Obstverwertung schließt für heuer
Vom Baum direkt in die Flasche

An manchen Tagen spuckte das Förderband ununterbrochen Äpfel in den Bunker - oft aber blieb es arbeitslos. Bilder: Gebhardt (3)
 
"Manchmal kam einer mit nur 17 oder 18 Kilo, dann wieder rollten sechs Zentner auf einmal an." Zitat: Obstverwerterin Anni Rösel

Am Donnerstag ist definitiv Schluss für die Äpfel: Anni Rösel und ihr Team stehen dann zum letzten Mal um 4.30 Uhr in der Halle und bedienen die moderne Bandpresse. "Es gab schon schwächere Jahre, aber berühmt war das heuer nicht", meint die Inhaberin der einzigen Großpresse im Sulzbacher Raum zur aktuellen Obsternte.

Nur noch heute und am Donnerstag wird Obst angenommen, danach ist Schluss für heuer. Morgens um 4.30 Uhr ging es los, zwei Mal die Woche, dann standen Anni Rösel und ihr Team bereits in der Halle und bedienten die Bandpresse. Der Trester (Pressrückstände) fällt hier über ein Förderband gleich in den Hof hinaus. Rund 5000 Liter Saft ergibt so eine Frühschicht, und neben dem naturreinen Apfelprodukt hat die Obstverwertung (übrigens die einzige Großpresse im Sulzbacher Raum) auch noch zehn andere Geschmackssorten und Mischungen vorrätig.

Anlage läuft prima


Abgefüllt und etikettiert werden die Säfte in der eigenen Anlage, die perfekt läuft und den Ansturm gut bewältigt. Von 8.30 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr kann noch bis Donnerstag angeliefert werden.

Wöchentlich einige Hundert Zentner rollten an im Hof der Obstverwertung. Obwohl es laut Anni Rösel kein gutes Jahr war, kamen doch 150 Tonnen zusammen. Vor allem Stammkunden sind es, die zahllose Säcke mit prachtvollen Äpfeln auf die Waage und danach aufs Förderband wuchten. Sie kommen aus Sulzbach-Rosenberg, dem Landkreis, der Stadt Amberg, aber auch aus dem Nürnberger Land, dem Vilstal Richtung Schwandorf und aus dem Westen.

Gutschrift fürs Kontingent


In der Hofgartenstraße wird genau Buch geführt über jedes Kilo Obst, das im Bunker landet. Der Kunde kann einen Teil seines Saftguthabens gleich mitnehmen, der Rest wird in einem Büchlein gutgeschrieben. Auch Birnen gibt es heuer wieder in normalen Mengen. Ihr Saft veredelt den köstlichen Apfeltrunk zusätzlich.

Seit Ende August läuft die Maschinerie, ein paar Tage wird es noch dauern, bis alle Vorräte und Anlieferungen abgearbeitet sind. Pressen, abfüllen - so geht es immer noch im Tagesrhythmus weiter. In großen Stahltanks wartet der Saft auf Abholer. Neben dem Haus türmen sich die Berge aus Apfeltrester, begehrt als Wildfutter bei Jägern.

Seit 1990 betreibt Anni Rösel das Geschäft, das ihr Vater 1974 vom Obst- und Gartenbauverein übernommen hatte. Mit der Ernte 2016 ist Anni Rösel aber nicht sehr zufrieden. "Manchmal kam einer mit nur 17 oder 18 Kilo, dann wieder rollten sechs Zentner auf einmal an", schaut sie zurück - aber auch Kleinmengen sind ihr willkommen. Rund 27 Liter Saft quetscht die Presse aus einem Zentner Obst. Der Kunde zahlt die Pressgebühr und bekommt dann den Saft (trüb oder gefiltert) gleich mit. Für das nächste Dreivierteljahr jedenfalls, da ist Anni Rösel sicher, wird der Saft reichen. Ihre Kundschaft hört das mit Freude. "Und die Obstanlieferer sollen bitte ihr Saftguthaben abholen!", appelliert sie noch zum Schluss. Dann schließt sie ihre Buchhaltung für heuer.

Manchmal kam einer mit nur 17 oder 18 Kilo, dann wieder rollten sechs Zentner auf einmal an.Obstverwerterin Anni Rösel
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