Osternacht in der Herzogstadt
Flüchtlinge vor Roten Meeren

Von der Osterkerze wurde in der Christuskirche das Licht an die Gottesdienstbesucher weitergegeben. Bild: hfz
 
In der Osternacht segnete Dekan Hellauer die Gläubigen in der vollbesetzten Pfarrkirche St. Marien. Bild: thl

Das christliche Osterfest beherrscht auch in der Herzogstadt stets das ganze Feiertags-Wochenende: Die Gläubigen hörten in den Kirchen Tröstliches, aber auch Mahnungen: Das Elend der Flüchtlinge darf nicht spurlos an uns vorbei gehen.

"Die Lesung vom Durchzug durch das Rote Meer darf zu Ostern nie ausfallen", so stehe es in den liturgischen Richtlinien für die Osternacht. Warum aber sei diese uralte Geschichte so wichtig, wenn wir heute Ostern feiern?, fragte Dekan Walter Hellauer in seiner Predigt in der Osternacht in St. Marien. "Eben weil es unseren Vätern in Ägypten bitter und dreckig ging", habe der Jüngste am Tisch beim Pessach-Mahl erfahren.

Nicht nur fortgeschrieben


"Und dann wurde die Geschichte vom gefährlichen Aufbruch erzählt, von der wunderbaren Befreiung und vom langen Marsch durch die Wüste ins gelobte Land." Nie sollten die Juden vergessen, woher sie kämen und was sie hinter sich hätten. Seit Jahrtausenden lebe Israel aus dieser Befreiungsgeschichte. Für Christen gipfele Israels Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens in der Geschichte des Juden Jesus von Nazareth, Gottes Sohn. "Er hat die alte Befreiungsgeschichte nicht einfach nur fortgeschrieben."

Verbrechern ausgeliefert


Uns Christen erinnere diese Erzählung vom Roten Meer aber auch daran, dass Ägypten heute überall dort zu finden sei, wo Menschen unter innerer und äußerer Fremdherrschaft litten, wo sie verelendeten oder ausgebeutet würden.

"Die Flüchtlinge unserer Tage stehen vor den Roten Meeren, die ihre Flucht zum lebensgefährlichen Risiko machen. Sie sind Verbrechern ausgeliefert, die sie für viel Geld mitten auf das Meer fahren und dann ihrem Schicksal überlassen. Andere wagen den gefährlichen Weg durch die Wüste Sahara, in der sie an Orientierungslosigkeit, Durst oder Hitze sterben. Wieder andere wählen den langen Landweg durch Staaten, die ihnen feindlich gesonnen sind und sie nicht aufnehmen wollen." Gerade wegen all dieser Menschen dürfe die Erzählung vom Durchzug durchs Rote Meer zu Ostern nie ausfallen. "Als österliche Menschen müssen wir uns für sie einsetzen, den Schwachen zu ihrem Recht verhelfen, müssen wir sie befreien aus den mörderischen Händen der Pharaonen von heute. Nur so können und dürfen wir Ostern feiern. Denn man kann nicht sagen, Unrecht und Unterdrückung, das hat im Grund nichts mit Glauben zu tun."

Im Ostermorgengottesdienst um 5 Uhr in der Christuskirche sprach Diakonin Irene Elsner über Markus 16, 1-8: "Wir sind damit aufgewachsen, dass Ostern das große, entscheidende Fest für uns Christen ist, ein Fest der Freude, des Lebens. Uns ist der Osterglaube vertraut."

Ganz anders angemessen


Die Frauen damals seien dagegen völlig überrascht worden. Sie hätten an jenem Ostermorgen mehrfach erlebt, dass alles ganz anders sei, als sie dachten. "Die Frauen dürfen Jesus nicht wie einen berühmten Toten in Ehren halten. Sie sollen nicht zu seinem Grab pilgern, so wie man berühmte Menschen verehrt. Ganz anders ist es Jesus angemessen!"

Die Botschaft des Engels weise weg vom leeren Grab, hin in unsere Alltagswelt und in die Zukunft mit der Verheißung: "Dort werdet ihr ihn sehen. Er ist vor uns hingegangen, nicht nur nach Galiläa, sondern auch nach Sulzbach-Rosenberg."

Selbst zum Engel werdenPfarrer Uwe Markert fragte in St. Johannis Rosenberg: "Glauben Sie eigentlich, dass Jesus auferstanden ist?, fragen mich meine Schüler und schauen gespannt. Es ist still in der Klasse, als ich zunächst einmal sage, was auch ich nicht glaube: Ich glaube nicht, dass Jesus nach seinem Tod in sein altes Leben zurückkehrte."

Er glaube nicht, dass Gott dem irdischen Leben Jesu eine weitere, kleine Lebenszeit von 40 Tagen hinzufügte, so dass er das Sterben und den Tod noch einmal vor sich hätte. "Nein, an die Wiederbelebung eines Toten glaube ich zu Ostern nicht!" An den Gräbern fühlten wir uns den Verstorbenen besonders nahe. "Es gibt Menschen, die reden dort mit dem, um den sie trauern. Andere gehen enttäuscht wieder weg von einem Grab, weil sie da nichts finden von dem, dem sie nahe sein wollen." Genau das sei die Erfahrung der beiden Frauen am Ostermorgen in Jerusalem. "Das versuche ich den Schülern zu erklären", so Markert.

Das Grab war leer, wie die Köpfe und Herzen der Frauen. "Gerade dieses Gefühl kennen viele von uns: Da ist nichts, wenn wir am Friedhof stehen, solange wir auch den Stein betrachten und die Namen und das Datum." Genau in dem Augenblick, in dem sich die Hoffnung zerschlage, den gestorbenen Menschen auf dem Friedhof zu finden, leuchtete ein Satz in den Gedanken der Frauen auf: "Fürchtet euch nicht!"

Vielleicht sei das der erste Schritt von der Osterbotschaft zum Glauben: Habt keine Angst! "Ich sage zu den Schülern: Erinnert Euch an die Verstorbenen, haltet sie in Ehren, tut, was deren Vermächtnis ist. Dann leben sie. Und sagt allen, die trauern: Fürchtet Euch nicht! Dann werdet Ihr selbst zum Engel."
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