Projekt Ökokid im Kindergarten Rosenberg
So bleibt das Gelernte hängen

Während einer Waldwoche erkundeten die Kinder die Ursprünge des Papiers. Bilder: hfz (2)

Begonnen hat alles im April 2015 mit einem großen Haufen Papier. Drei Tage sammelten Erzieherin Christl Lösch und Kinderpflegerin Vanessa Wölfel die Reste, die nach dem Malen oder Basteln im Papiereimer gelandet waren. Dann konfrontierten sie ihre Schützlinge damit. Und die begriffen schnell.

"Da ist ja nur ein bisschen was draufgekritzelt. Oder nur eine kleine Ecke abgeschnitten", stellten sie fest. Lösch und Wölfel unterhielten sich mit den 19 Kindern zwischen drei und sechs Jahren, wo die Blätter herkommen, den Unterschied zwischen neuem und Altpapier oder auch Verschwendung. Und so war ein Projekt geboren: "Mach mit, schlag ein, ich lad Dich ein, ab heut ein Ökokid zu sein. Papier und Bäume, schau hin!"

In der vergangenen Woche hat Umweltministerin Ulrike Scharf Lösch und Wölfel für das Projekt ausgezeichnet und ihnen das Zertifikat "Ökokids - Kindertageseinrichtung Nachhaltigkeit" des LBV verliehen (wir berichteten).

Selbst Papier schöpfen


Mit großem Forscherdrang seien die Kinder bei den Aktionen des Projekts dabei gewesen, bescheinigt ihnen Lösch. Auf dem Rundgang durch einen Supermarkt suchten sie das Umweltsiegel "Blauer Engel", schauten sich am Wertstoffhof um und unternahmen den anstrengenden Versuch, selbst Papier zu schöpfen.

Erkenntnisgewinn im Wald


Bei einer Waldwoche, die den Höhepunkt des Projekts darstellte und bei der eine Brücke, eine Waldschaukel, ein Klettergerüst und ein Unterstand gegen Regen entstanden sind, fanden die Kinder dann letztlich zum Ursprung des Papiers. Und zur Erkenntnis, wie wertvoll der Wald für die Menschen ist.

Ganz bewusst hätten die beiden Erzieherinnen ihre Schützlinge den Verlauf des Projekts selbst mitbestimmen lassen, sagen sie selbst. So sei ein Wir-Gefühl entstanden, das sowohl die Gemeinschaft aller als auch das Selbstwertgefühl und Vertrauen in eigene Fähigkeiten eines jeden Kindes gestärkt habe. Im Verlauf des gesamten Projekts seien die Eltern mit einbezogen gewesen, berichtet Wölfel - beim Familiennachmittag, bei Tür- und Angelgesprächen am Morgen und am Mittag beim Abholen, durch Aushänge und Gebasteltes für daheim.

Lösch und Wölfel sind besonders stolz darauf, dass das Gelernte offenbar auch hängengeblieben ist. Denn nicht selten erzählen zum Beispiel Eltern im Kindergarten, dass sie jetzt nur noch Klopapier mit dem Blauen Engel auf der Verpackung kaufen dürfen, weil die Kinder das so bestimmen.

Dass das Zertifikat, das nun am Eingang der Gruppe des Herz-Jesu-Kindergartens hängt, keine Selbstverständlichkeit ist, macht der Umstand deutlich, dass auch einige Bewerber abgelehnt worden sind. Davon erfuhr Lösch bei der Verleihung in der Villa Leon in Nürnberg.

Wie es mit den Ökokids im Herz-Jesu-Kindergarten weitergeht, ist noch nicht klar. "Es war wirklich ein großer Aufwand, das Projekt durchzuziehen und zu dokumentieren", gibt Lösch zu bedenken. Bewerben wollen Lösch und Wölfel sich mit einem neuen Projekt aber trotzdem wieder.

Idee für die Zukunft


Die beiden können sich gut vorstellen, dann das Selbstwertgefühl der Kinder und ihre Fähigkeit, sich gegenüber anderen zu behaupten, in den Mittelpunkt zu stellen. Die Mädchen und Buben sollen deshalb auch wieder die Möglichkeit bekommen, mitzubestimmen.
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