Mittelalter-Sport auch in der Herzogstadt
Schwertkunst in Perfektion

Wer das Fechten richtig beherrscht, der ist auch mit einem Spazierstock ein ernstzunehmender Gegner. Die Aktiven beweisen das ständig. Bild: Privat
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Sulzbach-Rosenberg
08.06.2016
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"Wir kämpfen und üben mit selbstentwickelten Waffen aus Kunststoff." Zitat: Patrick Scheler

Wenn Menschen mit Schwertern aufeinander losgehen, muss das nicht immer ein Mittelalter-Spektakel sein. Es gibt ernsthaften Sport in dieser Nische. Sogar der gute, alte Hakelstecken kommt zu neuer Ehre.

Sulzbach-Rosenberg hat jetzt einen Ortsverein des "Freien Schwertkreis Deutschland e.V.", und am Wochenende empfängt man hier die deutsche Elite. Patrick Scheler heißt der junge Mann, der seit kurzem in der Herzogstadt wohnt. Er arbeitet als Ingenieur in Nürnberg, ist aber auch Kampfsport- und Haupttrainer des Freien Deutschen Schwertkreises. Was tut so ein Verein? Der SRZ erläutert der Sportler die Hintergründe.

"Wir betreiben auf Vereinsebene historisches Schwertfechten nach der Lichtenauer Schule und auch portugiesisches Langstockfechten", erklärt er. Das mit dem Schwert muss man sich nun allerdings nicht so vorstellen wie im Ritterfilm, wo zwei Gepanzerte solange aufeinander eindreschen, bis einer von ihnen aufgibt (oder man einigt sich auf Unentschieden). Vielmehr streben die Aktiven danach, die Schule des im 14. Jahrhundert angesiedelten mittelfränkischen Fechtmeisters Johannes Lichtenauer traditionell weiter zu pflegen. Sie richten sich nach dessen inzwischen übersetzten Regularien.

Sicherheit geht vor


Sie tun das mit dem "Deutschen Anderthalbhänder", einem etwa 1,2 Meter langem, beidseitig geschliffenen Schwert, das nicht ganz so wuchtig ist wie der mit beiden Fäusten geschwungene, bekannte Zweihänder. Doch das Original kommt aus Sicherheitsgründen höchst selten zum Einsatz. "Wir kämpfen und üben mit selbstentwickelten Waffen aus Kunststoff", erklärt Scheler. Das geht ohne schwere Schutzkleidung, die beim Üben und Kämpfen mit dem (natürlich stumpfen) Metallschwert nötig wäre. Immerhin kostet so eine Ausrüstung über 1000 Euro.

Doch der Schwertkreis hat noch einen anderen Schwerpunkt - den portugiesischen Langstock. "Jogo do pau", "Spiel des Stockes" heißt die in Portugal heute noch heute sehr beliebte und sogar von der Polizei ausgeübte Sportart. Beeinflusst von mittelalterlicher Fechtkunst und asiatischen Kampftechniken, wird die ursprüngliche Selbstverteidigungsmethode nun als Wettkampfsport betrieben. Die Sportler haben dabei einen etwa 1,5 Meter oder einen etwa 80 Zentimeter langen Weidenstock zur Verfügung. Gekämpft wird gegen einen oder auch mehrere Gegner gleichzeitig, Ziel ist es, den oder die Gegner kampfunfähig zu machen, so dass man selbst entwischen kann.

Auch hier kommen aus Sicherheitsgründen gepolsterte Stöcke zum Einsatz. Interessanterweise fechten die Kämpfer auch mit durchaus normal aussehenden Spazierstöcken. Selbst diese können also zur gefährlichen Waffe werden - Vorsicht im Stadtpark, nicht jeder Rentner ist hilflos.

Jeder ist willkommen


Wer sich das alles einmal ansehen möchte, der ist willkommen am Samstag und Sonntag jeweils ab 10 Uhr in der Sporthalle der Krötensee-Mittelschule bei der öffentlichen Tagung samt Lehrgang mit Haupttrainern und Schülern. Die Sulzbach-Rosenberger Fechter trainieren übrigens in der BePo-Halle und im Sommer auch mal sonntags im Stadtpark. Schon einige tausend Aktive zählt man in Deutschland, weltweit sind es geschätzte 15 000. Interessenten sind also jederzeit willkommen (Infos 0176/63 30 52 40)..

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Kontakt unter:

info@fecht- und-funsport.de

Wir kämpfen und üben mit selbstentwickelten Waffen aus Kunststoff.Patrick Scheler
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