Neue Tafeln im Wald helfen
Grüner Punkt als Lebensretter

Die grün-weißen Tafeln stehen im Wald, an Straßen, Kreuzungen oder Einmündungen. Ihre Nummer sagt der Rettungsleitstelle, wo sich der Punkt befindet. Bilder: Gebhardt (2)
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Sulzbach-Rosenberg
30.01.2016
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Forstoberrat Klaus Bichlmaier vom Forstbetrieb Schnaittenbach zeigt einen der Punkte - er steht an der Einfahrt zur BePo-Niederlassung.
 
Eine Fülle von Rettungstreffpunkten findet sich in den Wäldern auch zwischen Poppenricht und Etzelwang, egal ob Staats- oder Privatbesitz. Quelle: Bayerische Staatsforsten Grafik: NT/AZ

Wie schnell ist es passiert: Unfall im Wald, meist bei Forstarbeiten. Aber auch Wanderer können in gesundheitliche Schwierigkeiten geraten. Jetzt muss der Notarzt her. Nur: Wo genau soll er hin? Ein Smartphone kann hier Leben retten. Es zeigt den nächsten Rettungstreffpunkt, der der Leitstelle genannt wird - und das beschleunigt die Anfahrt enorm.

Er weiß es aus langjähriger Praxis ganz genau: Forstoberrat Klaus Bichlmaier vom Forstbetrieb Schnaittenbach erklärt der SRZ neben der grün-weißen Tafel: "Im Wald ist es nicht immer nur idyllisch. Bei den Arbeiten im Forst kommt es immer wieder zu schweren Unfällen." Jüngstes Beispiel ist der tödliche Unfall vor zwei Wochen bei Dürnsricht (Gemeinde Hahnbach). Schnellste notärztliche Versorgung ist in solchen Fällen angesagt, auch, wenn zum Beispiel ein Wanderer zusammenbricht.

Oft sehr abgelegen


Da sich die Opfer mitunter in abgelegenen Gebieten befinden, ist der Ort des Geschehens für einen Alarmierer gegenüber der Rettungsleitstelle oft schwer zu beschreiben, Rettungskräfte finden den Unfallort häufig nicht selbst. Deswegen sind eindeutige Treffpunkte für Kontaktperson und Rettungsdienst sehr wichtig. Festlegung und Bekanntgabe der Rettungstreffpunkte sind wesentlicher Bestandteil der sogenannten "Rettungskette Forst".

Die Forstverwaltung, so schildert Klaus Bichlmaier, hat seit Juni 2013 bayernweit Rettungstreffpunkte für private und körperschaftliche Waldbesitzer erfasst. Sie ergänzt dadurch die bereits früher festgelegten Stellen für den Staatswald. Und so funktioniert die Rettungskette Forst: Nach Absicherung der Unfallstelle und Erster Hilfe für den Betroffenen erfolgt der Notruf über die 112. Idealerweise sollte dann schon die Bezeichnung des nächstgelegenen erreichbaren Rettungstreffpunktes durchgegeben werden. Dorthin begibt sich ein Helfer, um auf den Rettungsdienst zu warten und diesen auf dem schnellstmöglichen Weg zum Patienten zu lotsen.

Die Standorte der kleinen Tafeln kann man über eine App für das Smartphone ermitteln, im Internet einsehen auf der Seite der Bayerischen Staatsforsten oder sich - etwa bei einem oft benutzten Wanderweg - die vierstelligen Nummern merken oder aufschreiben.

Damals noch ans Festnetz


Im bayerischen Staatswald entstand ein System fester Rettungstreffpunkte schon in den 1990er Jahren. Damals spielte noch der schnellste Weg zu einem Festnetz-Telefon eine große Rolle. Teilweise wurde das Konzept auch im Großprivatwald und im Körperschaftswald angewendet, war aber für Außenstehende wie Jäger oder Wanderer nicht zugänglich, die Beschreibung der Rettungstreffpunkte noch unkoordiniert und ohne einheitliche Standards. Das führte zum Nebeneinander verschiedener Systemvarianten und unterschiedlichen Bezeichnungen, was die Arbeit der Rettungsleitstellen schwierig machte.

