schon für 15 Euro oder weniger."

Deshalb habe das Paar im Laufe der Jahre sein Angebot breitgefächert. Neben Business- und Abendkleidung fertigen die Schneidermeister Trachten, Kommuniongewänder für Pfarreien und Kostüme für Faschingsvereine. "Wir wohnen hier eher ländlich, da muss man vielseitig sein. Es gibt nicht viele, die sich regelmäßig Anzüge schneidern lassen." Ein erfolgreiches Konzept!

"Wir machten uns einen Namen. Zu unserer Hoch-Zeit arbeiteten zwölf Angestellte für uns.". Heute greift nur noch eine Näherin mit zu. "Wir leben hauptsächlich von Stammkunden. Es gibt immer noch Menschen, die Wert auf maßgeschneiderte Kleidung legen." Das Ehepaar selbst trägt ausschließlich eigenhändig gefertigte Kleidungsstücke. "Natürlich gehen wir auch durch Geschäfte, um uns Anregungen zu holen, aber unsere Kleider sind uns am liebsten", betont Kohl lächelnd.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.