Polizeichef Klaus Erras geht
Positives Bild vom Menschen

Erster Polizeihauptkommissar Klaus Erras wird am Freitag offiziell in den Ruhestand verabschiedet. Bild: Gebhardt
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
26.04.2016
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Der Kleiderbügel daheim ist schon hergerichtet. Er wartet auf die komplette Uniform mit den fünf silbernen Sternen auf jeder Schulter. Sie wird den Ersten Polizeihauptkommissar in den Ruhestand begleiten. Klaus Erras, Polizeichef der Herzogstadt, hat fast 40 Dienstjahre absolviert - hier ein privater Rückblick, nicht ganz frei von Emotionen.

"Es war eine schöne Zeit, trotz aller Belastungen, und ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge": Klaus Erras sitzt in seinem Dienstzimmer, das er am Samstag von privaten Gegenständen befreien wird. Draußen warten schon Wegbegleiter, die sich verabschieden wollen, aber der Polizist nimmt sich Zeit für eine persönliche Bilanz mit der SRZ.

Wie war das 1985 am Bauzaun? Wackersdorf habe ihn geprägt, blickt der 60-Jährige zurück und begründet eine wichtige Entscheidung seiner Laufbahn: "Die damalige Beeinflussung der polizeilichen Arbeit durch die Politik hat mich bewogen, auf eine Laufbahn im höheren Dienst zu verzichten."

In den 20 Jahren als Dienstgruppenleiter in Amberg hat er den Polizeialltag mit all seinen Tiefen und wenigen Höhen hautnah mitbekommen. Schwere Unfälle, Tote, Schlägereien, Einbrüche, Sachbeschädigungen - "das ganze Programm halt", erinnert sich der Beamte. "Aber wenn man im Sommer nach erfolgreich getaner Arbeit um halb sieben morgens nach Hause gefahren ist, dann war da oft schon ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit." Seine Zeit in Sulzbach-Rosenberg als Stellvertreter und später als Chef sieht er geprägt von einigen Schwerpunkten: Politische Schmierereien, vornehmlich aus der linken Szene, sorgten etwa 2009 für große Sachschäden und Unmut. Hier gelang es, durch gezielte Maßnahmen die Brennpunkte zu entschärfen, die Szene ist fast verschwunden.

"Die Übersiedler-Problematik war 2011 schon wieder am Abklingen. Ich hab' das dann statistisch aufgearbeitet, da hat sich gezeigt, dass es in dieser Gruppe keine Auffälligkeiten mehr gibt." Auch bei den auffällig vielen Wohnungseinbrüchen 2014 sei es gelungen, die Tätergruppe dingfest zu machen. Fazit: "Sulzbach-Rosenberg ist sicher - an diesem Fakt kommt keiner vorbei!"

Vieles bewirkt


Die erfolgreiche Arbeit mit den Flüchtlingen und die vorbildliche Integration sind der jüngste Erfolg einer humanen Polizeiarbeit. "Beharrlichkeit, Ehrlichkeit, Transparenz", nennt Klaus Erras als Grundlage seiner Arbeit, damit hat er vieles bewirken können.

Der Erste Polizeihauptkommissar ist dankbar, "demütig", wie er sagt, dass weder seine Kollegen noch er ernsthafte Schäden im Dienst erlitten. Auch wenn die Arbeit manchmal traumatisierend gewirkt habe. Erras musste in den fast vier Jahrzehnten nie auf einen Menschen schießen. Lediglich vergangenes Jahr erlitt er einen "Cut" an der Augenbraue, als er in der Rosenberger Straße eigenhändig einen Schläger festnahm, der auf Frauen losgegangen war.

"Ich habe der Polizei viel gegeben, aber auch viel von ihr bekommen." Das Verständnis seiner Frau und der Familie sei maßgeblich gewesen für das Gelingen der Laufbahn. Jetzt wird er, der sein Leben auf fünf Säulen gegründet hat, im Schatten der verbliebenen vier seinen Hobbys nachgehen: Alte Autos und Motorräder restaurieren, Sport treiben, Geschichtsforschung betreiben und sich um den Enkel kümmern.

Klaus Erras ist ein halber Sulzbach-Rosenberger. Viele Jahre hat er in der Herzogstadt gewohnt, ist auch hier zur Schule gegangen. Jetzt wechselt er zufrieden in einen neuen Lebensabschnitt: "Ich habe ein positives Menschenbild. Ohne das wäre ich sonst wahrscheinlich verbittert. Aber so kann ich zufrieden gehen. Es war eine schöne Zeit." Dann steht er auf - die Besucher warten. Die Ära Erras geht unwiderruflich zu Ende.

Werdegang1.3. 1978: Nach dem Abitur Eintritt in die Bereitschaftspolizei Eichstätt

1979: Beginn der Ausbildung für den gehobenen Dienst an der Beamtenfachhochschule Fürstenfeldbruck, Abschluss 1982 im 1. Fünftel, damit Eignung für den höheren Dienst

1982: Dienstantritt als Polizeikommissar und Zugführer bei der Bereitschaftspolizei Nürnberg, zeitweise Abordnung ans Polizeipräsidium Mittelfranken zum Polizei-Einzeldienst

1984: Versetzung nach Amberg zur Verkehrspolizei

1985: Verwendung bei den Anti-WAA-Einsätzen um Wackersdorf in vorderster Front als einer der ersten neuen "Diskussionsbeamten" im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit "Gewalt, nein danke!"

1986: Beförderung zum Polizeioberkommissar

1988: Dienstantritt in der Polizeiinspektion Amberg, 20 Jahre Dienstgruppenleiter im Schichtdienst

1991: Beförderung zum Hauptkommissar

2008: Wechsel zur Polizeiinspektion Sulzbach-Rosenberg als Vertreter des damaligen Inspektionsleiters Roland Renner

2013: Ernennung zum Inspektionsleiter und zum Ersten Polizeihauptkommissar

1. Mai 2016: Versetzung in den Ruhestand (ge)
Sulzbach-Rosenberg ist sicher - an diesem Fakt kommt keiner vorbei!Erras über die aktuelle Lage
Die damalige Beeinflussung der polizeilichen Arbeit durch die Politik hat mich bewogen, auf eine Laufbahn im höheren Dienst zu verzichten.Klaus Erras
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