Neue Schmelzanlage am Annabergweg
Wenn Blei zu Gold wird

Sie blicken optimistisch in die Zukunft: Betriebsrats-Chef Georg Kraus, Senior-Manager Eckart Schäff und Betriebsleiter Georg Luber setzen auf die neue Anlage, die sich im Genehmigungsverfahren befindet.
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
02.09.2016
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Aus diesen Bleibarren schmilzt die Anlage zylindrische Stücke mit acht Zentimetern Durchmesser zur kalten Weiterverarbeitung.

hat seinen Anteil am Olympia-Gold: Schützin Barbara Engleder siegte in Rio mit Randfeuerpatronen und Luftgewehrkugeln aus der Produktion von RUAG Ammotec. Sie kommen auch aus dem Werk am Annabergweg. Hier wird zur Zeit viel Geld investiert. Es gibt aber auch Diskussionen um eine geplante Bleischmelze.

Was geschieht hinter den Werkstoren? Und um was geht es genau? Eckart Schäff ist Leiter des Facility Managements der RUAG Ammotec am Hauptsitz in Fürth. Er kam nach Sulzbach-Rosenberg, um mit unserer Zeitung über anstehende Veränderungen zu sprechen: Erweiterung der Produktionskapazitäten, verbesserte Logistik und mehr als zwanzig neue Arbeitsplätze. "Mit Investitionen in Millionenhöhe baut RUAG Ammotec den Standort in Sulzbach-Rosenberg aus", erklärte er beim Pressegespräch.

Ob Sportschützen im olympischen Einsatz oder erfolgreiche Biathleten bei Wettkämpfen im Winter: Wenn es um Qualität geht, sind Luftgewehrkugeln und Randfeuerpatronen von RUAG Ammotec. Diese sind weltweit gefragt, das ist seit Jahrzehnten bekannt. "Ein Teil dieses unternehmerischen Erfolgs gebührt dabei auch dem Standort Sulzbach-Rosenberg, an dem das Unternehmen bereits seit Beginn der sechziger Jahre produziert", erinnerte Schäff.

Dies spiegele auch die aktuelle Entwicklung am Standort wider. So sei im Zuge von Ausbau-und Modernisierungsmaßnahmen in den vergangenen beiden Jahren die Zahl der Arbeitsplätze von 28 auf über 50 gestiegen. Einige der neuen Facharbeitskräfte seien aus dem Rohrwerk Maxhütte übernommen worden.

Schon einmal geplant


Dass ein Ausbau des Standorts angesichts der historischen Gesamtentwicklung nicht selbstverständlich ist, machte Schäff mit einem Blick zurück deutlich: So sei bereits 1999 eine Bleischmelze am Standort geplant worden.

Damals hatte jedoch die Geschäftsführung von einer solchen Erweiterung abgesehen - galt es doch als noch nicht sicher, ob das Werk überhaupt erhalten werden könnte.

Entsprechend erfreut war der Leiter Facility Management über die aktuelle Entwicklung: "Unsere Mitarbeiter leisten hier seit Jahren ausgezeichnete Arbeit." Das Engagement, das sie hier einbrächten, die hohe Qualität, das alles zahle sich jetzt aus. "Das und die positive gesamtwirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens ermöglichten es, Investitionen in Millionenhöhe zu tätigen und damit den Standort im Hinblick auf größeren Produktionsumfang, mehr Leistungsstärke, Manpower und Umweltschutz auszubauen." Umweltschutz und Nachhaltigkeit im Umgang mit natürlicher Ressourcenschonung seien Hauptanliegen, unterstrich Schäff. So sei man bei den Emissionen der Schmelze in Fürth weit unterhalb der gesetzlich festgelegten Maximalwerte geblieben - "und dieses wird auch für den Standort Sulzbach-Rosenberg gelten!"

Optimistischer Ausblick


Auch beim Thema Nachhaltigkeit setze RUAG starke Akzente. So würden unter anderem eine Wärmerückgewinnung bei der Abluft installiert, das gesamte Werk mit LED-Leuchtmitteln ausgestattet und die Isolation sämtlicher Fenster optimiert.

Entsprechend optimistisch fiel der Ausblick von Eckart Schäff für die Zukunft aus: "Wir sind hier bereits seit über fünfzig Jahren vor Ort. Wir fühlen uns eng mit der Region verbunden und tun alles, um auch die nächsten fünfzig Jahre hier arbeiten zu können - im Einklang mit der Bevölkerung." Das Genehmigungsverfahren der neuen Anlage beim Landratsamt sieht übrigens auch einen öffentlichen Erörterungstermin vor, der vermutlich im Oktober stattfinden wird.

Was passiert in der Anlage?Angelieferte Bleibarren werden in einer geschlossenen Anlage erhitzt, bei etwa 400 Grad schmelzen sie. Die Flüssigkeit wird in eine 80 Millimeter dicke zylindrische Form gegossen - "und das war's auch schon mit der Schmelze", erklärt Eckart Schäff. Ab jetzt geht es im Kaltbetrieb weiter, es entsteht durch Verpressen ein gut fünf Millimeter dicker Bleidraht, den eine Maschine auf Spulen wickelt.

Diese kommen dann an die einzelnen Fertigungsmaschinen, wo Luftgewehrkugeln oder Kleinkalibergeschoße entstehen. Die Luft im Erhitzungsraum wird abgesaugt, durch einen Filter gereinigt, durch Wärmetauscher abgekühlt und dann ins Freie geleitet, schilderte Schäff. Eine gleich große Anlage in Stadeln bei Fürth liege immer um ein Vielfaches unter dem vorgeschriebenen Grenzwert und laufe seit Jahrzehnten.

Wie Gesamtbetriebsrats-Vorsitzender Georg Kraus versicherte, hätten ständig laufende Untersuchungen der Mitarbeiter noch nie eine signifikante Bleibelastung ergeben. "Das meiste Blei nimmt man auf, wenn man sich nach der Arbeit nicht die Hände wäscht!"

Die Produktion am Standort Sulzbach-Rosenberg könne in der Praxis acht Tonnen täglich nicht überschreiten, geschmolzen werde ohnehin nur in zwei Schichten, nicht in drei, steuerte Gruppenleiter Georg Luber bei. Der Lastwagenverkehr könne übrigens schrumpfen, wenn die Anlage in Betrieb sei und nicht mehr Rollen aus Fürth angeliefert würden. Die Abnahme der Anlage wird durch einen Sachverständigen erfolgen. (ge)


Dieses wird natürlich auch für den Standort Sulzbach-Rosenberg gelten!Eckart Schäff über die Grenzwert-Unterschreitung in Fürth-Stadeln


Unsere Mitarbeiter leisten hier seit Jahren ausgezeichnete Arbeit.Eckart Schäff


Investitionen"Zentrum der Investitionen ist die Einrichtung einer neuen Bleischmelze in einer zentralen Halle, mit der das Ruag-Werk weitere Kapazitäten für die Produktion von Luftgewehrkugeln und Randfeuergeschossen aufbauen kann", beschrieb Eckart Schäff die Firmenstrategie. Hinzu kämen der Umbau der Logistiklager am Standort und - in den vergangenen Jahren bereits angelaufen - die Erneuerung des gesamten vor Ort eingesetzten Spezial-Maschinenparks in den Produktionshallen. (ge)
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