Pacht-Schrebergärten sollen verkauft werden
Versickert Herzblut im Garten?

Neben einigen schon länger verkauften Gartengrundstücken haben viele Pächter die Schrebergärten in der Anlage "Fuchsgarten" langjährig in Familienbesitz. Eine tief verwurzelte Bindung ist hier der Normalfall.
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
01.07.2016
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Ganz so idyllisch wie es auf dem Bild scheint war es dann doch nicht: Auf dem Pachtgrundstück der Familie Hausner erläuterte Stefan Adam (links) als Vertreter der Immobilien Bayern die Absichten seines Arbeitgebers zum Verkauf der Flächen und zur Stilllegung der Wasserleitung. Dabei musste er sich auch Unmutsäußerungen gefallen lassen. Bilder: Royer (2)

Das wollen sich die Pächter nicht gefallen lassen: Am Annabergweg will der Freistaat Bayern die Schrebergartenanlage ohne Vorkaufsrecht verkaufen. Das über viele Jahre bei der Flächenpflege aufgebrachte Herzblut könnte umsonst gewesen sein. Jetzt ergreift die Pächtergemeinschaft Gegenmaßnahmen.

Zunächst flatterte den Schrebergartenpächtern der Anlage "Fuchsgarten" vor einigen Tagen ein Schreiben in den Briefkasten, in dem die Regionalvertretung der Immobilien Bayern informierte, dass die dortige marode Wasserleitung stillgelegt wird. Die Pächter der früheren Maxhütte-Flächen sollten sich auf diese neuen Umstände einstellen, gab es als Empfehlung.

Im Schreiben folgte auf der zweiten Seite eine Nachricht mit noch größerer Brisanz für die Hobbygärtner: "Außerdem beabsichtigt die Immobilien Freistaat Bayern, die Gartenparzellen zu verkaufen. (...) Ein Vorkaufsrecht für den derzeitigen Pächter besteht auf Grund unserer Regularien nicht. (...)" Diese Mitteilung wollten die Betroffenen der knapp 40 Schrebergärten nicht einfach kommentarlos hinnehmen.

Beim Ortstermin am Mittwoch auf der Anlage mit Stefan Adam von der Regionalvertretung der Immo Bayern rückte die marode Wasserleitung in den Hintergrund. Die Pächter sehen nun mit der Verkaufsankündigung ihre oft jahrzehntelange mühevolle Arbeit auf den Flächen mit einem Federstrich vernichtet, zumal ein Vorkaufsrecht nicht vorgesehen ist. Ob das Alter der teilweise mit dieser Situation überforderten Pächter oder deren finanzieller Status bei diesem Vorgehen überhaupt eine Rolle gespielt haben, scheint eher fraglich.

Gelebte Integration


Wie von den versammelten Hobbygartlern mehrfach zu hören war, wurden die teils in oft verwahrlostem Zustand angetroffenen Flächen mit enormem Arbeitsaufwand urbar gemacht. Die Verwurzelung mit diesen Pachtgrundstücken ist buchstäblich intensiv. Da viele deutschstämmige Spätaussiedler ihre Grundstücke neben alteingesessenen Pächtern haben, zeige sich auf dieser Anlage zudem ein sichtbares Beispiel von gelebter Integration. Stefan Adam brachte Verständnis für die Aufregung der Versammelten auf, musste aber betonen, dass er natürlich nicht über die Regularien seines Arbeitgebers zu befinden hätte. Die Möglichkeit des Beschwerdeweges stünde den Betroffenen jedoch offen.

Vorkaufsrecht erwirken


Den will die Pächtergemeinschaft nun auch beschreiten und für ein Vorkaufsrecht ihrer Grundstücke kämpfen. In einem ersten Schritt wurde Bürgermeister Michael Göth per Brief von der angespannten Lage in der Lauben-Kolonie informiert und ein Ortstermin vereinbart, an dem auch Jürgen Winter, Leiter des Stadt-Liegenschaftsamtes, teilnehmen wird. Die Einschaltung weiterer politischer Mandatsträger besteht als zusätzliche Option, um ein Vorkaufsrecht zu erwirken. (Angemerkt)

Immobilien BayernDie Immobilien Freistaat Bayern ist nach eigenen Angaben als kaufmännisch eingerichteter Staatsbetrieb Teil der Staatsverwaltung des Freistaates. Als solcher ist sie als Dienstleistungsunternehmen zuständig für die Verwaltung der landeseigenen Immobilien. Ihr obliegt dabei ressortübergreifend insbesondere der Erwerb, die Veräußerung und die Belastung von Grundstücken, der Abschluss von Miet- und Pachtverträgen und das Flächenmanagement im staatlichen Immobilienbestand. (oy)
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