Neuregelung des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes: Mediziner sezten sich gegen Kassenärztliche ...
Medizin-Versorgung in Eigenregie

Das wäre eine Zumutung für Ärzte und Patienten gewesen, eine völlig realitätsfremde Planung.

Oft 32 Stunden am Stück Bereitschaft, gut zehnmal pro Jahr ein Block mit sieben Tagen, in denen der diensthabende Arzt für ein großes Gebiet zuständig ist. Die niedergelassenen Mediziner im westlichen Landkreis haben jetzt ihr Revier selber aufgeteilt und sich damit gegen die Kassenärztliche Vereinigung durchgesetzt. Die wollte ursprünglich ein einziges großes Konstrukt.

"Der Dienstplan steht!": Dr. Karl Schellenberger ist Sprecher der Ärzte in den beiden neuen Gebieten AS 01 und AS 02. Stolz präsentiert er das Ergebnis der langen, aber fruchtbaren Sitzungen zur Neuregelung des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes.

Große Bandbreite

Unter der Nummer 116 117 decken die Mediziner täglich Patienten ab, die außerhalb der Praxiszeiten Beschwerden haben. Zum Versorgungsauftrag gehört alles, was nicht unbedingt stationär im Krankenhaus behandelt werden muss, vom Hexenschuss bis zur Nierenkolik, vom zerschnittenen Finger bis zur schweren Grippe nachts und am Wochenende. Besonders Seniorenheime nehmen den Dienst oft in Anspruch.

Jeweils 16 Ärzte betreuen die beiden neuen Bereitschaftsgebiete (siehe Info-Kasten). Sie haben die bisherigen Dienstzeiten zwar übernommen, jedoch das viel zu groß veranlagte Gebiet neu aufgeteilt. Nach wie vor beginnt der Bereitschaftsdienst am Montag, Dienstag und Donnerstag um 18 Uhr, Mittwoch und Freitag um 13 Uhr, an den Wochenenden rund um die Uhr. Etwa zehn Dienstwochenenden mit den zugehörenden zwei Wochentagen absolviert jeder Teilnehmer dabei im Jahr.

Alle machen mit

Mit dabei sind übrigens alle niedergelassenen Ärzte, die Praktischen, Neurologen, Chirurgen, Hautärzte, Orthopäden, Internisten etc. in den Gebieten AS 01 und AS 02. Sie alle finden sich gleichwertig berücksichtigt im Dienstplan.

Die 116 117-Anrufe laufen in Bayreuth auf, von dort bekommt der Mediziner seine Aufträge. Dann fährt er zum Patienten in seinem Bereitschaftsgebiet, oder der Kranke schaut nach Vereinbarung selbst in der Praxis vorbei. "Da passiert es schon, dass man nur jeweils ein bis zwei Stunden Schlaf zwischen den Einsätzen bekommt", meint Schellenberger, der selbst auch mit drinsteckt im Bereitschaftsplan. Der Dienst kratzt dann auch an der 20-Stunden-Dauerbelastungsmarke - eine echte Herausforderung. Warum aber der Ärger über die Kassenärztliche Vereinigung, die "KV"? Hier entstand wohl am Schreibtisch das Modell eines einzigen großen Bereitschaftsraumes für Amberg-Sulzbach.

Anderer Plan

Zusätzlich existierte der Plan einer zentralen Bereitschaftspraxis im Marien-Krankenhaus. "Das wäre eine Zumutung für Ärzte und Patienten gewesen, eine völlig realitätsfremde Planung!", ordnet der Schellenberger die KV-Pläne ein. Auch habe die KV verbreitet, das alles sei mit drei Wochen pro Arzt und Jahr zu machen - das stimme schon wegen der unberücksichtigten Feiertage nicht. Ursprünglicher Plan der KV Bayern war eine Pool-Lösung (Neuer Tag, 21. April) "mit 42 Bereitschaftsdienstbereichen und 110 Praxen im gesamten Freistaat", jede Praxis mit einem Einzugsgebiet von rund 150 000 Einwohnern. Das entspreche etwa dem Landkreis samt Amberg. "Fern jeder Realität", da sind sich die Ärzte einig.

Bei einem so großen Gebiet sei die Betreuung überhaupt nicht machbar für einen einzelnen Diensthabenden, erklärt Schellenberger. Deswegen hätten die Ärzte nun selbst gehandelt. "Lieber öfter Dienst, dafür aber in einem kleineren Gebiet." Das sei auch wesentlich besser für die Patienten, deren Wohl man stets im Auge habe.

Sinnvoll aufgeteilt

Das ursprünglich von einem Arzt zu versorgende Areal erstreckte sich über alle Gemeinden im Altlandkreis Sulzbach-Rosenberg, von Freihung bis an den Rand von Poppenricht und weiter nach Schwend zur Landkreisgrenze. Die Ärzte haben dieses riesige Gebiet nun sinnvoll in die Bereiche AS 01 und AS 02 unterteilt. Hierfür sind jetzt auch jeweils zwei Ärzte zuständig. "Das ist noch überschaubar, wenn jemand zum Beispiel aus Hirschbach nach Edelsfeld fahren muss", erklärt der Mediziner.

Fazit: Die Ärzte haben sich erfolgreich selbst organisiert und eine praxisnähere Lösung gefunden. "Bezeichnend ist nur", meint Schellenberger am Ende des Gespräches, "dass sich die KV inzwischen selbst mit diesem Modell schmückt. Es muss also was dran sein!"
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