Neuer Trend bei Bestattungsformen in der Herzogstadt
Pflegeleichtes Angedenken

Seit dem Jahr 2013 können am Waldfriedhof auch Urnenstelen mit unterschiedlichen Kapazitäten genutzt werden. Bilder: Royer (3)
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
26.01.2016
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Eine der neuen Bestattungsflächen (Baumgräber) im Waldfriedhof in der Nähe von Bäumen mit einem zentralen Pfahl, an dem Namensschilder angebracht oder Blumen und Gestecke abgelegt werden können.

Eigentlich redet man nicht so gerne darüber, doch ein Todesfall bedeutet immer eine Zäsur. Zunächst ist der unmittelbare Verlust eines lieben Menschen zu verkraften. Und unter diesem Eindruck müssen die Vorbereitungen für die Beisetzung getroffen werden. Bei den dafür vorgesehenen Formen haben sich in letzter Zeit neue Möglichkeiten ergeben. Ein richtiger Trend ist erkennbar.

"Solch enorme Einschnitte wie Geburt oder Tod bedeuten für die Angehörigen immer eine besondere Situation", weiß Standesbeamter Jürgen Grünthaler. Neben den amtlich vorgegebenen Abläufen, wie Meldungen oder Beurkundungen, gehöre bei Todesfällen auch der menschlich-rücksichtsvolle Umgang mit den Betroffenen zum Aufgabengebiet von Friedhofsverwaltung und Standesamt.

"Die Frage nach der Bestattungsform steht meistens ganz am Anfang. In der Herzogstadt hat es hier in den letzten Jahren Änderungen gegeben", so Grünthaler. Im Gespräch mit der SRZ macht er deutlich, dass sich bei uns seit einigen Jahren eine Aufteilung zwischen 70 Prozent Feuer- und 30 Prozent Erdbestattungen zeige. Von durchschnittlich rund 300 Sterbefällen im Jahr fänden circa 230 auf den städtischen Friedhöfen ihre letzte Ruhe.

Regionale Unterschiede


Dabei gebe es aber regionale Unterschiede, wie etwa in der Stadt Selb, wo schon seit ungefähr 100 Jahren ein Krematorium betrieben werde. Hier läge die Zahl der Feuerbestattungen bei 90 Prozent. "Maßgeblich für die Entscheidung der Bestattungsart ist für die meisten Angehörigen der Kostenfaktor. Hier spielen die unterschiedlichen Liegezeiten eine Rolle. Während für Erdbestattungen 20 bis 30 Jahre angesetzt sind, gelten bei Urnen zehn Jahre", informiert der Standesbeamte. Gründe für diesen Trend seien aber auch darin zu sehen, dass die Mobilität der Menschen enorm zugenommen habe. Angehörige seien oft nicht mehr so präsent am Ort, was die Grabpflege häufig unmöglich mache. "Die Leute wollen schon einen konkreten Ort der Trauer und des Andenkens, aber der sollte möglichst flexibel gestaltbar und pflegeleicht sein", merkt Jürgen Grünthaler an.

Freie Plätze füllen


Vor gut 20 Jahren seien in der Stadt die ersten Urnenbestattungen umgesetzt worden. Mittlerweile gebe es am Waldfriedhof und in den alten Friedhöfen auch Erd-Urnengräber. Dabei würden auf Flächen, auf denen bisher zum Beispiel ein Doppelgrab war, vier kleine Urnengräber angelegt. "Früher herrschte ein Mangel an Gräbern auf den alten Friedhöfen, jetzt füllen wir freie Plätze mit kleinen Urnengräbern."

Der Fachmann erinnert auch an die Urnenbeisetzung in Sammelgrüften. Diese Möglichkeit gebe es nur auf den alten Friedhöfen, sie werden von der Stadtgärtnerei angepflanzt und gepflegt. "In den letzten Jahren haben sich unsere Stadtväter auch für Urnenstelen stark gemacht. Sie können seit Mai 2013 genutzt werden." Sehr gut angenommen würden seit 2015 ebenfalls im Waldfriedhof die neugeschaffenen Baumgräber. "Hier steigt die Nachfrage, ein Trend ist erkennbar", resümiert Grünthaler. Standesamt und Friedhofswerwaltung sind unter 09661/510-124 und -159 zu erreichen.


Immer mehr Alternativen: Kommentar von Andreas Royer

Bekannte Traditionen und Strukturen unterliegen einem ständigen Wandel. Nicht anders verhält es sich mit Bestattungsformen. Viele Menschen suchen mittlerweile nach Möglichkeiten, die ihre Persönlichkeit, ihren Charakter oder ihre Lebensumstände quasi in die Zukunft retten.

Religiös geprägt kennt man noch die Beerdigung mit Aufbahrung, Aussegnung und Abschied am Grab. Die Erdbestattung des Körpers war dabei fester Bestandteil. In der jüngeren Vergangenheit ist hier jedoch ein Wandel eingetreten. Besagte klassische Form rückt zunehmend in den Hintergrund, der Anteil der Feuerbestattungen in der Herzogstadt von rund 70 Prozent dient hier als Beleg.

Alleine in Sulzbach-Rosenberg gibt es fünf Varianten der Urnenbeisetzung. Jüngste Möglichkeit sind Baumgräber im Waldfriedhof, die immer mehr gewählt werden. Auch ein eigener Urnenwald sorgte im Hauptausschuss im vergangenen November bereits für Gesprächsstoff. Die Zukunft wird hier weitere Beerdigungsarten bringen, genauso wie sich die Bestattungskultur in Hunderten von Jahren immer mehr verändert hat.

Ein Familiengrab mit Einfassung und Stein ist vielen Betroffenen einfach zu teuer. Dazu käme noch die aufwendige Grabpflege - für Senioren oft auch körperlich nicht machbar. Urnenstelen, -gräber und Friedwälder bieten hier die pflegeleichteren Alternativen. Manch einer will überhaupt kein großes Aufsehen nach dem Hinscheiden und wählt völlige Anonymität.

andreas.royer@zeitung.org

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