Projekttag für die Beamten des 27. Ausbildungsseminars der VII. Bereitschaftspolizeiabteilung ...
Asylsuchende und die Polizei

Polizeiobermeisterin Kathrin Vogler (stehend) berichtete über ihre Arbeit in der Erstaufnahmeeinrichtung in Deggendorf. Bild: hfz
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Sulzbach-Rosenberg
16.08.2016
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Haben Flüchtlinge alle teure Smartphones? Kosten sie mehr, als sie einbringen? Machen sie sich bei uns ein schönes Leben, während wir arbeiten? Solche Fragen kommen in vielen Gesprächen auf. Junge Bereitschaftspolizisten machten sich auf die Suche nach Fakten.

Ein Projekttag bot den Beamten des 27. Ausbildungsseminars der VII. Bereitschaftspolizeiabteilung Sulzbach-Rosenberg die Möglichkeit, sich kritisch mit ihrem eigenen Bild von Ausländern allgemein und Asylsuchenden im besonderen auseinanderzusetzen. Hierbei sollten sie vor allem erfahren, wie sich Vorurteile verändern, von Tatsachen unterscheiden lassen.

Nicht nur Gesehenes


Dorothea Jüngst von der bayerischen Polizeiseelsorge eröffnete das Programm mit einer interkulturellen Übung. Die Polizeischüler sollten das Verhalten eines Mannes und einer Frau in einer Szene genau beobachten und anschließend reflektieren. Es fiel auf, dass sie nicht nur das tatsächliche Gesehene schilderten, sondern bereits ihre Interpretationen hinzufügten.

Verbreitete Vorurteile griff Patrick Wolf, Vorsitzender der Evangelischen Jugend in Bayern, zum Einstieg in seinen Vortrag auf und lieferte Hintergründe. Zum Thema Smartphone stellte er beispielsweise dar, dass die Anschaffungskosten in den Herkunftsländern verhältnismäßig günstig seien. Oft gäbe es keine andere Möglichkeit, den Kontakt mit der Familie zu halten.

Das Hauptziel der Evangelischen Jugend liege darin, jugendlichen Flüchtlingen eine neue Heimat zu geben. Sie biete unter anderem Lernpatenschaften, Sprachförderung, Hausaufgabenhilfen und Hilfe bei der Alltagsbewältigung an.

Polizeiobermeisterin Kathrin Vogler ist von ihrer Dienststelle, der Polizeiinspektion Straubing, aktuell zur Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) in Deggendorf abgeordnet. Diese Arbeitsgruppe beschäftige sich mit der Registrierung der Flüchtlinge und bearbeite Delikte des Aufenthalts- und Strafrechts, die sowohl durch als auch an Asylbewerbern verübt werden. Zudem leistet die EAE Amtshilfe bei Abschiebungen, Zusammenführungen von Familien und Kommunikationsproblemen.

Dieser Herausforderung habe sie sich bewusst stellen wollen, berichtete Vogler. Das Ausmaß der Belastung sei angesichts der Lärm- und Geruchsbelästigung, der Verständigung sowie des Zeitdrucks enorm gewesen. Tägliche Konfrontation mit menschlichen Schicksalen, Bürokratie und Krankheitsgefahren spielten ebenfalls eine Rolle.

Noch nie Probleme


Ein Problem mit den Flüchtlingen hatte Vogler ihrer Aussage nach noch nie. Durch ihr höfliches, aber bestimmtes Auftreten hätten auch die Männer gewusst, woran sie waren, und dadurch habe sie keinen Zweifel an ihrer Autorität zugelassen.

Die dritte Referentin, Diplom-Sozialpädagogin (FH) Anne Kuchler von der Asylsozialberatung der Caritas Amberg-Sulzbach, hat spezielle Sprechstunden, in denen Flüchtlinge ihre Sorgen oder Probleme ansprechen und zusammen mit ihr eine Lösung erarbeiten können. Die Sozialpädagogin hilft bei schulischen Angelegenheiten, der Arbeitssuche, der Vermittlung von Deutschkursen oder Behördengängen. In der Flüchtlingshilfe ist sie seit 25 Jahren tätig und hat meist dann mit den Flüchtlingen zu tun, wenn sie mehr Anerkennung wünschen, sich ungerecht behandelt oder ihren Mitmenschen gegenüber ausgeliefert fühlen und sie sich nicht mehr selbst helfen können.

Während ihres Vortrages hatten die Beamten des 27. Ausbildungsseminars die Möglichkeit, über ihre eigenen Erfahrungen, im speziellen während ihres Praktikums beim polizeilichen Einzeldienst, zu berichten. Hierbei zeigte sich, dass es kaum negative, sondern vor allem positive Begegnungen mit Flüchtlingen gegeben hat.
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