Pfarrer Wolfgang Bruder spricht beim Reformationstag
Gabe, aus der wir leben können

2. Männerbund-Vorsitzender Andreas Weber (Mitte) dankte mit Dekan Karlhermann Schötz (rechts) Pfarrer Wolfgang Bruder. Bild: awb

"Was uns Dr. Martin Luther heute zu sagen hat": Darum ging es im Festvortrag von Pfarrer Wolfgang Bruder, dem Beauftragten des Dekanats für das Reformationsjubiläum, im Gemeindesaal unter der Christuskirche. Der 2. Vorsitzende des Sulzbacher Männerbundes, Andreas Weber, hieß den Referenten mit beiden Kirchengemeinden und Männerbünden mit 2. Vorsitzenden Manfred Weiß (Rosenberg) und Sulzbach mit Dekan Karlhermann Schötz willkommen.

Hart erkämpft


"Martin Luther würde uns sagen, dass die Wiederentdeckung des Evangeliums hart erkämpft und persönlich erlitten war", begann Pfarrer Bruder. In seiner späten Jugend hatte Luther mehrere Erlebnisse, die ihn fragen ließen: "Was wäre, wenn ich jetzt gestorben wäre und wie könnte ich vor Gott bestehen?"

Er habe große Ängste erlitten. Wenn man heute nach Luther frage, könnte dies ein Anknüpfungspunkt sein, denn viele Menschen hätten heute Ängste. "Angst ist so etwas wie eine Volkskrankheit, Existenzangst, Zukunftsangst. Und die Frage steht im Raum, wie gehen wir damit um?"

Martin Luther habe sich mit seiner ganzen Existenz dieser Aufgabe gewidmet und dabei wertvolle Hilfe gefunden: die Bibel. "Er hat in seiner Angst in der Bibel geforscht, nicht unbeteiligt, sondern existenziell, er hat in ihr gegraben, sie beackert, ob er denn ein Wort finden könnte, das ihn tröstet."

Das Wort Gerechtigkeit hätte ihn dabei erst noch abgeschreckt, denn vor Gottes Gerechtigkeit könne keiner bestehen. Aber dann sei ihm klar geworden, dass Gottes Gerechtigkeit ein Geschenk sei, das er uns mache, eine Gabe, aus der wir leben könnten durch den Glauben an Jesus Christus. Er fühlte sich wie neugeboren, wie im Paradies, als er dies erkannte, und das wurde zur Grundlage der Wiederentdeckung des Evangeliums und auch der Bewältigung seiner Angst.

Quellen des Glaubens


Hier, so Bruder, entdeckte er die christliche Freiheit, wie er sie dann in seiner Hauptschrift "Von der Freiheit eines Christenmenschen" beschrieb. Die Freiheit des Glaubens für den Menschen bestehe darin, dass Gott ihn von seiner Sünde befreie und mit der Verheißung des ewigen Lebens beschenke. Dies werde heute oft missverstanden, zum Beispiel im Sinn der Französischen Revolution oder Aufklärung als Meinungsfreiheit. Wenn das Reformationsjubiläum dazu beitrage, wieder an die Quellen des Glaubens zu kommen, dann sei es nicht umsonst gewesen. Der Glaube an Jesus Christus helfe uns auch, in unseren modernen Ängsten zu bestehen. "Er kann uns davon befreien", so Pfarrer Wolfgang Bruder zum Schluss.

Andreas Weber bedankte sich mit Dekan Karlhermann Schötz bei Pfarrer Wolfgang Bruder mit einer " Luther-Tasse", gefüllt mit Luther-Bonbons, für den eindrucksvollen Vortrag. Dekanatskantor Gerd Hennecke erfreute mit Musikstücken, Dekan Schötz schloss mit Dank die Veranstaltung mit dem gemeinsam gesprochenen "Luthers Abendsegen" und dem Vaterunser.
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