Missio-Truck erstmals an bayerischer Schule
„Das war ganz schön gruselig“

Aufmerksam verfolgten die angehenden Kauffrauen für Büromanagement die Ausführungen von Studiendirektor a.D. Heinz-Ulrich Schmidt, der erste Einblicke in das Aufgabenfeld des Missio-Trucks gab.
 
Fundiert und kompetent: Rebekka Koch sensibilisierte die Jugendlichen und jungen Erwachsenen für das schwierige Thema Flucht. Bilder: bba (2)

Millionen Menschen fliehen weltweit vor Krieg, Verfolgung, Katastrophen, Perspektivlosigkeit oder Hunger. Da diese Schicksale meist weit entfernt vom Alltag der jungen Leute in Deutschland sind, wurde über den Fachbereich Religion der Berufsschule ein Bildungsprogramm von Missio, der "Missio-Truck", organisiert.

Referentin Rebekka Koch aus Hamburg berichtete, dass sie mit diesem Truck nun zum ersten Mal an einer bayerischen Schule sei. Am Beispiel von Bürgerkriegsflüchtlingen im Ostkongo wurden die Berufsschüler, aber auch solche aus der Mittelschule und fünf Berufsfachschulen der Herzogstadt, unter Anleitung der Berufsschulpädagogen im Ruhestand, Karl Kirchdörfer, Heinz-Ulrich Schmidt und Josef Weinfurtner, durch die multimediale Ausstellung im Truck geführt und für die Ausnahmesituation von Flucht und Vertreibung sensibilisiert.

Acht Biografien


Diese Ausstellung, deren Kosten das Bistum Regensburg komplett übernahm, stellte zunächst verschiedene Dienste kirchlicher Partner in betroffenen Regionen wie Soforthilfe, Empowerment, Traumaarbeit oder Inklusionsförderung vor. Acht beispielhafte Biografien standen und stehen für das Schicksal von Flüchtlingen und Vertriebenen im Ostkongo. Die Ausstellung begann im ersten Raum mit einem Computerspiel, bei dem die jungen Besucher die Fluchtgeschichte an Spiel- und Hörsituationen nacherleben konnten.

Karten mit QR-Codes leiteten die jungen Leute durch die Stationen der Fluchtwege: Marktszenen, "pack Dein Leben zusammen", "auf der Fahrt", das Haus von Tante Majenga, Hoffnung auf die Zukunft und Flüchtlinge in Deutschland. "Das war ganz schön gruselig", beschrieb ein 17-jähriger Berufsfachschüler seinen Besuch im Truck und traf damit auch die Gefühle vieler Mitbesucher.

Rebekka Koch beschäftigte sich in ihrem Vortrag zunächst mit dem afrikanischen Kontinent und detailliert mit der Demokratischen Republik Kongo. Das Land, über sechsmal größer als die Deutschland, sei seit 1960 unabhängig und erfuhr im Laufe seiner Geschichte viele grausame Situationen wie Bürgerkriege - der letzte tobte 15 Jahre und forderte fünf Millionen Opfer. Allein im Ostbereich des Landes seien derzeit drei Millionen Binnenflüchtlinge unterwegs, Menschen, die in ihrem eigenen Heimatland von einem Ort zum anderen fliehen.

Chaotische Verhältnisse


Von den gesamten Flüchtlingen in Afrika kommen, so Koch, nur etwa drei Prozent nach Europa, der große Rest bliebe im eigenen Kontinent. Diese chaotischen Verhältnisse seien auch Nährboden für Terrororganisationen, die sich die miserablen und dramatischen Begleiterscheinungen für ihre Ziele zunutze machten.

Neue Greueltaten


Bei diesen Kriegen ginge es meist um Landbesitz, erläuterte Koch weiter. Die Gier nach Bodenschätzen, Rohstoffen oder Mineralien treibe die Menschen zu immer weiteren und neuen Greueltaten. Die Ausbeutung aus der Kolonialzeit habe sich festgesetzt und die Referentin erläuterte als einen inhaltlichen Schwerpunkt "Coltan", für mobile Geräte wie Handys oder PCs ein unerlässlicher Rohstoff.

Derzeit seien auch wieder Rebellengruppen unterwegs, um wirtschaftlich attraktive Gebiete zu besetzen, erklärte die Referentin weiter. Sie kritisierte, dass etliche Unternehmen diese Situation in Kauf nehmen würden, um eigene Gewinne zu forcieren. Schmuggel habe in einem geradezu unregierbaren Land Hochkonjunktur.
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