Nach 14 Jahren Forschungsarbeit von Prof. Andreas Hornung
„Bio-Reaktor“ bei Fraunhofer Umsicht endlich marktreif

Professor Andreas Hornung leitet das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (Umsicht) in Sulzbach-Rosenberg. Der angesehene Wissenschaftler lehrt an der Hochschule Erlangen-Nürnberg Hochtemperatur-Prozesstechnik, Bioenergie an der Uni Birmingham und bekleidet eine "außerordentliche Professur" an der Universität Bologna.
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Sulzbach-Rosenberg
24.10.2016
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Hinter dem "Bio-Reaktor" TCR - hier der marktreife Prototyp - steht mehr als ein Jahrzehnt Forschungsarbeit. Bilder: Fuchs/Umsicht (2)

Seit 1992 forscht Professor Andreas Hornung an dem Projekt. Jetzt ist der "Bio-Reaktor" marktreif: "Ein Kind der Energiewende." Der Chef von Fraunhofer Umsicht in Sulzbach-Rosenberg hofft auf finanzielle "Rückflüsse". 45 Millionen Euro Forschungs- und Entwicklungskosten stecken im "Schlüssel" für dezentrale Energieversorgung.

Erst die dritte Generation des "Bio-Reaktors" TCR erweist sich nun als marktfähig. Dazu brauchte es einen langen Atem, Rückschläge blieben nicht aus. Sechs Projekte in Kanada, Deutschland und in Großbritannien sind bereits im Gange, allein aus Italien liegen 20 weitere Anfragen vor.

Nach Berechnungen von Hornung lassen sich in Deutschland mit der TCR-Methode etwa 4 Gigawatt Strom erzeugen. "Wir schlagen mehrere Fliegen mit einer Klappe. Denn wir sparen uns die Entsorgung des oft problematischen Klärschlamms, puffern überschüssige Energie - und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur dezentralen Energieversorgung."

"Nein, die geplanten Stromtrassen werden dadurch nicht überflüssig", stellt Professor Hornung klar. Doch für Gemeinden und kleine Städte oder komplette Industrie- und Gewerbegebiete biete der "Bio-Reaktor" ("Bio-Batterie") eine wirtschaftliche Option für dezentrale Energieversorgung. Der Wissenschaftler beziffert die Amortisationszeit, in der sich die dann 15 Millionen Euro teuren Anlagen rechnen, auf lediglich fünf Jahre.

Reststoffe werden zu Energie


Das Konzept klingt so simpel wie genial: Mit dem vor allem in den Sommermonaten anfallenden Überschuss-Strom aus Windkraft und Photovoltaik werden minderwertige "Biogene Reststoffe" wie Grünschnitt oder Klärschlamm durch den "Bio-Reaktor" in Kohle oder Kraftstoffe umgewandelt. Diese quasi "gepufferte" Energie kann dann in den Wintermonaten wieder Strom und Wärme erzeugen. "Irgendwann, in absehbarer Zeit, fallen Windkraft und Photovoltaik aus der Förderung. Unser Verfahren ist auch ohne Subventionen wirtschaftlich", betont Hornung.

Die TCR-Anlagen, auch "Bio-Batterien" genannt, schaffen derzeit einen Durchsatz von bis zu 300 Kilogramm Biomasse je Stunde. In "spätestens zwei Jahren" will Hornung bei 3 Tonnen in der Stunde sein: Das wären dann 24 000 Tonnen Trockenmasse im Jahr für rund 2 Megawatt Strom. "Die Vergrößerung der Anlagen ist technisch machbar. Unser Verfahren funktioniert", versichert Hornung.

Ohne die Millionen Euro öffentliche Förderung sei das Projekt nicht zu schaffen gewesen. "Es war viel Überzeugungsarbeit notwendig, nicht vorzeitig aufzugeben." Es erfolgte die Ausgründung der Firma Susteen; über sie soll es zum "Return of Investment", dem Rückfluss der Investitionen kommen. Wie berichtet, hat sich in Sulzbach-Rosenberg - in Zusammenarbeit mit Fraunhofer in Straubing - Bayerns "Centrum für Energiespeicherung" etabliert.

In den vergangenen drei Jahren meldeten die Wissenschaftler aus Sulzbach-Rosenberg zwölf (internationale) Patente für Energiespeicherung und -konversion an. Seit dem Sommer gehören sie als "vollwertiges Mitglied" der Fraunhofer-Gesellschaft an. "Bisher arbeiteten wir in einer Bewährungsphase", sagt Hornung schmunzelnd. Die Voll-Mitgliedschaft wirkt sich auf die Förderung mit etwa einer Million Euro im Jahr aus. Den größten Teil des Haushalts muss Umsicht jedoch selber stemmen: mit Ausgründungen und Kooperationen mit der Industrie.

Fraunhofer-Renommee


Das ehemalige ATZ zählt heute 65 feste Mitarbeiter (davon 75 Prozent Wissenschaftler) aus Nationen wie Kanada, Brasilien, Spanien, Indien oder Pakistan. Die Bezahlung erfolgt - relativ bescheiden - nach dem Tarif im Öffentlichen Dienst. "Dafür bieten wir Freiheit in der Forschung mit allen kreativen Entfaltungsmöglichkeiten. Unsere Wissenschaftler haben die Möglichkeit, mit ihrer Arbeit einen gesellschaftlichen Fußabdruck zu hinterlassen", meint Hornung. Das Renommee wirkt jedenfalls anziehend. Probleme, wissenschaftlichen Nachwuchs zu gewinnen, gibt es nicht. Hornung: "Unsere Abgänger finden extrem gute Perspektiven."
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