Osterbräuche in der Oberpfalz
Schöne Brunnen - kaputte Eier

11 500 bemalte Ostereier schmücken den Mutter-Kind-Brunnen in Sulzbach-Rosenberg. Bild: ehi
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
26.03.2016
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Sulzbach-Rosenberg/Mitterteich. Die Sulzbach-Rosenberger bewundern kunstvoll bemalte Eier am Mutter-Kind-Brunnen. Die Mitterteicher hingegen zerschlagen ihre Eier am Heimatbrunnen. Die Osterbräuche in der Oberpfalz könnten nicht unterschiedlicher sein.

Streifen, Blumen, Tupfen, bunte Bilder, ganze Texte: 11 500 bemalte Eier zieren den Mutter-Kind-Brunnen in Sulzbach-Rosenberg. Roswitha Fuchs vom Arbeiterkameradschaftsverein rückt die letzten zurecht. Gut zwei Wochen hat sie mit knapp 20 Mitstreiterinnen Girlanden gebunden, gebastelt und geschmückt.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Ostereier weit und breit. Um den Brunnen sind die Sträucher voll damit. An den Hecken hängen bunte Girlanden, ein lebensgroßer Osterhase zieht einen voll beladenen Wagen über die Wiese. Auch die Eier selbst sind kleine Kunstwerke: Sie zeigen Passagen aus der Bibel - inklusive der Weihnachtsgeschichte - oder die Streiche von Wilhelm Buschs "Max und Moritz". Der Osterbrunnen sei ein Ganz-Jahres-Projekt, auch wenn er eigentlich nur vier Wochen im Jahr zu sehen sei, betont Fuchs. Bei den Sulzbach-Rosenberger Ostereiern handle es sich um echte Hühner-, Enten-, Nandu- und Straußeneier. "Es gehen immer wieder welche kaputt, die wir ersetzen müssen." Wie lange die Hobbymaler für die Gestaltung eines der kleinen Kunstwerke brauchen, unterscheide sich nach Aufwand und Größe. Für ein Motiv-Ei sei eine gute Stunde einzuplanen.

Die Mitglieder des Arbeiterkameradschaftsvereins schmücken den Mutter-Kind-Brunnen seit 1992. Ursprünglich stammt diese Tradition aber gar nicht aus der Oberpfalz, sondern "aus der Fränkischen Schweiz", weiß Harald Fähnrich, Arbeitskreis-Hauptvertreter für Historie im Oberpfalzverein. So sei der Brauch auf den dort herrschenden Wassermangel zu Beginn des 20. Jahrhunderts zurückzuführen.

Brunnen als Wasserspender hatten einen hohen Stellenwert. In der Oberpfalz werde die Tradition des Osterbrunnenschmückens seit den 1980er Jahren gepflegt. Eine Tradition, die schon der Oberpfälzer Volkskundler Franz Xaver Schönwerth um 1890 beschrieb, ist das "Oiastoußn" oder "Oierhiartn": "Zwey stossen die Eyer auf einander, zuerst Spitz auf Spitz, dann Spitz auf Arsch oder umgekehrt. Wessen Ey bricht, verliert es an den anderen." Die Mitterteicher treffen sich jedes Jahr am Ostersonntag nach dem Mittagessen am Johannisplatz. Der dortige Heimatbrunnen wird im Vorfeld von den Kindern des Kindergartens geschmückt und bietet so das passende Ambiente für das feierliche "Oierhiartn". Erwachsene und Kinder schlagen in Zweier-Duellen ihre bunten Eier gegeneinander.

"Bei uns findet das Oierhiartn schon seit 40 bis 50 Jahren statt", betont Oberoierhiarter" Willi Schneider. "Spitz af Spitz, Ruck af Ruck", laute das Startkommando. Die Teilnehmer treten so lange gegeneinander an, bis nur noch ein heiles Ei im Rennen ist. Gewinnen wird dessen Besitzer dann freilich nichts - abgesehen, vom einzigen intakten Osterei auf dem Johannisplatz sowie den kaputten seiner Gegner. "Eier waren früher etwas wertvolles", erklärt Schneider.
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