Ortsbäuerinnen des Kreises tagen
Sozialversicherung springt ein

 
Im Saal sammelten die Landfrauen für den bäuerlichen Hilfsdienst des BBV und gaben das Geld gleich weiter: von links die stellvertretende Kreisbäuerin Christine Niebler, Referent Fritz Allinger, BBV-Geschäftsführer Thomas Bayerl und Kreisbäuerin Brigitte Trummer.

Ein Pflegefall stellt nicht nur für den erkrankten Menschen ein großes Problem dar, oft ist die Belastung für den Pflegenden sogar noch größer. Das wurde bei der jährlichen Tagung der Ortsbäuerinnen in Forsthof wieder deutlich.

Die Landwirtschaftliche Sozialversicherung ist nicht nur eine Unfall- und Krankenversicherung, sondern auch bei Pflegefällen zuständig: Das rief Fritz Allinger, Arbeitsbereichsleiter Prävention bei der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau für Niederbayern/Oberpfalz und Schwaben, ins Gedächtnis.

Stürze verhindern


Mit Kursen und Beratung wolle man vorbeugen und im Ernstfall helfen. Bei der Ortsbäuerinnentagung im Gasthof Am Forsthof stellte sich auch der neue Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Amberg, Forstdirektor Wolfhard-Rüdiger Wicht, vor. "Wir wollen erreichen, dass insbesondere ältere Menschen nicht so oft hinfallen, deren Alltagskompetenz erhalten und verbessern", erläuterte Fritz Allinger. Aus diesem Grund biete die Landwirtschaftliche Sozialversicherung zusammen mit dem Deutschen Landfrauenverband und dem Deutschen Turner-Bund das Programm "Trittsicher durchs Leben" an. "Ältere Menschen sollen wieder Multitasking-fähig werden."

Es gehe darum, Stürze zu vermeiden oder zumindest die Folgen daraus zu mildern. Dies sei für Senioren umso wichtiger, als die Verletzungen bei ihnen in der Regel drastischer ausfielen. Wo sich ein junger Mensch einen schmerzhaften Bluterguss hole, da breche sich ein älterer Mensch unter Umständen das Schlüsselbein, die Schulter oder im schlimmsten Fall die Hüfte oder den Oberschenkel: "Mit der Folge, dass die Person ein Pflegefall wird."

Pflege oft daheim


In einem solchen Fall sei wiederum die Landwirtschaftliche Sozialversicherung gefragt, die auch als Pflegeversicherung tätig ist. Dies sei oft der Fall, da in der Landwirtschaft dreimal häufiger gepflegt werde als in der restlichen Bevölkerung. Da meist die zu pflegenden Senioren nicht in ein Altersheim kämen, sondern auf dem Hof blieben, müsse die junge Bäuerin dann zur üblichen Arbeit noch die älteren Menschen pflegen.

"Und wenn das viele Jahre erfolgt, ist oft die Pflegende selber ein Pflegefall." Um hier Hilfe anzubieten, führe man in Bad Birnbach Kurse für Pflegende durch. Weitere Seminare haben Hilfe bei Stresssituationen zum Inhalt. Diese könnten beispielsweise bei der Betriebsübergabe entstehen. Und zwar für die, die den Hof übergeben haben, aber auch für die jüngeren, die dann die Landwirtschaft führen. Neu ist ein Kompaktseminar "Gesundheit", das der Erhaltung und Förderung der Gesundheit diene sowie Hinweise gebe, wie arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren vermieden werden können.

"Wo gehst Du hin? Wann kommst Du wieder heim? Wen nimmst Du mit? Wie bist Du ausgerüstet, und kann das nicht eine Maschine machen?" Solche oder ähnliche Fragen sollte eine Bäuerin stellen, wenn der Landwirt in den Wald fahre, um Bäume zu fällen beziehungsweise Holz zu machen, riet der Referent.

Gefahr besser einschätzen


Damit könne zwar nicht jeder der jährlich rund 4000 bis 5000 Unfälle bei der Waldarbeit in Bayern verhindert werden, aber die Gefahren bewusster gemacht werden. Oft werden sie nämlich gerade von älteren, körperlich nicht mehr so robusten Landwirten unterschätzt - mit gravierenden Folgen.

Verunsicherung beendenDurch die aktuelle Diskussion um die Qualität der Lebensmittel seien nicht nur die Verbraucher, sondern auch die Landwirte verunsichert. Das stellte die Leiterin der Landwirtschaftsschule, Abteilung Hauswirtschaft, Ursula Eckl, fest, die über den einsemestrigen Studiengang Hauswirtschaft informierte, der wieder am 1. September 2017 beginnt.

Das Jahr ließ Kreisbäuerin Brigitte Trummer noch mal Revue passieren, wobei sie den Ortsbäuerinnen dankte. Bei der Kreisbäuerinnen-Tagung habe der Referent betont, dass die Verunsicherung nicht von Vertretern einer Organisation gelöst werden könne. In erster Linie müssten dies Erzeuger landwirtschaftlicher Produkte glaubwürdig praktizieren. (bt)
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