Niedrige Mineralölpreise
"Kaum noch Luft nach unten"

Die Heizöl-Preise sind so tief im Keller wie schon seit Jahren nicht mehr. Lieferanten raten, schnell zu kaufen, bevor die Kosten wieder steigen. Archivbilder: Hartl (2)
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Sulzbach-Rosenberg
18.02.2016
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Die Öltanks vieler Verbraucher sind derzeit schon gefüllt.

Haushalte, die mit Mineralöl heizen, können sich freuen. Die milde Witterung und der Ölpreis auf einem "historischen Tiefpunkt" bescheren den Verbrauchern einen günstigen Winter. Lieferanten aus der Region erklären, warum es dabei nicht nur Gewinner gibt.

"Der Mineralölpreis ist mit durchschnittlich 37 Cent pro Liter so günstig wie schon seit 15 Jahren nicht mehr", erklärt Bianca Ambros von der Firma Heldrich in Sulzbach-Rosenberg. Gründe für die niedrige Notierung seien zum einen ein Überangebot und die Stärke des Euro im Vergleich zum Dollar. "Ich rate den Menschen, Heizöl jetzt zu kaufen, warten lohnt sich nicht. Im Vergleich zum Vorjahr sparen sich die Kunden wahnsinnig viel Geld." Selbst, wenn der Preis noch etwas sinken sollte, sei es kein großer Verlust, jetzt zu ordern, betont Ambros.

Guter Maßstab


Sie selbst habe Heizöl für 37,99 Cent pro Liter gekauft und sich darüber "riesig gefreut". Eine Prognose, wohin die Tendenz 2016 möglicherweise gehe, wollte sie nicht wagen. "Das ist von so vielen Faktoren abhängig. In der Weltpolitik kriselt es an allen Ecken und Enden - auch die Börse ist nicht stabil." Außerdem hätten einige der größten Förderländer, darunter Saudi-Arabien, Russland und Venezuela, geplant, weniger Rohöl zu fördern. "Dann steigen die Preise natürlich wieder."

"Für Verbraucher ist der Mineralölpreis vom Vorjahr stets ein guter Maßstab um festzustellen, in welchem Bereich sich der aktuelle Wert befindet", erklärt Thomas Reiner, Geschäftsführer der Firma Hirschmann Mineralöle (Kümmersbruck). Im Moment befinde sich der Preis auf einem "historischen Tiefpunkt". Gründe dafür seinen zum einen ein Überangebot, aber auch "nicht angepasste Förderquoten der ölexportierenden Länder", betont der Geschäftsführer. Auch das Fracking von US-Großkonzernen - eine Methode zur Erzeugung von Rissen im Gestein einer Lagerstätte im Untergrund, wodurch darin befindliche Gase oder Erdöle leichter gewonnen werden können - hätten den Markt beeinflusst. "Dadurch entwickelte sich die USA von einem Haupt-Importland zu einem bedeutenden Export-Anbieter", erläutert Thomas Reiner. "Die Produktionskosten beim Fracking sind bedeutend niedriger als bei der herkömmlichen Förderung - beispielsweise in Saudi-Arabien. Dadurch werden die Preise niedriger - manche Anbieter können nicht mithalten. Viele Firmen gehen deshalb insolvent."

Nicht betroffen


Deutsche Lieferanten seien davon aber nicht betroffen. "Wir kaufen das Öl für einen bestimmten Betrag ein und für einen entsprechenden Preis weiter. Wir merken von den Auswirkungen nichts", so der Hirschmann-Sprecher. Allerdings seien Nachfrage und Bestellungen zuletzt stark gestiegen. Immer wieder würden sich Kunden bei seiner Firma über den bestmöglichen Kaufzeitpunkt informieren. "Unsere Abnehmer haben zwei Möglichkeiten: Entweder sie füllen jetzt ihren kompletten Speicher, oder sie bestellen einen Teil und beobachten den Marktverlauf. Viele ordern erst im Herbst die zweite Hälfte."

Spielraum von sechs Cent


Reiner ist sich jedoch sicher, dass "nicht mehr viel Luft nach unten" bleibe. "Ich schätze, dass sich das Preisniveau für 2016 - unter Berücksichtigung internationaler Verhältnisse - auf dem aktuellen Stand einpendeln wird mit einem Spielraum von sechs Cent. Sicher kann ich das natürlich nicht sagen."

Auch Horst Luber, Verkaufsberater des Raiffeisen-Lagerhauses in Edelsfeld, rät Kunden Heizöl zu kaufen, solange es noch so günstig ist. "Kein Mensch hat damit gerechnet, dass der Rohstoff so billig werden wird." Luber weiß, dass dieses Niveau nicht von Dauer sein wird. "Es kann morgen schon anders aussehen. Rohstoffpreise haben oft keine lange Beständigkeit."

Das Landratsamt ist Träger etlicher öffentlicher Einrichtungen, doch nur wenige werden in Sulzbach-Rosenberg mit Mineralöl beheizt, wie Pressesprecherin Christine Hollederer darlegt. "Die Höllerer-Realschule wird mit Gas erwärmt, die Berufschule und das Sonderpädagogische Förderzentrum mit Fernwärme und das Herzog-Christian-August-Gymnasium wird mit einer Mischung aus Fernwärme und Gas beheizt."

Lediglich für das Landkreis-Cultur-Centrum werde Heizöl verwendet. "In diesem Jahr haben wir noch nicht bestellt - das machen wir erst, wenn Bedarf da ist. Bei unserer Bestellung 2015 haben wir uns aber bereits 4000 Euro im Vergleich zum Vorjahr gespart - da waren die Preise auch schon verhältnismäßig günstig", verdeutlicht Hollederer.

Entwicklung MineralölpreisDer Mineralölpreis von aktuell durchschnittlich 37 Cent pro Liter (ohne Mehrwertsteuer) ist der niedrigste Wert seit etwa 15 Jahren. "Er ist auch deutlich günstiger als im Vorjahr", erklärt Horst Luber, Verkaufsberater des Raiffeisen-Lagerhauses in Edelsfeld.

Anfang 2015 habe der Wert bei etwa 50 Cent pro Liter gelegen. "Dabei kommt es immer darauf an, welche Menge ein Kunde bestellt. Kauft er 10 000 Liter, zahlt er pro Liter weniger als für beispielsweise 1000 Liter." Seit Mitte vergangenen Jahres sei der Preis rückläufig. "Da lagen wir aber auch noch deutlich über 40 Cent ohne Mehrwertsteuer", erklärt der Verkaufsberater.

Eine Prognose über die weitere Entwicklung könne er nicht stellen. "Das Markt ist schnelllebig und unvorhersehbar. Schon morgen kann der Preis wieder erheblich gestiegen sein - oder natürlich auch weiter fallen." (juh)
Ich rate den Kunden, Mineralöl sofort zu kaufen - dadurch können sie sich wahnsinnig viel Geld sparen. Ich selbst habe Heizöl für 37,99 Cent pro Liter gekauft, und mich darüber riesig gefreut.Bianca Ambros, Firma Heldrich
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