Polizei stoppt Bus am Bahnhof Sulzbach-Rosenberg
Kaffeefahrt endet im Fiasko

Die berühmt-berüchtigten Kaffeefahrten sterben anscheinend nicht aus. Am Bahnhof in Sulzbach-Rosenberg hat die Polizei einen solchen Ausflug vorübergehend gestoppt. Dubiose Reiseveranstalter locken mit bunten Postwurfsendungen besonders gern Senioren auf Busfahrten, die in reinen Verkaufsveranstaltungen enden. Symbolbild: dpa
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
23.09.2016
5435
0

Die Polizei wollte den Ausflug schon am Bahnhof in Sulzbach-Rosenberg stoppen. Doch sie musste den Busfahrer gewähren lassen. Erst im Raum Forchheim war mit der dubiosen Reise Schluss.

Die Businsassen hatten sich auf die Fahrt gefreut. Immerhin hatte der Reiseveranstalter für Donnerstag ein tolles Erlebnis versprochen. Am Ende dürfte die Enttäuschung groß gewesen sein, denn der Anbieter selbst brach die Reise ab - nachdem die Polizei schon bei der Abfahrt in Sulzbach-Rosenberg versucht hatte, die Expedition aufzuhalten.

Mehrere Senioren aus dem Raum Amberg und Sulzbach-Rosenberg hatten sich für eine Kaffeefahrt angemeldet, in deren Vorfeld die Ermittler bereits aktiv geworden sind. Denn vor wenigen Tagen war etlichen Senioren eine Postwurfsendung ins Haus geflattert, die laut Polizei so gar nicht den rechtlichen Vorgaben entsprach. "Schon die Aufmachung ließ darauf schließen, dass es sich hier um unlauteres Geschäftsgebaren handelt", teilte Polizeihauptkommissar Michael Kernebeck mit. Die Polizei rechnete mit der ganzen Bandbreite zwischen Nepp und Bauernfängerei: Die Senioren werden in irgendeinen Gasthof gefahren, dort in zermürbenden Vorträgen rhetorisch geschickt zum Kauf überteuerter Waren angehalten. "Schon alleine, um endlich die Veranstaltung verlassen zu können, kauft mancher Senior das überteuerte Produkt", weiß Kernebeck. Die Reisegäste würden massiv unter Druck gesetzt. Bisweilen komme es vor, dass die Rückfahrt verweigert werde, wenn keine Geschäfte zustande kommen.

"Mit diesem Wissen entschlossen sich die Beamten, den Bus zu kontrollieren." Als das Fahrzeug am Bahnhof in Sulzbach eintraf, seien zehn Personen aus dem Raum Amberg an Bord gewesen. Zum Ziel seiner Reise befragt, habe sich der 53-jährige Busfahrer aus Chemnitz wortkarg gezeigt. Genauso wenig kooperativ war das Busunternehmen aus Thüringen. "Letztendlich konnten die Beamten die Fahrgäste nur auf die Praktiken hinweisen, für eine Untersagung der Weiterfahrt fehlte es an der Rechtsgrundlage", erklärte der Polizeihauptkommissar.

Mit Verzögerung


Mit einer Verzögerung von einer knappen halben Stunde setzte der Bus dann seine Fahrt in unbekannte Richtung fort. Vor dem Hintergrund der über die Landesgrenzen hinaus geführten Ermittlungen allerdings sah sich der Veranstalter im weiteren Verlauf wohl zu einem Rückzieher gezwungen. Wie Kernebeck weiter mitteilte, sei der Ausflug im Raum Forchheim abgebrochen worden "und der Busfahrer musste seine Fahrgäste allesamt an ihre Ausgangsorte zurückbringen".
Weitere Beiträge zu den Themen: Polizei (2703)OnlineFirst (12908)Kaffeefahrt (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.