Neues System entstand


Als Vorreiter für eine gute Lösung entpuppte sich der Landkreis Miltenberg: Hier entstand ein flächendeckendes, Waldbesitz-übergreifendes System, die "Rettungskette Forst Odenwald-Spessart". In enger Zusammenarbeit von Forstverwaltung, Waldbesitzern und Rettungsdienst wuchs in dieser Region ein einheitliches Gebilde von Rettungstreffpunkten, das sich über Jahre bewährt hat.

In Kooperation mit dem Innenministerium baute die Forstverwaltung ab 2013 ein bayernweit einheitliches System von Rettungstreffpunkten für alle auf. Die Beschilderung kennzeichnet den Ort, enthält klare Handlungsanweisung, verleiht Sicherheit über den korrekten Sammelpunkt für Rettungsdienst und Lotsen. Waldbesitzer sollten die Notfall-Daten stets dabei haben.

Häufig gestellte Fragen zu den RettungspunktenDie Rettungskette Forst hat im Internet detaillierte Informationen bereitgestellt. Wir zitieren daraus einige interessante Themen:

Ist man verpflichtet, festgelegte Rettungstreffpunkte zu nutzen?

Nein. Die Rettungstreffpunkte der "Rettungskette Forst" sind lediglich ein Angebot, um Maßnahmen einfach und schnell zu organisieren.

Die Rettungstreffpunkte liegen fast immer außerhalb des Waldes an öffentlichen Straßen, manchmal sogar in Ortschaften. Warum?

Die Punkte sind mit wenigen Ausnahmen so angelegt, dass sie möglichst ganzjährig bei jeder Witterung mit Rettungsfahrzeugen (auch ohne Allrad) erreicht werden können.

Die Weiterfahrt in den Wald erfolgt unter Umständen nur in Begleitung eines ortskundigen Lotsen im zweiten Fahrzeug, um zu verhindern, dass das Rettungsfahrzeug stecken bleibt. Beim Notruf sollte stets darauf hingewiesen, wenn der Unfallort abseits befestigter Wege liegt.

Mit der Verbreitung von Mobiltelefonen ist der Aspekt der Nähe zu einem Festnetzanschluss heute zwar weggefallen, die Punkte wurden aber oft beibehalten und durch weitere, auch ortsferne ergänzt.

Was soll man tun, wenn man den Treffpunkt nicht erreichen kann?

Man sollte auf keinen Fall versuchen, dorthin zu kommen, wenn man selbst verletzt ist, oder einen Schwerstverletzten nicht alleine zurücklassen kann, etwa bei Herz-Lungen-Wiederbelebung. Dann nutzt man den Treffpunkt als Fixpunkt und gibt den Unfallort in Bezug zu ihm an: "500 Meter südlich von AS-1008". Oder man beschreibt den Weg zum Unfallort vom Treffpunkt aus.

Mit Smartphones oder GPS-Geräten kann man sehr einfach Koordinaten bestimmen. Ist das im Notfall nicht besser?

Es gibt eine Vielzahl von Koordinatensystemen. Wer so etwas an die Integrierte Leitstelle durchgibt, muss wissen, um welche Koordinaten es sich handelt. Nur so ist eine exakte Umrechnung in das Format der Leitstellen möglich. Eine Gefahr ist auch, dass es schnell zu Übermittlungsfehlern und Zahlendrehern kommen kann.

Ohne ortskundigen Lotsen ist auch der schnellste Weg zum Unfallort oft für den Rettungsdienst unklar, da Wege witterungsbedingt nicht befahrbar sein könnten oder nach Windwürfen oder Holzernte eventuell blockiert sind. (ge)


Hilfe per AppMit einer kostenlosen Smartphone-App können die Rettungstreffpunkte auch per Handy schnell abgerufen werden. Im Google-Play-Store steht die App "Hilfe im Wald" zum Download für Smartphones mit Android-Betriebssystem bereit, sie ist auch für Windows Phones verfügbar. Im ersten Quartal 2016 soll die App auch für Apples IOS zur Verfügung stehen. Am besten ist es, die App schon vor der Waldarbeit oder Wanderung zu nutzen, um sich über nahe gelegene Rettungstreffpunkte zu informieren. Ein Start erst im Notfall kann wertvolle Zeit kosten. Ohne GPS-Empfang werden keine Punkte angezeigt.(ge)

Weitere Informationen im Internet:

www.intend.de/produkte/hilfe-im-wald/ baysf.de/de/wald-erkunden/rettungstreffpunkte.html
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