Mutmaßlicher Übergriff an der Kreuzung nahe Feuerwehr in der Bayreuther Straße
"Eine schwierige Situation"

An dieser Kreuzung nahe der Feuerwehr in Sulzbach soll sich laut Zeugenaussage der mutmaßliche Überfall vergangenen Freitag abgespielt haben. Bild: juh
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
05.02.2016
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Es seien Szenen wie aus "einem schlechten Film" gewesen. Ein Radfahrer habe ein älteres Paar auf offener Straße angepöbelt, geschubst und geschlagen. Zwei Geschwister versichern, das genau gesehen zu haben. Weitere Zeugen gibt es (noch) nicht. Auch die mutmaßlich Geschädigten erstatteten laut Polizei keine Anzeige.

Der Übergriff habe sich vergangenen Freitag, 29. Januar, an der Kreuzung nahe der Feuerwehr in der Bayreuther Straße ereignet. "Ich stand gegen 15.45 Uhr mit meinem 17-jährigen Bruder an der Kreuzung - die Ampel war auf Rot. Wir waren mit dem Roller unterwegs", erzählt die 14-jährige Sulzbach-Rosenbergerin, die den Vorfall beobachtet haben will. "Dann haben wir ein älteres Paar und einen südländisch aussehenden Mann auf einem grünen Fahrrad bemerkt. Der Radfahrer schlug der Frau ins Gesicht, sie fiel zu Boden", erklärt die Jugendliche.

Daraufhin habe der Begleiter der Frau versucht, "dazwischenzugehen". Er packte den "Angreifer" laut Aussage der Geschwister am Hals. Der Täter habe sich gewehrt und den älteren Herrn auf die Straße geschubst. "Zum Glück kamen keine Autos, die Ampel war ja auf Rot. Es war wie in einem schlechten Film, wir konnten erst gar nicht glauben, was wir da sahen." Anschließend sei der Unbekannte auf dem Rad geflüchtet. "Wir sind sofort zu den älteren Personen, beide waren so um die 60. Die Wange der Frau war rot und schmerzte, außerdem war ihre Brille beschädigt", berichtet die 14-Jährige. Ein weiterer Passant sei ihnen zu Hilfe gekommen und habe das Paar gefragt, ob er dem Angreifer hinterherfahren solle - dieses aber verneinte. "Auch wir haben ihnen geraten, dass sie sofort Anzeige erstatten sollen. Das wollten sie aber nicht. Der Mann meinte, dass sowieso nichts dabei rauskommen würde", sagt der 17-Jährige.

Keine Zivilcourage


Kurz hätten sie mit den Geschädigten gesprochen, wobei ihnen der Mann die Situation geschildert habe. "Er hat gesagt, dass sie der Radfahrer auf dem Gehweg angerempelt hat. Danach sei er handgreiflich geworden." Enttäuscht seien die Geschwister darüber, dass so wenige Menschen Zivilcourage bewiesen hätten. "Es standen einige Autos an der Ampel. Die Leute müssen gesehen haben, was passiert ist, aber niemand hat etwas gemacht - das ist schlimm. Jeder kann in so eine Situation kommen", beklagt die 14-Jährige.

Öffentlich wurde der mutmaßliche Übergriff durch den Post eines Sulzbach-Rosenbergers (39) auf der Facebook-Seite "Ich bin ein echter Sulzbach-Rosenberger". "Ich wollte damit keinen Hass schüren, ich wollte helfen", betont der 39-Jährige. Er lebt im selben Haus wie die Jugendlichen, die den Vorfall beobachtet haben wollen - so habe er auch von der Geschichte erfahren.

"Ich glaube ihnen, deshalb wollte ich verbreiten, dass diese Straftat passiert ist. Ich wusste, dass sich keine weiteren Zeugen gemeldet haben. Durch meinen Post wollte ich so viele Menschen wie möglich erreichen - Menschen, die vielleicht auch etwas gesehen haben." Von dem Schritt, den geschilderten Vorfall bei Facebook publik zu machen, sei er "immer noch überzeugt". "Ich bin ein sozial eingestellter Mensch, ich wollte, dass die Straftat verfolgt wird."

Keine Geschädigten


"Ich halte die Aussage der beiden Jugendlichen für glaubwürdig. Ich denke, dass sie nicht zu uns auf die Wache gekommen wären, wenn nichts passiert wäre", äußert sich Michael Kernebeck, Hauptkommissar bei der Polizeiinspektion Sulzbach-Rosenberg. Eine förmliche Vernehmung der Zeugen habe es noch nicht gegeben. "Die Situation ist schwierig. Wir haben keine Geschädigten, keine weiteren Zeugen. Wir können uns noch kein genaues Bild von dem mutmaßlichen Vorfall machen."

Wenn sich die nächsten Tagen keine weiteren Zeugen melden sollten, würden die Jugendlichen formell vernommen. "Der Sachverhalt wird dann der Staatsanwaltschaft Amberg vorgelegt. Wir wollen den mutmaßlichen Vorfall vollständig aufklären", unterstreicht Kernebeck.
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